Inkubator, Monitore, Beatmungsgerät – alles was allerkleinste Frühchen am Leben halten kann, ist um den Brutkasten herumgruppiert. Darin liegt ein kleines Wesen, 1500 Gramm schwer, winzige Söckchen. Es ist eine Puppe. Denn hier im „Skills Lab“ der Kinderintensivstation der Heilbronner SLK-Kliniken am Gesundbrunnen werden Pflegekräfte „fit für die Pädiatrie“ gemacht, wie das Pilotprojekt heißt. Eigentlich sind die jungen Frauen und Männer schon fertig ausgebildet. Doch seit der Vereinheitlichung der Pflegeausbildung im Jahr 2020 fühlen sich viele Absolventen auf ihren Einsatz in der Kinderklinik nicht mehr ausreichend vorbereitet.
Bis dahin waren Kranken-, Alten- und Kinderkrankenpflege getrennte Ausbildungsgänge. In der generalistischen Ausbildung wird Kinderkrankenpflege nur noch im letzten Jahr vermittelt. „Kinder sind aber ganz andere Patienten als Erwachsene“, sagt Heike Müller. Die erfahrene Kinderkrankenschwester ist die „Praxiskoordinatorin Pädiatrie“ und kritisiert, dass jetzt sogar drei Monate Praktikum in einer Kita für den Abschluss genügen, selbst wenn man dort „kein einziges krankes Kind gesehen hat“.
Stiftung trägt die Finanzierung
Vor allem Frühchen stellen besondere Anforderungen. Ihre Haut ist dünn, ihre Herzschlag schneller. Wenn sie über eine Sonde ernährt werden oder am Tropf hängen, ist die Dosierung minimal. Im Simulationsraum zeigt Heike Müller, wie die Kinder vorsichtig gewendet werden. Auch die Bauchnabelpflege, eigentlich Routine, stellt besondere Anforderungen. Die in Frage kommenden Krankheitsbilder und Pflegesituationen werden „lebensecht“ nachvollzogen und ihre „Behandlung“ gefilmt, damit die „Azubis“ auch aus der Nachbetrachtung lernen können.
In drei Modulen und über 450 Stunden hinweg sollen mögliche Lücken bei den Absolventen geschlossen werden. Mit dem neuen Qualifizierungsprojekt, das von der vom Heilbronner Unternehmer Ralf Klenk nach einem persönlichen Schicksalsschlag ins Leben gerufene Klinikstiftung „Große Hilfe für kleine Helden“ über drei Jahre mit insgesamt 400 000 Euro finanziert wird, sieht man sich in Heilbronn einmal mehr als landesweiter Vorreiter.
Andere Kliniken sehen keinen Handlungsbedarf
„Wir mussten etwas tun“, sagt der Pflegedienstleiter Jonas Banar. Denn auch die Attraktivität der Kinderklinik als Ausbildungsstätte hatte nach seiner Beobachtung durch den Übergang zur generalistischen Ausbildung nachgelassen. Gab es an den SLK-Kliniken in der Vor-Corona-Zeit noch 300 Ausbildungs-Bewerbungen, so habe sich diese Zahl jetzt halbiert sagt Jeanette Siebert, Leiterin der SLK-Gesundheitsakademie. Insofern gehe es auch um eine Maßnahme gegen den Pflegenotstand.
An anderen Krankenhäusern sieht man es anders. „Wir haben sehr positive Erfahrungen mit der Vereinheitlichung der Ausbildung gemacht“, sagt Sarina Gehrung vom Stuttgarter Karl-Olga-Krankenhaus. Auch am Ludwigsburger Klinikum hält man die Spezialisierung im dritten Jahr für ausreichend. Die Vorteile der Zusammenlegung betont auch eine Sprecherin des Stuttgarter Sozialministeriums. Die Ausbildung sei breiter aufgestellt, die Absolventen seien flexibler einsetzbar, zudem werde der Abschluss jetzt europaweit automatisch anerkannt.

