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„Kloppo ist die Idealbesetzung“

Zwischen 2012 und 2014 hat Ex-VfB-Stürmer Julian Schieber unter Trainer Jürgen Klopp in Dortmund gespielt, der jetzt Bundestrainer werden soll.

Stuttgart - Zwei Saisons hat Ex-VfB-Stürmer Julian Schieber, heute Sportlicher Leiter bei Drittligist SG Sonnenhof Großaspach, unter dem Cheftrainer Jürgen Klopp beim BVB gespielt – und hält heute noch Kontakt zu ihm. Schieber ist sich sicher: Klopp kann auch beim DFB für eine Aufbruchstimmung sorgen.

Hallo Herr Schieber, wie man hört, sind Sie noch immer als Stürmer aktiv – und zwar bei der SG Oppenweiler-Strümpfelbach II. Stimmt das?

Das ist richtig. Wir waren auch erfolgreich, sind Kreisliga-B-Meister geworden. Da bin ich echt stolz drauf. Unterm Strich habe ich 18 Tore in zwölf Spielen gemacht. An der Anzahl der Einsätze sieht man, dass ich nicht immer dabei sein konnte. Ich habe drei Kinder – und auch mein Job als Sportlicher Leiter bei Drittliga-Aufsteiger SG Sonnenhof Großaspach fordert mich.

Als „Bulle von Backnang“ wurden Sie zwischen den Jahren 2009 und 2012 als Bundesliga-Stürmer beim VfB geschätzt – dann kam der Anruf von Jürgen Klopp.

Kloppo hatte im Sommer 2012 bereits großen Erfolg: Borussia Dortmund hatte das Double geholt, unter anderem mit einem 5:2-Sieg im Pokalfinale über den FC Bayern. Für mich war das damals eine unfassbare Geschichte, dass der kleine Junge aus Backnang, so wie ich mich damals selbst gesehen habe, einen Anruf von Jürgen persönlich bekommen hat.

Wie kam der BVB auf Sie zu?

Ich hatte ein eher bescheidenes Stuttgart-Jahr hinter mir. Zuerst habe ich daher am Telefon gedacht, mich veräppelt jemand. Zu der Zeit gab es ja mit Stefan Raab, Matze Knoop und Co. einige Spaßvögel und Stimmen-Imitatoren. Aber dann hat mein Berater gesagt: Julian, das ist er wirklich.

Dann kam es zum ersten persönlichen Treffen.

Jürgen hat einfach eine herausragende Ausstrahlung. Als er mit seinen 1,91 Metern auf einmal neben mir stand, da musste ich schon zweimal kurz schlucken – und habe mich gefragt, ob ich das jetzt wirklich erlebe. Kloppo gibt dir als Spieler vom ersten Moment an einen klaren Weg vor, gibt dir ein gutes Gefühl. Er kann bekanntermaßen gut reden und versteht die diversen Facetten eines Fußballer-Lebens.

Das bedeutet?

Jürgen Klopp kann dein Papa sein, dein bester Kumpel. Er kann dein autoritärer Trainer sein – und dein größter Kritiker. Er ist ehrlich, was heutzutage im Profifußball nicht immer der Fall ist. Wenn man es wie er schafft, zu den Spielern eine enge Verbindung aufzubauen, dann ist viel Vertrauen da. Und in diesem Umfeld kann man die bestmögliche Leistung bringen.

Ist Jürgen Klopp die beste Besetzung für den Posten des Bundestrainers?

Selbst wenn ich heute einen Ratschlag von ihm brauche, dann meldet er sich zeitnah bei mir. Er ist ein sehr verlässlicher Mensch, ist hundertprozentig er selber. Ein Weltstar, der sich auch für die kleinen Dinge Zeit nimmt. Wenn er dich als Spieler mal ins Herz geschlossen hat, dann gibt es da kein Blatt, das dazwischen passt. Seine Energie ist unglaublich – und er ist einer, der im deutschen Fußball für eine Aufbruchstimmung sorgen kann.

