Die außerplanmäßige Gemeinderatswahl in Crailsheim am 23. März wird ohne die AfD stattfinden. Bei der Partei hapert es offenbar an einer deutschen Tugend, der Pünktlichkeit „Es liegt uns keine Liste vor“, sagte der Sprecher der Stadt, Christian Herse, und bestätigte damit eine Meldung des Hohenloher Tagblatts.
Am Donnerstagabend tagte der Gemeindewahlausschuss, um über die Zulassung der vorliegenden Listen zu entscheiden. Die Gemeinderatswahl, die auch in Crailsheim im vergangenen Juni als Teil der landesweiten Kommunalwahlen stattgefunden hatte, war vom Regierungspräsidium nach Einsprüchen für ungültig erklärt worden.
Damals hatte die AfD einen deutlichen Erfolg erzielt. Obwohl die Partei in Crailsheim zum ersten Mal kandidiert hatte und auch nur mit sechs Kandidaten angetreten war, konnte sie drei der 43 Sitze im neuen Gremium erringen und damit gleich Fraktionsstärke erreichen. Doch ihre Ämter konnten die neuen AfD-Stadträte wegen der erfolgreichen Wahlanfechtung nicht antreten.
AfD kündigt Stellungnahme an
Hintergrund ist die unechte Teilortswahl, die in Crailsheim zu einer höchst ungleichen Berücksichtigung der verschiedenen Ortsteile geführt hat. Sie war zwar jahrzehntelange Praxis in der 36 000-Einwohner-Stadt, bisher hatte sich an der kleinen Unwucht aber offenbar niemand gestört. Erst nach der Wahl von 2024 gab es Einsprüche. In der Folge musste der Gemeinderat bis zur angeordneten Neuwahl in alter Zusammensetzung kommissarisch im Amt bleiben.
Der AfD-Kreissprecher Christfried Krause wollte sich auf Anfrage dieser Zeitung zunächst nicht äußern. Nach einer Sondersitzung, die ebenfalls am Donnerstagabend stattfinden sollte, werde man eine schriftliche Stellungnahme herausgeben. Doch offenbar handelt es sich um eine interne Panne. „Die haben das wohl schlichtweg verpennt“, meinte eine langjährige Kommunalpolitikerin. Offenbar kursierte im Netz sogar schon eine fertige Liste. „Da waren sogar zwei Namen mehr darauf als im vergangenen Jahr.“
Die Crailsheimer haben eine große Auswahl
Nur wurde diese Liste nicht rechtzeitig eingereicht, weil wohl plötzlich der Fokus auf der Bundestagswahl lag. Dabei hatte die Stadt schon im Oktober in der amtlichen Wahlbekanntmachung auf der städtischen Internetseite und im Amtsblatt darauf hingewiesen, dass alle Listen bis zum 9. Januar, 18 Uhr, im Rathaus vorzuliegen hätten. „Später eingehende Wahlvorschläge müssen zurückgewiesen werden“, heißt es dort. Die baden-württembergische Kommunalwahlordnung kennt hier auch keine Ausnahmen.
Dennoch bleibt den Crailsheimern – vorbehaltlich der Zulassung durch den Kommunalwahlausschuss – eine große Auswahl. Neben CDU, SPD, Grünen und Allgemeiner Wählervereinigung (AWV) hat auch wieder die Bürgerliche Liste Crailsheim (BLC) des Religionslehrers Peter Gansky einen Wahlvorschlag vorgelegt. Gansky kandidierte bei der vergangenen Bundestagswahl als Direktkandidat für die ÖDP und profilierte sich als Impfkritiker.
Zudem gibt es eine neue Liste namens Aktive Bürger Crailsheim (ABC), die unter anderem der langjährige Stadtrat Michael Klunker zusammengestellt hat. Der Unternehmer war einst bei den Grünen, begann dann gegen Windräder zu polemisieren. Man trennte sich, er wechselte zur AWV, war zeitweise fraktionslos und schloss sich zuletzt der CDU an. Jetzt versucht er sein Glück auf eigene Faust.

