Euphorie sieht anders aus. Betont angespannt traten Noch-CDU-Landeschef Thomas Strobl und sein potenzieller Nachfolger Manuel Hagel am Montag nach stundenlangen Gremiensitzungen vor die Presse: „Das Ziel Nummer eins heißt Stabilität statt Streit“, betonte der Innenminister. Und tatsächlich: Der Übergang lief so, wie in sich die Parteigranden gewünscht hatten. Kein offener Machtkampf, stattdessen: geordneter Rückzug mit dem gebotenen Ernst.
Am Montag erklärte Thomas Strobl erst im Präsidium, dann im Landesvorstand, dass er beim Parteitag der CDU am 18. November nicht mehr als Parteivorsitzender in Baden-Württemberg kandidieren würde – und schlug den längst erwarteten Nachfolger vor: Manuel Hagel, den 35 Jahre alten Chef der Landtagsfraktion.
Entscheidung hat sich abgezeichnet
Die Entscheidung hatte sich über Wochen abgezeichnet. In „liebevollen und intensiven Gesprächen“, betonte Strobl habe man sich ausgetauscht. Von Druck könne keine Rede sein. „Das ist eine souveräne Entscheidung.“ Aus der Partei wird das in Teilen bestätigt. Die Stimmung sei ernsthaft, aber freundlich gewesen, hieß es im Anschluss aus Teilnehmerkreisen. Seit Wochen ringt man innerhalb der Partei um eine Entscheidung. Zuletzt ging es nicht mehr um die Frage der Kandidatur, sondern nur noch um den Zeitpunkt.
Derjenige, um dessen Zukunft es dabei geht, verhielt sich am Montag auffällig ruhig. Erst am Mittwoch werde er sich persönlich erklären, kündigte Landtagsfraktionschef Manuel Hagel – zuerst will er noch mit seinem Kreisvorsitzenden sprechen. Dabei war es auch Hagel, der die Entscheidung herbeigeführt und gleichzeitig Strobl den Raum für den freiwilligen und gesichtswahrenden Rückzug von der Parteispitze gegeben hatte. Denn Strobl bleibt Innenminister und Vize-Ministerpräsident.
Hagel steht für Erneuerung
Zwölf Jahre stand Thomas Strobl als Vorsitzender an der Spitze des Landesverbands. Er beendete die internen Machtkämpfe und führte die CDU wieder an die Landesregierung. Dabei steckte er einige Niederlagen ein. Spitzenkandidat für die Landtagswahl durfte er nie werden. Bei der letzten Wahl zum Vorsitzenden 2021 straften ihn seine Parteifreunde mit einem Ergebnis von 66,5 Prozent ab. Lange galt Strobl als Stabilisator der grün-schwarzen Koalition. Zuletzt allerdings war er durch den Untersuchungsausschuss um Beförderungspraxis und sexuelle Belästigung in der Polizei politisch angeschlagen. Rücktrittsrufe wurden laut.
Hagel indessen steht für die von Strobl eingeleitete Erneuerung der CDU und gilt vielen in der Partei als Hoffnungsträger – auch für Landtagswahl 2026 . Strobl machte ihn 2016 – gerade in den Landtag gewählt – zum Generalsekretär. Fünf Jahre später übernahm er mit 31 bereits den Fraktionsvorsitz im Landtag. Würde Hagel tatsächlich Landesvorsitzender, wäre es das erste Mal, dass bei der CDU Fraktions- und Landesvorsitz in einer Hand sind.
Der 35-Jährige will die Werte der CDU erneuern, fährt dabei aber einen klar konservativen Kurs. Nach den Krawallen bei einer Eritrea-Veranstaltung in Stuttgart, forderte er sofortige Ausweisungen. Vergangenes Jahr wandte sich die Fraktion unter seiner Ägide gegen das Gendern in Behörden.
Spitzen gegen den Grünen Koalitionspartner
In der grün-schwarzen Koalition hat sich Hagel längst emanzipiert und setzte zuletzt eigene Spitzen gegen den grünen Koalitionspartner. Im Sommer schloss er eine Ablösung von Winfried Kretschmann als Ministerpräsident vor 2026 faktisch aus. Eine Ministerpräsidentenwahl „aus Gründen des reinen grünen Machterhalts“ sei für die CDU keine Option, sagte er. Für die CDU sei Kretschmann die Grundlage der Koalition.
Innerhalb der Partei scheint man erleichtert, dass es nach den Auseinandersetzungen um Spitzenämter in der Vergangenheit nun doch einmal friedlich abzulaufen scheint in der CDU. „Ich bin dankbar, dass Strobl diesen Generationswechsel eingeleitet hat und wir jetzt gemeinsam die nächsten Schritte anpacken“, sagte der Bezirksvorsitzende der CDU Württemberg-Hohenzollern, Thomas Bareiß. „Es ist gut, wenn uns ein reibungsloser Übergang gelingt“, sagte Steffen Bilger, CDU-Bezirksvorsitzender in Nordwürttemberg. Offenen Applaus gab es von der Jungen Union. „Wir hoffen, dass sich Manuel Hagel bewerben wird – unsere ganze Unterstützung hat er dabei!“, sagte deren Landesvorsitzender Florian Hummel.
Das letzte Wort aber hat der Parteitag in Reutlingen – sofern Manuel Hagel sich dort im November zur Wahl stellen wird.
Manuel Hagel
Partei
Nach einer Ausbildung zum Bankkaufmann leitete das frühere Mitglied der Jungen Union von 2014 bis 2016 eine Sparkassenfiliale in Ehingen an der Donau. Der verheiratete Politiker war Stadtrat, bevor er im April 2016 direkt zum Landtagsabgeordneten gewählt wurde und 2021 die Fraktion übernahm.
Person
Hagel (35) ist Jäger, VfB-Fan und Mitglied der Narrenzunft Spritzenmuck und der historischen Bürgerwache. Er ist verheiratet und hat zwei Söhne.

