Stuttgart - Eine Woche ist er auf Mallorca gewesen, mehr wollte Sebastian Hoeneß über seine Reiseziele mit der Familie in der Sommerpause der Fußball-Bundesliga nicht verraten – nur so viel ergänzte der VfB-Cheftrainer noch: „Ich war an vielen schönen Orten, habe die Sonne gesehen und die Zeit mit meiner Familie sehr genossen.“
Acht Wochen lang ist mehr oder weniger Ruhe gewesen auf dem Clubgelände des VfB seit der 0:3-Niederlage im Finale des DFB-Pokals Ende Mai gegen den FC Bayern München. „Nicht nur ich habe das Entscheidende vermisst – und das ist der Trainings- und Spielbetrieb unserer Fußballprofis“, sagte der VfB-Präsident Dietmar Allgaier, der wie die gesamte VfB-Fangemeinde seine Bundesliga-Stars jetzt wieder hat. Anlässlich des Trainingsauftaktes wollten bereits rund 1000 Fans Sebastian Hoeneß , seinen Trainerstab und die Spieler am Donnerstagnachmittag sehen.
Dabei fand das erste Training auf einem der beiden frisch sanierten Plätze gegenüber dem Schlienzstadion statt, die im Regelbetrieb eigentlich den Bundesliga-Frauen des VfB und der Jugend vorbehalten sein sollen.
Diesmal aber floss bei Temperaturen knapp unter 30 Grad und einer hohen Luftfeuchtigkeit auf dem „M1“ der Schweiß bei den Männern, die eine voll gepackte Saison mit Bundesliga, DFB-Pokal und Champions League vor der Brust haben. „Die Vorbereitung ist ein ganz wesentlicher Baustein der Saison“, sagte der VfB-Sportvorstand Fabian Wohlgemuth.
Verzichten muss der VfB vorerst auf Rechtsverteidiger Lorenz Assignon, der sich nach einer Schulter-OP noch einige Wochen in der Reha befindet. Die Innenverteidiger Jeff Chabot (Eingriff am Knie) und Ramon Hendriks (Fersenprobleme) trainierten derweil mit leicht angezogener Handbremse. Atakan Karazor, der mit der Türkei Teile der WM-Vorbereitung mitgemacht hatte, wird nächste Woche erwartet.
Bis zum Start des Trainingslagers am 3. August im bayerischen Grassau muss Hoeneß noch auf die sieben WM-Fahrer um Deniz Undav, Angelo Stiller und Ermedin Demirovic verzichten. Doch schon jetzt war der Trainingsplatz mit 23 Feldspielern und vier Torhütern voll. Darunter auch einige Profis vom VfB II – oder vormals ausgeliehene Akteure wie der Stürmer Jovan Milosevic, deren Zukunft noch unklar ist. Überhaupt wird sich auf der Sommer-Transferbörse, die bis zum 1. September geöffnet ist, noch einiges tun.
„Wir haben keinen Handlungs- und auch keinen Verkaufsdruck“, erklärte Manager Wohlgemuth, der bislang mit dem Ex-Hoffenheimer Grischa Prömel aber erst einen Hochkaräter verpflichtet hat. Der ist ein gebürtiger Esslinger mit einem waschechten VfB-Fan als Vater – und sieht sich als gestandener Bundesligaprofi mit 31 Jahren sowie über 200 Bundesligaspielen in Stuttgart künftig in einer Führungsrolle: „Ich bin gekommen, um zu spielen“, sagte der Mittelfeldspieler, der sich über das Engagement beim VfB freut: „Ich weiß, welche Strahlkraft und Power dieser Verein besitzt.“
Da es bislang auf dem Transfermarkt eher ruhig zuging beim VfB, hofft Sebastian Hoeneß („Ich mag die Energie der ersten Trainingseinheiten“), dass in den kommenden Wochen hier „noch Bewegung reinkommt. Wir haben unter anderem mit der Champions League eine sehr herausfordernde Saison vor der Brust. Da wollen wir einen schlagkräftigen Kader haben, die Substanz halten – und im besten Fall ausbauen.“
Was die Seite der Abgänge betrifft, bleibt Hoeneß gelassen – etwa im Fall von Angelo Stiller, seinem Denker und Lenker auf dem Spielfeld. „Wir haben überall die Hand drauf“, sagte der Cheftrainer: „Da müsste schon was Außergewöhnliches kommen, ehe wir nachdenken.“
Ein festes Saisonziel nennt man beim VfB wie gewohnt nicht – doch Hoeneß machte schon mal klar: „Wir sind weiterhin ambitioniert“, und ergänzte auch mit Blick auf die Champions League, wo vor zwei Spielzeiten nach der Ligaphase knapp das Aus kam: „Mit weniger sind wir garantiert nicht zufrieden.“
Das erste Testspiel steht an diesem Sonntag (14.30 Uhr) beim Regionalliga-Absteiger TSG Balingen an. Bundesliga-Auftakt ist am Freitag, 28. August, mit dem Spiel beim FC Bayern München. Eine Woche vorher (Freitag, 21. August) geht es in der ersten Runde des DFB-Pokals zum Drittligisten FC Hansa Rostock.
