Grassau - Auf dem Platz absolviert Deniz Undav derzeit noch ein gedrosseltes Programm nach der WM und seinem Sommerurlaub, abseits des Rasens ist der Stürmer des VfB Stuttgart aber schon wieder in gewohnt schlagfertiger und auskunftsfreudiger Verfassung. Am Rande des Trainingslagers in Grassau äußerte sich der 30-Jährige zu der Weltmeisterschaft mit der DFB-Elf, möglicher Konkurrenz im VfB-Sturm durch die anvisierte Verpflichtung von Dzenan Pejcinovic – und zu Atakan Karazor, den er in der vergangenen Saison einige Male als Kapitän vertrat. Deniz Undav über . . .
den Wiedereinstieg nach der WM „Es hat ungefähr eine Woche gedauert, das WM-Aus zu verarbeiten. Keiner von uns hat damit gerechnet, im Sechzehntelfinale auszuscheiden. Dann war der Urlaub mit meiner Frau und meiner Tochter im Fokus, ich musste abschalten nach einer langen Saison. Nach zwei Wochen Pause denkst du dir dann aber auch: Boah, ich will wieder den Ball berühren und was mit der Mannschaft machen. Jetzt ist es endlich wieder so weit.“
den Hype um seine Person während der WM „Ich habe alles mitbekommen. Den Hype, die Videos, wie die Leute meinen Namen gesungen haben beim Public Viewing. Das hat mich übertrieben gefreut. Es ist gefühlt noch mal fünfmal größer geworden. Ich habe den Hype genossen und genieße ihn noch immer. Das zeigt, dass ich was richtig gemacht habe. Wenn ich wieder liefere, geht es weiter so. Wenn nicht, wird es schnell wieder andersrum sein. Ich bin ein alter Hase, ich kann damit umgehen. Spielst du zwei Spiele schlecht, heißt es wieder, der ist außer Form. Ich muss Leistung bringen.“
den neuen Bundestrainer Jürgen Klopp „Ein Trainerwechsel bei der Nationalmannschaft ist wie bei einem Verein: Da muss sich jeder Spieler neu beweisen, es ist eine neue Energie da. Es kann sein, dass es eine komplett andere Aufstellung sein wird. Deswegen heißt es für mich, einfach Leistung zu bringen. Das wird dann hoffentlich geschätzt, sodass ich eingeladen werde.“
mögliche Verstärkungen im VfB-Sturm „Mir ist es egal, wer kommt. Ich freue mich auf jeden, der Qualität reinbringt und uns als Mannschaft besser macht. Als wir vor zwei Jahren in der Champions League gespielt haben, hatten wir auch gute Spieler – aber vielleicht nicht so in der Breite. Du musst in jede Saison mit drei, vier Stürmern reingehen. Wie ich lese, sind wir noch nicht fertig auf dem Transfermarkt.“
Neuzugang Grischa Prömel und den Faktor Erfahrung „Er kennt die Bundesliga, ist kommunikativ, redet viel. Er ist läuferisch gut und kann Tore schießen – ein Leader. Das ist genau das, was wir brauchen. Es hilft der Mannschaft, wenn wir Erfahrung bekommen. Wir haben viele sehr gute junge Spieler. Du kannst aber nicht nur mit 20-Jährigen spielen.“
Atakan Karazor „Er hat jetzt sieben, acht Jahre alles für den Verein gegeben und hatte in der letzten Saison vielleicht zwei schlechtere Monate. Ansonsten spielt er sehr konstant. Er geht voran und pusht die Jungs – wie er kommuniziert, da ist Chema zum Beispiel noch nicht so weit. Er wird zwar oft kritisiert, aber er macht viele Sachen richtig und öffnet Räume für andere durch seine Laufwege. Natürlich hat er nach der Verpflichtung von Grischa Prömel neue Konkurrenz bekommen, aber die haben wir im Sturm auch. Wir müssen uns alle zeigen, jeder hat Konkurrenz – außer Angelo Stiller vielleicht (schmunzelt).
die Kapitänsfrage „Letzte Saison hat Ata zwar nicht jedes Spiel gemacht – ich aber auch nicht. Es kann ja auch sein, dass ich nicht spiele. Ich habe mit dem Trainer noch nicht darüber geredet. Selbst, wenn ich Kapitän werden sollte, wird Ata mein Kapitän bleiben.“
die Saisonziele „Die Konkurrenz hat sehr viel eingekauft, Leverkusen und Hoffenheim vor allem. Aber man weiß ja nie, wie die Chemie in der Mannschaft wird, wenn du viele Spieler holst. Deswegen interessiert mich gar nicht, was die anderen so machen. Ich schaue auf uns. Viele Mannschaften wollen sich wieder für den internationalen Wettbewerb qualifizieren, auch wir. Es wird diese Saison genauso eng sein. Wir sollten aber nicht nur auf die Bundesliga blicken – sondern auch schauen, dass wir in der Champions League eine Runde weiterkommen. Das muss das Ziel sein.“

