Stuttgart - Die Zahlen sprechen für sich. Weil es Rekorde sind. Für das Geschäftsjahr 2025 weist die VfB Stuttgart AG einen Gesamtertrag von 383,6 Millionen Euro aus und der Gewinn beläuft sich auf 22,5 Millionen Euro. Noch nie gab es eine bessere Bilanz. Dazu kommen durch die Champions-League-Teilnahme weitere Einnahmen. Dennoch macht rund um den Fußball-Bundesliga das böse Wort des Transferüberschusses die Runde. Immer öfter heißt es, der Traditionsverein müsse wieder Einnahmen aus Spielerverkäufen erzielen – und die damit verbundene Frage lautet: warum eigentlich?
Die einfache Antwort lautet: Der VfB muss gar keine Spieler verkaufen. Den Stuttgartern geht es wirtschaftlich gut, was auch das gestärkte Eigenkapital von 83,4 Millionen Euro belegt. Das verschafft Handlungsspielraum und es existiert kein Beschluss des Aufsichtsrates, in dem steht, dass der VfB-Vorstand einen bestimmten Transferüberschuss in diesem Sommer erzielen muss. Zur komplexen Wahrheit gehört jedoch auch, dass es eine mittlere Finanzplanung gibt, an der sich das Kontrollgremium der VfB AG unter der Führung von Präsident Dietmar Allgaier orientiert – und hier sind natürlich signifikante Transfereinnahmen aufgeführt. Denn das gehört zum Geschäftsmodell.
Etwas anderes kann und will sich der VfB nicht leisten. Ein Blick in die Realität macht dann schnell klar, dass bezüglich der Einnahmen aktuell noch die Null steht. Vielmehr hat der VfB nur viel Geld ausgegeben: Zuletzt 15 Millionen Euro an Ablöse für Leo Sauer. Zuvor kostete die Verpflichtung von Grischa Prömel einige Millionen Euro. Auch, wenn der Mittelfeldspieler ablösefrei kam. Außerdem läuft der Poker um Dzenan Pejcinovic. Mehr als 20 Millionen Euro bietet der VfB bereits für den Stürmer aus Wolfsburg.
Der Ausgang der Verhandlungen ist zwar offen, aber einen starken Angreifer will der Trainer Sebastian Hoeneß schon noch haben. Was zeigt, dass bereits mit diesen drei Personalien die zunächst veranschlagten Einnahmen aus der Königsklasse in Höhe von 30 Millionen Euro weg wären. Vergessen wird bei den Rechnungen gerne auch, dass die Stuttgarter erst im vergangenen April Bilal El Khannouss nach einer Leihe fest an sich gebunden haben – für 20 Millionen Euro.
Alles Investitionen. Und jetzt geht es darum, die Kosten im Griff zu behalten. Zumal der Kader mit 34 Spielern eine Größe aufweist, die das Gehaltsbudget nach oben treibt. Auf etwa 100 Millionen Euro summiert sich der Etat mittlerweile und soll durch Abgänge deutlich entlastet werden.
Nur: Es passiert noch nichts. Was daran liegt, dass sich die Transferaktivitäten durch die WM insgesamt nach hinten verschieben. Das betrifft die großen und kleinen Namen – auch beim VfB. Bilal El Khannouss, Jamie Leweling und Angelo Stiller sind gefragte Spieler, bei denen die Stuttgarter bei Angeboten in Höhe von 40, 50 Millionen Euro zumindest ins Nachdenken kommen würden.
Hinter den Schlüsselspielern stehen einige Verkaufskandidaten, die weniger einbringen würden, wie Ameen Al-Dakhil, Leonidas Stergiou oder Jeremy Arevalo. Lösungen werden auch für Lazar Jovanovic und Jovan Milosevic gesucht. Ebenso bei den Eigengewächsen Laurin Ulrich und Mirza Catovic. Doch nicht nur die gestiegenen Kosten bei den Profis schlagen zu Buche, sondern auch im Verwaltungs- und Dienstleistungsbereich. Mehr als 450 Mitarbeiter hat der VfB – ein Riesenapparat, der Gelder verschlingt.
Getragen wird das Ganze durch den Erfolg und zuletzt durch die Transfers von Nick Woltemade (85 Millionen Euro) und Enzo Millot (30 Millionen Euro). In der Netto-Betrachtung ist dem VfB dabei weniger geblieben, als die Ablösesummen ausdrücken, aber immer noch genug, um weiter an einem breiten Spitzenkader zu bauen. Das ist gelungen und mit Blick auf die kommenden Transfers geht es nun auch um das Timing. Abgerechnet wird allerdings erst zum Schluss – am 1. September, wenn das Transferfenster in Deutschland schließt.
