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„Wir haben die Qualität, jeden zu schlagen“

Am Freitag starten die Stuttgarter Kickers in die neue Regionalliga-Saison. Es ist die erste unter Cheftrainer Holger Bachthaler. Im Interview spricht der neue Coach über seine Aufstiegsfavoriten, die Saisonziele der Blauen und wie er seine Mannschaft spielen lassen will.

  • Holger Bachthaler startet in seine erste Saison als Trainer der Stuttgarter Kickers.Foto: Baumann

    Holger Bachthaler startet in seine erste Saison als Trainer der Stuttgarter Kickers.Foto: Baumann

Stuttgart - Zum Auftakt geht es gleich heiß her auf der Waldau. Am Freitag (19 Uhr) beginnt die neue Saison der Fußball-Regionalliga mit dem Gastspiel des Drittligaabsteigers SSV Ulm bei den Stuttgarter Kickers. Für den neuen Coach der Blauen geht es gleich gegen seinen Ex-Verein. Wie geht Holger Bachthaler die Aufgabe bei den Kickers an?

Herr Bachthaler, die Leidenschaft fürs Golfen teilen Sie mit Ihrer Frau. Wie oft kamen Sie schon dazu, seit Ihrem Amtsantritt bei den Kickers?

Leider noch gar nicht. Wenn man einen neuen Job antritt, gibt es so viele Themen und Aufgaben. Auch an freien Tagen stehen Gespräche über die Kaderplanung und andere organisatorische Themen an, die es zu planen gilt. Wenn die Liga mal begonnen hat, hoffe ich, dass wir sonntagnachmittags mal Zeit finden fürs gemeinsame Hobby.

Abgänge wie die von Mario Borac und David Tomic waren nicht zwingend abzusehen, als Sie unterschrieben haben. Zudem gingen die Stammkräfte Per Lockl, Flamur Berisha und Marlon Faß. Wie sehr hat Sie die Fluktuation ins Grübeln gebracht?

Es ist Teil des Fußballgeschäfts, dass es zu Wechseln kommt. Gerade von Spielern, die viel Spielzeit hatten und überzeugt haben. Gleichzeitig haben wir jetzt spannende Spieler dazugewonnen und einen interessanten Kader. Die Neuzugänge haben sich schnell integriert, und die gesamte Mannschaft zeigt sich sehr engagiert in der täglichen Arbeit. Wir sind auf einem guten Weg.

Wie oft haben Sie über die Kickers schon gehört: viel Tradition, wenig Geld?

In dieser Form habe ich das noch nicht gehört. Klar ist: die Kickers sind ein besonderer Verein mit viel Tradition und klasse Fans, was für uns auch ein großer Ansporn ist. Das Finanzielle spielt überall eine Rolle – gerade die vierte Liga ist für alle Clubs wirtschaftlich herausfordernd. Aber ich denke, dass wir bei den Kickers mit unseren Partnern gut aufgestellt sind.

Ist denn der Kickers-Kader besser aufgestellt als in der vergangenen Saison?

Das kann ich nicht beurteilen, da ich mit dem Vorjahreskader nicht gearbeitet habe. Nach vier Wochen ist es auch zu früh, über die Leistungsstärke des jetzigen Kaders endgültig urteilen zu können, auch wenn ich mit dem Verlauf der Vorbereitung sehr zufrieden bin. Wir werden weiterhin hart arbeiten, um uns kontinuierlich zu verbessern.

Wie lautet Ihr Saisonziel?

Sehr klare Ziele formulieren können nur Vereine wie der FC Bayern. Das ist in der Regionalliga, die so eng umkämpft ist, deutlich schwieriger. Natürlich möchte ich den maximalen Erfolg und werde alles dafür tun, um so erfolgreich wie möglich abzuschneiden.

Wie schwer wird es, unter die ersten sechs zu kommen?

Alle sprechen davon, dass wir vor der bisher stärksten Regionalliga-Südwest-Saison stehen. Jetzt gilt es abzuwarten, wie stark die Liga tatsächlich sein wird. Nach ungefähr zehn Spieltagen wissen wir, wo wir stehen. Grundsätzlich ist es schön, wenn viele Teams Qualität mitbringen. Dann ist die Liga ausgeglichen, und wir haben einen spannenden Wettbewerb.

Wer ist Ihr Aufstiegsfavorit?

