Lange sah es nicht danach aus, aber womöglich könnte der Zusammenschluss der beiden Teile des Nationalparks Schwarzwald doch noch in dieser Legislaturperiode erfolgen. Sie endet im März 2026. Denn das Land und die private Genossenschaft der Murgschiffer, der der Wald zwischen den beiden Parkflächen gehört, haben sich jetzt auf einen Flächentausch geeinigt. Aber viele Fragen sind weiter offen. Kritik wird auch bereits laut.
Zwei zentrale Punkte enthält die Vereinbarung. Erstens überlassen die Murgschiffer dem Land 2900 Hektar Wald rund um die Gemeinde Hundsbach. Der Nationalpark selbst umfasst bisher 10 000 Hektar. Im Gegenzug erhält die Genossenschaft „wertgleiche“ Flächen in der Nähe ihres bisherigen Besitzes; das dürfte weiter östlich rund um das Murgtal sein. Doch welche Flächen das genau sind und was „wertgleich“ bedeutet, muss erst über ein Gutachten geklärt werden. Die Murgschiffer werden wohl mehr als 2900 Hektar erhalten.
Zweitens wird das Land seine Anteile von 55 Prozent an der Murgschifferschaft an die übrigen Eigner verkaufen. Laut einem Gutachten liegt der Marktwert deutlich höher als der Buchwert, der laut dem Beteiligungsbericht des Landes 31 Millionen Euro beträgt. Der Verkaufspreis ist zwar noch nicht endgültig vereinbart, aber er dürfte klar unter dem Marktwert liegen. Dadurch wird der Handel für die Murgschiffer erst lukrativ. Das Land hat in dem Gutachten rechtlich klären lassen, ob ein solcher Preis zulässig ist. Dies wurde bejaht, da man mit der Erweiterung des Nationalparks einen großen anderweitigen Gewinn erziele. Die Anteile brachten dem Land bisher jährlich ein bis zwei Millionen Euro an Ausschüttungen.
Kritik an der Vereinbarung kommt von der CDU. Sie hatte der Erweiterung im grün-schwarzen Koalitionsprogramm von 2021 grundsätzlich zugestimmt. Doch es sei problematisch, die Anteile unter Wert zu verkaufen, moniert der CDU-Landtagsabgeordnete Raimund Haser. Forstminister Peter Hauk (CDU), der immer gegen die Erweiterung war, hat sich jüngst aber nicht mehr zu Wort gemeldet. Es gab wohl ein neuerliches Machtwort aus dem Staatsministerium.
Ob die gesamten 2900 Hektar dem Nationalpark zugeschlagen werden, sei völlig offen, heißt es aus dem Umweltministerium. Das müsse jetzt erst in Gesprächen mit allen Beteiligten geklärt werden.

