Man muss kein Pferdenarr sein, um sich für die Hengstparaden in Marbach, dem ältesten und größten deutschen Gestüt, zu begeistern: Wohl jedem geht das Herz auf, wenn eine Schar von Fohlen mit ihrer überschäumenden Lebensfreude durch die Arena hüpft, und wohl jeder findet es bewegend, wenn 20 weiße Araberstuten bei orientalischer Musik im Galopp vorüberziehen, so elegant und schön und wild ist das. Am Sonntag konnten mehrere tausend Zuschauer diese und 14 weitere Programmpunkte in Marbach bei bestem Spätsommerwetter bestaunen. Am Sonntag, 1. Oktober, und am Nationalfeiertag am 3. Oktober finden die mehr als vier Stunden dauernden Hengstparaden zwei weitere Male statt.
Gastland sind in diesem Jahr die Niederlande. So zeigte die Gruppe „De Fryske Quadrille“ schwierige Fahrformationen: Acht zweirädrige Chaisen werden von jeweils zwei Friesenpferden gezogen; dabei werden mit viel Timing und Teamarbeit Figuren wie ein Kleeblatt oder eine Windmühle dargestellt. Es gab ein Polospiel zwischen deutschen und niederländischen Reitern, wobei im Tumult unterging, wer am Ende gewann. Und es waren viele Gruppen in historischen Kostümen zu sehen, die etwa an das Jahr 1648 erinnerten: Damals waren Friedensreiter in allen Landen unterwegs, um das Ende des Dreißigjährigen Krieges zu verkünden. Daran anknüpfend und in Gedenken an den Krieg in der Ukraine ritten in Marbach Kinder mit Steckenpferden in alle Ecken der Arena und sandten dort zu Beethovens „Ode an die Freude“ Friedenswünsche aus.
Die Hengstparaden beginnen jeweils um 12 Uhr, die Pforten des Gestüts sind aber bereits ab 9.30 Uhr geöffnet. Das Gestüt kümmert sich vor allem um die Zucht von Schwarzwälder Füchsen, Altwürttembergern und Vollblutarabern.