Den SV Sandhausen mit seinen hochkarätigen Transfers muss man sicher ganz oben auf dem Zettel haben. Aber auch der SGV Heilbronn-Freiberg, der FC 08 Homburg, Kickers Offenbach und der TSV Steinbach-Haiger haben Finanzkraft und gute Kader.

Ihr Ex-Club und Auftaktgegner Ulm . . .

. . . hat gute individuelle Spieler, aber gleichzeitig einen totalen Umbruch vorgenommen. Der SSV gehört zum weiteren Kreis dazu, wie auch der FSV Frankfurt und wir. Und die starken Aufsteiger wie Eintracht Frankfurt II und den VfR Aalen darf man auch nicht vergessen. Ein starker Kader erhöht die Wahrscheinlichkeit, gut abzuschneiden. Aber es spielen auch andere Parameter im Fußball eine Rolle – wie etwa, dass jeder alles für den anderen gibt.

Muss das der Trumpf der Kickers werden – Teamgeist und Geschlossenheit gepaart mit Zielstrebigkeit, Laufstärke und einer einfachen, klaren Spielweise? Müssen Sie aus weniger mehr machen?

Das hört sich für mich zu negativ an. Wir haben in unserem Kader die Qualität, jeden Gegner in dieser Liga zu schlagen. Dafür müssen wir aber die maximale Qualität abrufen. Das wird uns nicht immer gelingen. Es wird sich zeigen, ob wir auch dann in der Lage sind, Spiele für uns zu entscheiden oder zumindest nicht als Verlierer vom Platz zu gehen, wenn wir uns mal nicht am Maximum bewegen. Klar ist, dass wir gegenüber der vergangenen Saison auswärts konstanter spielen wollen.

Intensiven, mit viel Laufarbeit verbundenen Fußball will heutzutage jeder spielen. Wie wichtig ist dennoch eine einheitliche Spielphilosophie?

Wichtig ist, dass die Spieler wissen, wie wir Fußball spielen wollen, und dass eine gute Struktur gegen den Ball hierfür die Grundlage ist. Die Intensität und klare Abläufe im Spiel gegen den Ball spielen eine wichtige Rolle. Diese Dinge gilt es sich im Training zu erarbeiten. Nur wer die Woche über intensiv trainiert, wird am Wochenende auch so auftreten können. Je aggressiver wir im Training gegen den Ball arbeiten, je mehr Druck wir auf den Ball bekommen, desto besser werden wir im Laufe der Zeit auch bei eigenem Ballbesitz sein. Es ist sicher von Vorteil, wenn eine einheitliche Spielphilosophie im Verein verankert ist, da sich für die Nachwuchsspieler der Übergang zur ersten Mannschaft leichter gestaltet. Wir wollen im Kollektiv stark sein und variabel aus verschiedenen Grundordnungen heraus unsere Herangehensweise auf den Platz bekommen.

Am häufigsten im 4-4-2-System mit Raute. Warum?

Zur Vermittlung unserer Spielidee bietet die Raute eine gute Struktur, um unsere Prinzipien zu schulen. Man hat im Spiel gegen den Ball eine gute Ordnung und kann mit den beiden Stürmern, dem Zehner und den beiden Achtern das Zentrum gut schließen und den Gegner hoch attackieren. Die engen Abstände untereinander ermöglichen eine gute Kompaktheit und das Verschieben im Block. Aber jede Grundordnung hat ihre Vor- und Nachteile. Deshalb ist es wichtig, taktisch flexibel zu sein, um auch während des Spiels Anpassungen vornehmen zu können. Das System ist nicht das alles Entscheidende.

Sondern?

Dass wir unabhängig von der Grundordnung unsere Aktivität im Spiel gegen den Ball auf den Platz bekommen und proaktiv als Mannschaft verteidigen. Neben den inhaltlichen Themen wird auch entscheidend sein, dass wir innerhalb unserer Gruppe im Verlauf der Saison ein gutes Miteinander und eine gute Arbeitsatmosphäre schaffen, in der sich die Spieler wohlfühlen und ihre Leistung abrufen können. Die Spieler, die nicht zum Einsatz kommen, müssen sich mitfreuen und dem anderen Spieler auf ihrer Position den Erfolg gönnen. Wenn wir dieses Arbeitsklima und das Füreinander herstellen können, werden wir erfolgreich sein.

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