Baden-Württemberg

Das Land plant eigene Fahrschein-App

In der Diskussion über das Ticketchaos im Nahverkehr auf der ICE-Strecke nach Ulm kündigt das Land an, seine bis dato reine Auskunfts-App um eine Vertriebsfunktion zu erweitern.

  • Noch prangt nur das Logo von bwegt, der Dachmarke des Landes für den Nahverkehr, an Ticket-Automaten. Die App des Landes soll bald auch Fahrkarten verkaufen können.Foto: imago//rnulf Hettrich

    Noch prangt nur das Logo von bwegt, der Dachmarke des Landes für den Nahverkehr, an Ticket-Automaten. Die App des Landes soll bald auch Fahrkarten verkaufen können.Foto: imago//rnulf Hettrich

Für die Nutzer des vom Land bezahlten Nahverkehrs auf der neuen Schnellfahrstrecke zwischen Wendlingen und Ulm zeichnen sich Erleichterungen beim Ticketkauf ab. Bisher können Fahrgäste, die am neuen Regionalbahnhof in Merklingen starten über die DB-App zwar Fahrkarten Richtung Wendlingen, nicht aber Richtung Ulm kaufen. Letztere Strecke liegt im Zuständigkeitsbereich des Donau-Iller-Nahverkehrsverbunds (DING), der nicht mit der DB-Verkaufs-App kooperiert – zumindest ist das bislang so.

Digitalisierung vernachlässigt?

Denn der betreffende Verbund führe Gespräche mit der DB „hinsichtlich einer Integration des DING-Tarifs in den DB-Navigator, die aus technischen Gründen jedoch nicht vor Jahresende 2023 erfolgen wird“, schreibt Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) in einer Antwort auf Anfragen von Christian Jung. Der FDP-Landtagsabgeordnete ist der Verkehrsexperte seiner Fraktion. Beim DING bestätigt man den Vorgang. Es sei die Entscheidung getroffen worden, „die DING-Tarife in den DB-Navigator integrieren zu lassen, sofern die finanziellen und technischen Voraussetzungen erfüllt sind“, erklärt Christopher Raabe, beim Verbund für die Kommunikation zuständig.

Gespräche zwischen Verbund und Bahn

Der Fragesteller Jung ist gleichwohl mit dem Vorgang überhaupt nicht zufrieden. „Der ganze Sachverhalt zeigt, dass sich die grün-schwarze Landesregierung und besonders Verkehrsminister Winfried Hermann nicht ordentlich mit dem Thema Digitalisierung beschäftigen.“ Es kommt Christian Jung alles andere als gut durchdacht vor, wenn zwar ein neuer Bahnhalt wie kürzlich jener in Merklingen in Betrieb genommen werde, „die Vertriebsstrukturen aber von einer integrierten Digitalisierung noch weit entfernt sind“.

Land will eigene App ausbauen

Das Verkehrsministerium verweist auf seine Bemühungen, möglichst einheitliche Buchungsmöglichkeiten zu schaffen. Dazu sollen die Möglichkeiten der landeseigenen bwegt-App deutlich erweitert werden.

App mit Baukastenprinzip

Bisher sei das Programm vor allem „informatorisch geprägt“. Sie solle „sukzessive in eine Vertriebs-App übergehen und modular erweiterbar sein“. Die Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg (NVBW) wolle dazu mit dem größten Verbund im Land, dem Verkehrsverbund Stuttgart (VVS), einen gemeinsamen App-Baukasten beschaffen.

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