Berlin - Eigentlich ist Sebastian Hoeneß einer von der zurückhaltenden Sorte, wenn es darum geht, einzelne Spieler aus der Mannschaft herauszulösen in der Bewertung. Einzelurteile sind nicht sein Ding. Nicht weil es der Trainer des VfB Stuttgart nicht könnte – sondern weil er den Einzelspieler nicht über die Gruppe stellen möchte. Ganz nach dem Motto: Ein Einzelner gewinnt uns keine Spiele und ein Schnitzer eines Akteurs verliert uns auch keine Partie.
Insofern war es schon bemerkenswert, wie Hoeneß auf eine Reportereinschätzung nach dem 8:1-Sieg bei Kickers Offenbach reagierte. „Ganz solide“ sei der Auftritt von Lazar Jovanovic nach Einschätzung des Journalisten gewesen. „Also bitte. Wenn man das nur solide nennt, dann weiß ich aber auch nicht“, entgegnete Hoeneß und attestierte dem 19-jährigen Serben eine „überragende Vorstellung“. 45 Minuten bekam Jovanovic beim Test in Offenbach an Einsatzzeit – und er wusste sie zu nutzen.
Zwei Tore und eine Vorlage standen am Ende für Jovanovic zu Buche. Zu keiner Sekunde war der Außenstürmer von seinen Gegenspielern unter Kontrolle zu kriegen. Seine vielleicht schönste Aktion wurde dennoch nicht mit einem Tor gekrönt – ein wuchtiger Distanzschuss mit links von der rechten Strafraumkante küsste nur das Kreuzeck. Wenige Zentimeter tiefer – und dem Talent wäre ein Traumtor gelungen.
Doch nicht nur die Zahlen hatten es Hoeneß angetan, sondern insbesondere die Art und Weise, wie Jovanovic auftrat. „Er hat gezeigt, was er draufhat. Wie er sich die Tore selbst erarbeitet und aufgelegt, letztendlich dann auch verwandelt hat, das war schon Extraklasse“, lobte der Trainer eine Leistung, die aus dem guten Kollektiv der Nachwuchs- und Ergänzungsspieler, die den zweiten Spieldurchgang am Bieberer Berg bestritten, noch herausragte.