In Ihren Augen ist er als Bundestrainer also die Idealbesetzung?

Er wird die maximale Energie auf den Platz bringen, kann als Top-Motivator das volle Potenzial aus der Nationalelf rauskitzeln. Dazu kommt sein taktisches Fachwissen. Daher gibt es aus meiner Sicht keine bessere Besetzung für die Stelle des Bundestrainers als Jürgen Klopp.

Welche Rolle hatte er damals beim BVB für Sie vorgesehen?

Kloppo hat mir ganz schnell den großen Druck genommen. Er hat mir gesagt: „Julian, du bist ein klassischer Stürmer. Davon gibt es in Deutschland nicht allzu viele. Wir haben Lucas Barrios nach dem Doublejahr als Torschützen verloren. Sei einfach voll da, hau alles rein. Dann wird das schon – und wir werden gemeinsam Erfolg haben.“

Am Ende Ihrer Einstiegssaison kam der BVB ins Champions-League-Finale, das letztlich 1:2 gegen die Bayern verloren wurde. Wie hat Klopp das Team geführt?

Die Champions-League-Reise war damals lang und spannend. Wir hatten bereits in der Gruppenphase gegen Real Madrid unglaubliche Spiele. Die Mannschaft war intakt – und punktuell gut verstärkt. Marco Reus hat als Neuzugang sofort eingeschlagen. Mario Götze, Kloppos Junge, war auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Dann kam im Viertelfinal-Rückspiel die Partie gegen Malaga, die sinnbildlich steht für den Glauben von Jürgen, nie aufzugeben, immer zurückzuschlagen – und die kleinste Chance zu nutzen.

Bis heute nennt Klopp Sie mit einem Augenzwinkern „mein Held von Malaga“, wenn Sie sich sehen. Erzählen Sie, warum?

Wir haben im Hinspiel des Champions-League-Viertelfinales in Spanien 0:0 gespielt. Zu Hause vor über 80.000 Fans schießt Malaga dann nach 87 Minuten den Führungstreffer zum 2:1 – durch die Auswärtstor-Regel, die damals noch galt, brauchten wir zwei Tore, um das Ding noch zu drehen. Marco Reus macht das 2:2, eine Taktik gibt es da längst nicht mehr. Ich lege dann den Ball mit einer Grätsche dicht vor der Torlinie Felipe Santana vor die Füße, der für uns das 3:2 macht. Seither bin ich Kloppos Held vom Malaga-Spiel – und freue mich, dass ich ein Teil dieser Reise sein durfte.

Wie verhält sich Jürgen Klopp im Erfolgsfall?

Er genießt die glücklichen Momente sehr. Wenn es was zu feiern gibt, ist er da. Jürgen Klopp kann um fünf Uhr morgens auf der Tanzfläche stehen und feiern. Doch wenn später die Sonne wieder aufgeht, dann ist er mit seinem Trainingsanzug und seiner Mütze auf dem Platz wieder zu hundert Prozent Trainer. Eine Autoritätsperson, der auch die jungen Spieler gerne folgen.

War er Ihr bester Trainer?

Das so absolut zu sagen, wäre nicht fair gegenüber meinen anderen Trainern. Aber ich möchte ganz sicher keine Sekunde missen – meine beiden Dortmunder Jahre waren unglaublich lehrreich. Davon kann ich heute noch zehren. Man wächst selber als Mensch.

Und was wird künftig aus Ihrer eigenen Fußballerkarriere in der Kreisliga B – ohne Jürgen Klopp?

Ich bin 37 Jahre, hatte fünf Knie-Operationen – und weiß: irgendwann muss ich mal das Ende finden. Aber am letzten Spieltag kam ich nach einer Muskelverletzung per Kaltstart ins Spiel, habe in 20 Minuten vier Tore geschossen, darunter der Treffer zum 6:6-Endstand in der 94. Minute. Es war ein Moment, wie man ihn sich als Torjäger erträumt. Ich denke immer wieder dran, wie aber soll ich ihn einschätzen? Etwa, dass ich Schluss machen soll?

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