Für viele Experten kam es überraschend, als im vergangenen Jahr die sogenannte schlesische Linie des Hauses Württemberg wertvolle Kunstgegenstände aus dem Familienbesitz des Adelshauses versteigert und damit zu Geld gemacht hat. Nun kommt es im November erneut zu zwei Auktionen, bei denen weitere Preziosen aus der Seitenlinie des Hauses Württemberg unter den Hammer kommen. Darunter wertvoller Schmuck, der einst im Besitz der Habsburger und der bulgarischen Zaren war.
„Vienna 1900: An Imperial and Royal Collection“ betitelt Sotheby’s die Auktion, die am 6. und 7. November im Genf stattfindet und bei der mehr als 200 Lose aufgerufen werden sollen. Bei der Beschreibung der zum Verkauf stehenden Kostbarkeiten wird nicht gekleckert: Sotheby’s bezeichnet das Konvolut als „bedeutendste und umfangreichste Sammlung kaiserlicher und königlicher Juwelen Wiens, die jemals versteigert wurde“.
Wert beträgt zwischen drei und fünf Millionen Schweizer Franken
Vermittelnd und beratend tätig zeichnet für diese Auktion die Philipp Württemberg Art Advisory GmbH mit Sitz in Frankfurt. Philipp von Württemberg ist kein Unbekannter: Der schillernde Kunsthändler, der zuletzt durch die Trennung von seiner Frau Marie Caroline von Bayern von sich reden gemacht hat, ist Sohn des 2022 verstorbenen Carl Herzog von Württemberg und damit selbst Spross der Hauptlinie des Adelshauses mit Sitz im oberschwäbischen Althausen.
Wie ein Mitarbeiter des Kunstberatungsunternehmens betont, liege der Gesamtschätzpreis des bei Sotheby’s zur Versteigerung stehenden Schmucks sowie anderer Wertgegenstände zwischen drei und fünf Millionen Schweizer Franken. Die Sammlung werde zum ersten Mal seit vielen Jahrzehnten zu sehen sein. Bislang sei der Schmuck gut verschlossen in einem Banktresor gelagert gewesen.
Die wertvolle Sammlung beinhaltet demnach neben anderem Juwelen aus dem ursprünglichen Besitz des österreichischen Hochadels, des Zaren Ferdinand I. von Bulgarien sowie der Prinzessin Marie Louise von Bourbon-Parma. Über die bulgarische Prinzessin Nadejda, die Ehefrau von Herzog Albrecht Eugen von Württemberg (1895–1954), kamen zahlreiche Wertgegenstände des bulgarischen Zarenhauses in den Besitz der württembergisch-schlesischen Linie. Herzog Robert von Württemberg (1873–1947) war wiederum verheiratet mit der Erzherzogin Maria Immakulata von Österreich.
Diamant- und perlenbesetzte Tiara
Die wertvollsten Einzelobjekte, die zur Versteigerung stehen, sind fünf Schmuckstücke mit einem Schätzwert jeweils zwischen 270 000 und 450 000 Schweizer Franken, darunter eine diamant- und perlenbesetzte Tiara sowie eine sogenannte Devant-de-corsage aus dem Jahr 1865.
Nahezu gleichzeitig werden in einer zweiten Auktion am 13. November Medaillen und Orden aus dem Besitz der schlesischen Linie im Auktionshaus Künker in Osnabrück zum Verkauf stehen. Der Gesamtwert dieses Konvoluts wird auf rund 110 000 Euro geschätzt. Bedeutendstes Einzelobjekt der Auktion ist eine Goldmedaille, die der bulgarische Zar anlässlich der Fertigstellung einer Bahnlinie 1890 überreicht wurde.
Bereits anlässlich der Auktion im vergangenen Jahr hatten Historiker Kritik geübt und von einem Ausverkauf kunstgeschichtlich bedeutender Exponate aus der schlesischen Linie des Hauses Württemberg gesprochen. „Das Haus Württemberg wird nach dem Verkauf nicht mehr die Möglichkeit haben, die Gesamtgeschichte des ehemals schlesischen Besitzes darzustellen“, warnte damals der Stuttgarter Landesgeschichtler Harald Schukraft.

