Im aktuellen Dienstwagen- Check der Deutschen Umwelthilfe (DUH) hat Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) als einziger Landeschef eine „Grüne Karte“ erhalten. Sein E-Mercedes-Benz EQS 580 4MATIC habe einen CO2-Ausstoß von 82 Gramm pro Kilometer, teilte die DUH bei der Vorstellung ihres 17. Dienstwagen-Checks am Montag in Berlin mit.
Für diesen befragt die DUH laut eigenen Angaben regelmäßig deutsche Spitzenpolitiker auf Landesebene und die Bundesregierung zu den Umweltdaten ihrer aktuellen Dienstwagen – und bewertet diese. Auf der Webseite der DUH heißt es: „Wir stützen unsere Bewertung auf den durchschnittlichen CO2-Ausstoß in Gramm pro Kilometer (g/km) der Fahrzeuge bzw. Fahrzeugflotten, wobei seit 2018 die realen CO2-Werte der Fahrzeuge für das Ranking herangezogen werden.“ Voraussetzung für die „Grünen Karte“ sei die Einhaltung des seit 2020 geltenden CO2-Grenzwertes von 95 Gramm pro Kilometer im realen Betrieb, heißt es dort weiter.
Einige Politiker bekommen „Grüne Karte“
Im Bundeskabinett gab es solche Grüne Karten für Familienministerin Lisa Paus, Umweltministerin Steffi Lemke (beide Grüne) und ihre SPD-Ministerkollegin Svenja Schulze (Entwicklung) für die Nutzung von vollelektrischen Dienstwagen. Schlusslicht im Bund ist Justizminister Marco Buschmann (FDP) mit einem Audi A8 und 236 Gramm, das rund Zweieinhalbfache des vorgeschriebenen europäischen Flottengrenzwerts von 95 Gramm pro Kilometer.
Allerdings: Die Spitzenpolitikerinnen und -politiker in Bund und Ländern nutzen laut DUH weiterhin mehrheitlich klimaschädliche Dienstwagen. 214 von 257 befragten Politikerinnen und Politikern führen Dienstkarossen, die mindestens 20 Prozent mehr CO2 ausstoßen als zugelassen. 113 Befragte nutzten besonders klimaschädliche Plug-in-Hybride, die DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz als „Mogelpackung mit grünem Anstrich“ bezeichnete.
Am klimafreundlichsten fährt demnach die sächsische Justizministerin Katja Meier (Grüne) mit einem VW ID.3 Pro und einem realen CO2-Ausstoß von 68 Gramm pro Kilometer. Schlusslichter sind NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst, NRW-Innenminister Herbert Reul, Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (alle CDU) und Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD). Ihre Audis A8 stoßen auf der Straße 380 Gramm CO2 pro Kilometer aus. Dafür bekommen sie von der Umwelthilfe die Rote Karte. (1650/10.07.2023)
Viel Handlungsbedarf laut Barbara Metz
Für die Umwelthilfe-Bundesgeschäftsführerin Metz steht der neue Dienstwagen-Check für das „das, was gerade schiefläuft“ in der Klima- und Verkehrspolitik der Bundesregierung. Es gebe zwar positive Tendenzen, aber auch viel Handlungsbedarf.
Trotz Grenzwertverfehlung habe sich der durchschnittliche reale CO2-Ausstoß der abgefragten Dienstwagen im Vergleich zum Vorjahr von 219 Gramm auf 165 Gramm reduziert. Das liege an einem gesteigerten Anteil elektrischer Dienstfahrzeuge auf knapp ein Viertel (23 Prozent). So fahren 9 von 17 Umweltministern aus Bund und Ländern beispielsweise elektrisch.
Grüne Karte nicht für alle E-Autos
Nicht jeder E-Auto-Nutzer bekommt von der Umwelthilfe aber auch die Grüne Karte. So gibt es für Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) nur eine Gelbe Karte. Grund: Sein Audi e-tron sportback 55 ist laut Umwelthilfe überdimensioniert.
Umwelthilfe-Verkehrsexpertin Dorothee Saar sagte, batterieelektrische Antriebe seien zudem nicht per se emissionsfrei, sondern ihre Klimawirkung hänge auch vom Anteil fossiler Energien im Strommix ab. Effizienzstandards auch für E-Fahrzeuge seien daher überfällig.
Vorbildlich sind laut Umwelthilfe die Staatssekretäre Udo Philipp und Sven Giegold aus dem Bundeswirtschaftsministerium sowie Hamburgs Verkehrssenator Anjes Tjarks (alle Grüne). Alle drei verzichten komplett auf einen Dienstwagen und nutzen stattdessen Dienstfahrräder, Fuhrpark-Fahrzeuge oder Car-Sharing.

