Stuttgart - Das Wetter bei wolkenlosem Himmel passte – und das Rahmenprogramm beim großen Saison-Opening des VfB am Samstag auch: Eine kleine Stadiontour mit Blick in die Kabinen war dabei, Gewinnspiele, eine Torwand, ein DJ, eine Hocketse, eine Stippvisite durch den Teambus und vieles mehr gehörten dazu, als der Bundesliga-Vierte der Vorsaison zwei Wochen vor dem Pflichtspielstart im DFB-Pokal bei Hansa Rostock (21. August) offiziell die neue Runde einläutete. Mehrere zehntausende Fans bevölkerten so die Cannstatter Mercedesstraße zwischen MHP-Arena und Clubhaus.
Auch Fabian Wohlgemuth hatte die große Showbühne vor dem Schlienzstadion betreten – und hatte die Fans auf eine „tolle Saison mit viel gutem Fußball“ eingeschworen. Im Hintergrund aber finalisierte der VfB-Sportvorstand mit seinem Team eifrig einen Transfer, der vom Volumen her in die Top 3 der Clubgeschichte gehört. Schließlich erzielte der VfB am Samstagabend mit dem VfL Wolfsburg Einigung darüber, dass Mittelstürmer Dzenan Pejzinovic für die fixe Summe von 25 Millionen Euro nach Stuttgart wechseln wird. Allein die sportärztliche Untersuchung an diesem Montag bleibt noch abzuwarten.
Sowohl auf der Showbühne als auch später im Stadion, wo der VfB den 13. der englischen Premier League vom FC Everton nach Stuttgarter Toren von Nikolas Nartey (16.), Ramon Hendriks (64.) und Badredine Bouanani (90.+1) bei einem Gegentreffer von Thierno Barry (72./Foulelfmeter) mit 3:1 (1:0) vor 43.000 Zuschauern besiegte, war allerdings ein anderer Stürmer in der Gunst der Fans ganz weit vorne: „Deniz Undav, Deniz Undav!“ hallten die Sprechchöre für den deutschen WM-Fahrer, der hier wie da den größten Applaus einheimste. Und das, obwohl Undav erst nach 62 Minuten ins Spiel kam und kaum Akzente setzte; schließlich hat der 30-Jährige noch Trainingsrückstand.
Ebenfalls noch nicht voll im Saft steht Undavs Sturmkollege Ermedin Demirovic, der gegen die Toffees aus Liverpool immerhin mit einem Kopfball an die Latte aufhorchen ließ. Gemeinsam bekommt das Sturmduo des VfB, das es in der Vorsaison in Summe auf 40 Pflichtspieltreffer brachte, nun also kostspielige Konkurrenz. Als dritter Mann in der Abteilung Angriff des VfB, in der Jeremy Arevalo und Jovan Milosevic anders als Tiago Tomas kaum noch Einsatzchancen haben dürften, soll Pejcinovic frischen Schwung und mehr Variabilität in die Offensive bringen.
Gehen beim Medizincheck der VfB-Ärzte an diesem Montag die Daumen nach oben, können die Stuttgarter nach Grischa Prömel und Leo Sauer in Pejcinovic ihren nächsten Neuzugang dieses Transfersommers präsentieren. Zuvor waren die Wölfe um Geschäftsführer Dieter Hecking hart geblieben. Deshalb wechselt der 21-jährige Mittelstürmer, aufgewachsen als Sohn montenegrinischer Einwanderer im Münchner Stadtteil Giesing, für die Fixsumme von 25 Millionen Euro nach Bad Cannstatt. Ein Preis, der schon immer das Ziel der Wölfe war. Im Raum steht ein Fünfjahresvertrag beim VfB mit einer Laufzeit bis 2031, der keine Ausstiegsklausel enthalten soll. Auch die sonst üblichen Boni im Erfolgsfall soll es nicht geben.
Bereits am Samstag beim Zweitliga-Saisonstart der Wolfsburger gegen den 1. FC Kaiserslautern (0:0) hatte Pejcinovic nicht gespielt, war aber noch auf der Bank gesessen. „Weil die Einigung so spät kam, wollten wir dann auch keinen mehr wuschig machen“, sagte der Wolfburger Coach Tobias Strobl nach Schlusspfiff.
Lange zuvor hatte der deutsche U-21-Nationalspieler Pejcinovic bereits seinen Wunsch öffentlich gemacht, künftig für den VfB, und nur für den VfB spielen zu wollen. Ein Angebot des FC Porto hatte der 1,90-Meter-Mann daher abgelehnt.
In Stuttgart soll der physisch topfitte Angreifer mit dem starken linken Fuß, der in der Vorsaison bei den schwachen Wölfen auf zwölf Pflichtspieltore gekommen war, trotz seines jungen Alters sofort durchstarten. Denn Konkurrenz zu Undav und Demirovic belebt das Geschäft. Das fordert auch Sebastian Hoeneß: „Wir spielen Champions League, wollen dort schlagkräftig sein“, sagte der VfB-Cheftrainer unlängst zu möglichen Verstärkungen: „Ich habe schon den Wunsch, dass wir Substanz draufpacken. Im besten Fall nicht mit Potenzial, dass sich erst noch entwickelt muss, sondern das schon freigelegt wurde.“
Dass er auf gehobenem Bundesliga-Niveau funktionieren kann, hat Pejcinovic bewiesen. Indirekt füllt er nun die Lücke, die sich nach dem späten Wechsel von Nick Woltemade im Vorsommer zu Newcastle United bei den Stuttgartern aufgetan hatte.
Der VfB hat nun wieder ein Dreigestirn vorne im Angriff, was auch Ermedin Demirovic freut: „Dzenan ist herzlich willkommen, er ist ein guter Spieler. Wir wollen schlagkräftig in die Saison gehen, deswegen ist jeder Spieler, der Qualität mitbringt, wichtig für uns“, sagte Demirovic bereits im Trainingslager in Grassau – wo Deniz Undav ergänzte: „Ich freue mich auf jeden, der uns als Mannschaft besser macht. Als wir vor zwei Jahren in der Champions League gespielt haben, hatten wir auch gute Spieler – aber vielleicht nicht so in der Breite. Du musst in jede Saison mit drei, vier starken Stürmern reingehen.“
