Die besten Restaurants in Baden-Württemberg: Wir essen in außergewöhnlichen Kneipen, bodenständigen Landgasthöfen und ausgezeichneten Sternerestaurants. Heute im Test: Die Alte Post in Kuchen.
Das Team
Die Familie Heer betreibt seit rund 45 Jahren die Alte Post in Kuchen, einem kleinen Ort bei Göppingen. Inzwischen haben sich Gabriele und Walter Heer in die zweite Reihe zurückgezogen, seit 2016 leitet Sohn Ludwig das Restaurant. Der 43-Jährige ist direkt über der Gaststube aufgewachsen – da lag der Beruf ziemlich nahe. „Meine Eltern haben mir immer abgeraten, Koch zu werden“, sagt Ludwig Heer und lacht. Er bereut die Entscheidung keine Sekunde, denn er interpretiert den Job ganz anders, steht nicht mehr täglich am Herd und ist „mehr im Hintergrund tätig“: „Das geht nur, weil wir ein super Team haben.“
Ein wichtiges Mitglied ist Junior-Chefin Christine. Die 32-Jährige wurde mit Trisomie 21 geboren, besuchte dennoch eine Regelschule und arbeitet nun im Service oder in der Küche mit – wo sie eben gebraucht wird. „Meine Mutter engagiert sich sehr für Inklusion. Wir haben neben meiner Schwester auch noch weitere Mitarbeiter mit Einschränkungen“, sagt Ludwig Heer.
Der Küchenmeister hat sein Handwerk in Moped-Reichweite auf der Burg Staufeneck bei Sternekoch Rolf Straubinger gelernt. Nach der Ausbildung ging’s nach Baiersbronn in die Schwarzwaldstube zum legendären Harald Wohlfahrt und dann nach Miami ins Hotel Ritz-Carlton.
Bei Kochwettbewerben wusste sich der gebürtige Geislinger zu präsentieren, so wurde das Fernsehen auf ihn aufmerksam. Ludwig Heer kocht bei verschiedenen TV-Formaten. Außerdem war er gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin, dem Münchner Model Giulia Siegel, in einigen Reality-Shows zu Gast. „Wir haben uns vor fast acht Jahren bei gemeinsamen Freunden in Baden-Baden kennengelernt und führen bewusst eine Fernbeziehung“, erzählt Heer, der in Göppingen wohnt.
Das Lokal
Der gemütliche Gasthof mit Geranien vor dem Fenster und Weinlaubumkränztem Torbogen verteilt sich über verschiedene Stuben mit viel Holz, Kassettendecken und geselligen Eckbänken. Zeitgemäß gehts im ersten Raum zu – mit einem großflächigen Wandgemälde, Designerleuchten und modernen Samtsesseln. Das Restaurant ist barrierefrei.
Das Essen
Der Vorspeisenturm „Von ällem a bissle“ (33,90 Euro, für 2 Personen) bildet einen furiosen Auftakt. In verschiedenen Schälchen finden sich Carpaccio, Vitello Tonnato, Räucherlachs, Saibling, gebackene Garnele, gebackene Champignons, Schafskäse, Melone, Salami, Tomaten, Rucola, Butter und Brot. Alles hübsch angerichtet auf einer Tisch füllenden Etagere. Die Teller finden noch so gerade Platz, die Tischdeko muss kurzerhand ausgelagert werden. Danach ist man schon fast satt.
Gut, dass sich fast jedes Hauptgericht auf der Karte als kleine Portion bestellen lässt. Auf die mediterran inspirierten Köstlichkeiten folgt ein auf den Punkt gebratener Zwiebelrostbraten (klein 24,90 Euro/groß 27,90 Euro). Außerdem gibt es verschiedene Steak- und Schnitzelvarianten, zwei Fischgerichte und verschiedene vegane Optionen wie Falafelbällchen und Quinoaschnitzel. Beilagen – Karotten, wilder Brokkoli, Spätzle, Pommes frites – werden separat angeboten und extra verrechnet.
Natürlich muss zum Nachtisch eine hausgemachte Praline sein. Die süßen Sünden sind ein weiteres Standbein von Ludwig Heer. Schon 2008 hat er eine Manufaktur gegründet und stellt knallbunte, fancy Schoko-Kreationen her. „Die meisten Köche halten sich aus der Patisserie heraus, doch ich hatte schon immer ein Faible dafür und habe mich in den USA speziell weitergebildet“, erzählt Ludwig Heer.
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Info
Adresse
Alte Post, Staubstr. 3, 73329 Kuchen; Tel. 0 71 61 / 3 08 40 75, Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag 11 – 14.30 und 17 – 22.30 Uhr, Sonntag: 11 – 15.30 und 16.30 – 21 Uhr; https://ludwigheer.de

