Baden-Württemberg

Frauenkriminalität nimmt drastisch zu

Die Strafverfolgungsstatistik bietet viele interessante Zahlen – doch die müssen erklärt werden. Warum zum Beispiel fahren so viel mehr Menschen betrunken Auto?

  • Frauen im Gefängnis bleiben eher die Ausnahme.Foto: ZB/Arno Burgi

    Frauen im Gefängnis bleiben eher die Ausnahme.Foto: ZB/Arno Burgi

Egal ob in der Talkshow oder im Parlament: Mit kaum etwas kann ein Politiker so Eindruck machen, wie mit Zahlen. Die stehen für Exaktheit, Genauigkeit und natürlich auch ein Stück weit für das eigene profunde Wissen. Aber Zahlen sind nur so viel wert, wie es ihre Interpretation zulässt. Das gilt zum Beispiel für die Strafverfolgungsstatistik im Land. Das umfangreiche Zahlenwerk ist am Montag vorgestellt worden – und sowohl Justizministerin Marion Gentges (CDU) als auch Anke Rigbers, die Präsidentin des Statistischen Landesamtes, widerstanden der Versuchung, zu viel in diese Zahlen hinein zu interpretieren. Ein bisschen Erklärung braucht es dann aber doch.

Das Schwarzfahren nimmt deutlich ab

Schließlich enthält die Statistik eine Vielzahl an interessanten Facetten: Noch nie war der Anteil von Ausländern unter den Verurteilten so hoch. Oder dies: Während die Zahl der verurteilten Männer zurück gegangen ist, ist die der verurteilten Frauen um mehr als fünf Prozent gestiegen. Nahezu explodiert ist die Anzahl von Trunkenheitsfahrten, um insgesamt mehr als 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Beim Schwarzfahren in Bus und Bahn gab es hingegen einen satten Rückgang.

Das bedeutet nicht, dass die Menschen im Land ihre Liebe zum Öffentlichen Nahverkehr mit einer größeren Bereitschaft verbunden haben, den Ticketautomaten zu füttern. Das bedeutet nicht, dass die Schwaben die Liebe zum Trollinger neu entdeckt haben, und es bedeutet erst recht nicht, dass Frauen und Ausländer besonders gefährlich für unsere Gesellschaft sind. Aber was dann?

Straßenverkehr ist das größte Risiko

Beispiel Frauen. Die Zahl der verurteilten Straftäterinnen nahm um 940 zu, das waren insgesamt 5,7 Prozent. Der Anteil der Frauen an allen Verurteilten lag allerdings bei 18, 1 Prozent. Nach wie vor sind Frauen somit weit weniger an der Kriminalität beteiligt, die von Gerichten abgeurteilt wird. Das lenkt den Blick auf die Frage, was Gerichte überhaupt beschäftigt.

An erster Stelle stehen da – und das schon seit vielen, vielen Jahren – Straftaten, die im Zusammenhang mit dem Straßenverkehr begangen wurden. Einer von den Bereichen, in denen Frauen überdurchschnittlich oft in Erscheinung treten.

Der massive Anstieg der Trunkenheitsfahrten ist alles andere als schön – aber auch alles andere als dramatisch. Der Wert pendelt sich wieder dort ein, wo er vor Corona gewesen ist. Im Jahr 2021 waren noch viele Kneipen geschlossen, viele Feste abgesagt – da gab es schlicht nicht so viele Möglichkeit, sich alkoholisiert hinters Steuer zu setzen. Das schlägt dann im Jahr darauf auf die Statistik der Gerichte durch. Dafür gab es im vergangenen Jahr das 9-Euro-Ticket – das hat die Bereitschaft zum Schwarzfahren merklich gesenkt, und die Kontrolldichte im öffentlichen Nahverkehr ebenso.

Gefängnisstrafe ist die Ausnahme

Ein genauer Blick lohnt sich auch auf das ausländische Fehlverhalten. 54 400 Verurteilungen entfielen auf Deutsche, 41 700 auf Ausländer. Das sind 43,4 Prozent – bei einem Ausländeranteil von 16,7 Prozent im Land. Es gibt Deliktsarten, bei denen die Zahl der verurteilten Ausländer sogar größer ist als die der Deutschen, zum Beispiel der Diebstahl. 7156 verurteilten Ausländern stehen dort 4945 Deutsche gegenüber. In beiden Gruppen ist der so genannte einfache Diebstahl das am häufigsten begangene Delikt. Wenn es hingegen darum geht kinderpornografische Schriften zu verbreiten liegt der Anteil der verurteilten Deutschen bei mehr als 70 Prozent.

Wichtig bei alledem: die Zahlen spiegeln nur die Kriminalität wieder, die vor Gericht zur Anklage gebracht worden sind. Konnte kein Täter ermittelt werden oder wurde eine Tat gar nicht erst angezeigt, so fehlt sie auch in dieser Statistik. Insgesamt mussten sich im vergangenen Jahr übrigens 112 400 Menschen vor einem Strafgericht im Land verantworten, 96 100 von ihnen wurden letztendlich verurteilt. Die meisten zu einer Geldstrafe, 3700 Männer und Frauen mussten ins Gefängnis.

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