Baden-Württemberg

Tui schickt Abmahnung an Hechinger Reisebüro

Der Touristikkonzern Tui will die Verträge mit einem Reisebüro in Hechingen kündigen, weil es durch Werbung für die AfD aufgefallen war. Der Betreiber, ein AfD-Stadtrat, gibt sich nach dem ersten Einlenken nun kämpferisch.

  • Früher stand vor dem Reisebüro ein Sonnenschirm in AfD-Blau mit dem Logo der rechtspopulistischen Partei.Foto: Schwarzwälder Bote/Stopper

    Früher stand vor dem Reisebüro ein Sonnenschirm in AfD-Blau mit dem Logo der rechtspopulistischen Partei.Foto: Schwarzwälder Bote/Stopper

Selten erreichen Reisebüros noch so viel Aufmerksamkeit wie derzeit das von Johannes Simon in Hechingen. Das liegt vor allem an der politischen Einstellung des 72-Jährigen: Denn Simon sitzt für die AfD im Hechinger Gemeinderat, vor seinem Büro war lange ein AfD-Infostand mit Sonnenschirm in AfD-Blau und mit dem Logo der rechtspopulistischen Partei zu sehen. Zudem startet dort jeden Montag eine Gruppe von AfD-Sympathisanten, um mit Deutschland-Fahnen durch das Städtchen im Zollernalbkreis zu ziehen und die Unzufriedenheit mit der Politik der Bundesregierung zu demonstrieren.

Das Tui-Logo muss das Reisebüro bald entfernen

Auf diese Aufmerksamkeit würde der Touristikkonzern Tui, dessen Logo an Simons Reisebüro prangt, aber lieber verzichten – und hat seinem Geschäftspartner deshalb eine Abmahnung geschickt. „Wir wollen keine politischen Äußerungen in unserem Verkaufsfeld haben“, erklärt ein Tui-Sprecher den Schritt. Simon lenkte ein und entfernte daraufhin den AfD-Infostand: „Ich will es mir mit Tui nicht verscherzen“, sagt er. Nächsten Monat werde er zwar 73 Jahre alt, aber zwei bis drei Jahre wolle er schon noch arbeiten – und Tui habe eben das beste EDV-System.

Doch das reicht dem Touristikkonzern nicht: Das Ziel sei die Kündigung der Geschäftsbeziehung, wie ein Sprecher gegenüber unserer Zeitung betonte. „Derzeit lassen wir die vertragliche Situation juristisch prüfen“, heißt es. Man wolle aus den Verträgen, könne sie aber nicht so einfach kündigen, weil nichts strafrechtlich Relevantes vorgefallen sei, erklärt der Sprecher. Simon gibt sich trotz der Situation und weiterer möglicher Konsequenzen nach dem ersten Einlenken nun kämpferisch: „Tui ist ein guter Veranstalter, aber ich kann auch ohne sie Reisen verkaufen“, sagt der gelernte Kaufmann. Er könne sich aktuell vor lauter Aufträgen kaum retten – und schließlich gäbe es auch noch andere Reiseveranstalter, mit denen er zusammenarbeiten könne.

Einen Teilerfolg hat der Touristikkonzern bereits erreicht: Wie der Sprecher berichtet, müsse das Reisebüro das Tui-Logo, das aufgrund der Farben leichte Ähnlichkeiten zum AfD-Logo aufweist, bald abnehmen.

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