Baden-Württemberg

Orientierung für die vollkommen Orientierungslosen am Ballermann

Beten am Ballermann: Seit mehreren Jahren fahren junge Menschen in göttlicher Mission auf des Deutschen liebste Partyinsel – auch aus dem Südwesten.

  • Bis zu 200 Menschen hören bei den Gottesdiensten am Strand von Palma zu.Reach Mallorca

    Bis zu 200 Menschen hören bei den Gottesdiensten am Strand von Palma zu.Reach Mallorca

Der Ballermann ist vielleicht ein Tempel des Sauf- und Partytourismus, aber nicht gerade ein Tempel im herkömmlichen Sinne. Oder doch? Im Sommer finden schon seit 15 Jahren regelmäßig Gottesdienste direkt gegenüber des Megaparks – einem der bekanntesten Clubs auf der bei Deutschen immer noch beliebtesten Ferieninsel – statt.

Die Initiative „Reach Mallorca“ veranstaltet während der Sommerferien, auch in diesem Jahr wieder insgesamt 14 Kurzgottesdienste (noch bis 8. August) direkt an der Platja de Palma. Hinter dem  Projekt stehen die Karlsruher Bibel- und Missionsschule Gospeltribe, die Jugendmissionsgemeinschaft Bielefeld sowie weitere Organisationen aus der Schweiz, Spanien und den USA.

Gottesdienste am Ballermann: Es geht um Liebe, Party, Sinn

In den halbstündigen Gottesdiensten, direkt in der Party-Zone, geht es um Themen wie Party, Beziehungen und dem Sinn des Lebens; es wird viel gesungen. „Wir lieben das Partyvolk“, sagt Manuel Leiser, einer der Leiter der Initiative „Und wir erleben gerade da, wo man es am wenigsten erwarten würde, dass Mallorca-Besucher besonders offen für Gott und den Glauben sind.“ Dass Mallorca-Urlauber es gewohnt sind, dauernd angequatscht zu werden, helfe auch.

An den meisten Abenden würden 150 bis 200 Menschen zuhören, immer wieder lassen sich Urlauber sogar direkt im Mittelmeer taufen. „Mich fasziniert, dass Menschen am Ballermann ganz unverhofft von einer Hoffnung hören, nach der sie oft schon lange suchen – und die sie weder in Feiern, Alkohol noch in Geld oder Beziehungen finden konnten“, sagt Emely Sailer aus Freudenstadt.

Die junge Baden-Württembergerin ist einer von 200 größtenteils jungen Menschen, die mit der Initiative in diesem Sommer nach Mallorca geflogen sind, um den Touristen Gott näher zu bringen. Die meisten reisen aus Deutschland, insbesondere aus Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen sowie der Schweiz an.

Es gab auch schon Ärger mit Clubbetreibern

Nicht nur an der Playa de Palma sind die jungen Missionare unterwegs, in Magaluf helfen sie Nachtschwärmern, die über den Durst getrunken haben. Die sogenannten Street Angels (deutsch: Straßen Engel) schenken Wasser aus und versuchen den Partywütigen nicht nur im Glauben auf den rechten Weg zu helfen. Die vollkommen Orientierungslosen, die nicht mehr wissen wohin, werden auch mal zurück zu ihrem Hotel begleitet. „Wir erleben bei unseren Einsätzen häufig, dass betrunkene Männer und Frauen leicht Opfer von Raubüberfällen oder sexuellen Belästigungen werden“, sagt Johannes Baumann, Leiter der Initiative. „Wenn Jesus heute lebte, er würde zum Ballermann gehen.“

Während viele Einheimische den Einsatz in göttlicher Mission offenbar begrüßen, gab es in der Vergangenheit auch schon Reibereien mit Clubbetreibern. Der Vorwurf, den der Megpark, vor fünf Jahren äußerte: Die Aktionen der Missionare seien viel zu laut. Mit einer Lautstärke von bis zu 110 Dezibel würden sie die Touristen aus den Bars und Discos locken, so die Anschuldigung. Mitarbeiter des Megaparks hätten daraufhin auch versucht, mit Ghettoblastern und noch lauterer Musik den Gottesdienst zu stören, berichtete das österreichische Medium „heute“.

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