Ludwigsburg - Den wirklichen Grund für die kurzfristige Absage der Hallenradsport-WM 2026 haben die Organisatoren im englischen Derby nie genannt: Angeblich wurden für die Titelkämpfe im Kunstradfahren und Radball, die Mitte Oktober auf der britischen Insel hätten stattfinden sollen, lediglich 400 Tickets verkauft. Vor zwei Wochen zogen sich die Organisatoren deshalb zurück – und plötzlich schrillten die Alarmglocken. „Ein Jahr ohne Weltmeisterschaft wäre für die Athleten tragisch“, sagt Jens Zimmermann, „und für die Sportart ein Fiasko.“ Dieses Desaster ist nun abgewendet.
Jens Zimmermann (54) hat sieben WM-Veranstaltungen moderiert, 2025 in Göppingen fungierte er zudem erstmals auch als Ausrichter. Damals sprang er mit seiner Agentur neun Monate vor dem Eröffnungstermin ein, nachdem sich die WM-Pläne in Frankreich zerschlagen hatten. Das war schon ein sportlicher Zeitplan – doch es ist kein Vergleich zu diesem Jahr. „Innerhalb von fünf Wochen eine WM auf die Beine zu stellen, geht nur dank der Erfahrungen, die wir zuletzt gesammelt haben“, sagt er, „es ist kein Harakiri, aber eine Herkulesaufgabe.“ Und für ihn auch eine Herzenssache: „Ich will dem Hallenradsport in dieser Ausnahmesituation nach dem Brexit 2.0 helfen.“
Weil die Göppinger EWS-Arena erst an Weihnachten den nächsten freien Termin hat, nahm Jens Zimmermann Kontakt zu den Verantwortlichen in Ludwigsburg auf, mit denen er schon 2025 über eine WM in der MHP-Arena gesprochen hatte – nun finden die Titelkämpfe dort ein Jahr später statt, vom 30. Oktober bis zum 1. November. „Gemeinsam werden wir das trotz der kurzen Vorbereitungszeit schaffen“, sagt Jens Zimmermann. Die MHP-Arena bietet, weil ein Teil für die Trainingsfläche benötigt und abgesperrt wird, Platz für 2500 Zuschauer. „Die Halle mit ihren steilen Rängen ist sehr stimmungsvoll“, erklärt Zimmermann, „ich bin optimistisch, dass an allen drei Tagen mindestens 2000 Fans kommen werden.“
Das wäre zwar eine deutlich kleinere Anzahl als 2025 in Göppingen (insgesamt 12.000), angesichts der Kurzfristigkeit aber immer noch ein Erfolg. Und egal, wie voll die MHP-Arena am Ende sein wird: der Dank der Athleten um die beiden neuen Kunstrad-Weltrekordler Lara Füller vom RKV Poppenweiler (einem Stadtteil von Ludwigsburg) und Philipp-Thies Rapp (RSV Tailfingen) ist dem Ausrichter jetzt schon sicher. „Wir sind eine der prägenden Nationen im Hallenradsport“, sagt Bernd Dankowski, der Präsident von German Cycling, „als wir von der Absage in Derby erfahren haben, war für uns schnell klar, dass wir Verantwortung übernehmen wollen.“Weshalb statt schrillender Alarmglocken bald die Startglocke in der MHP-Arena ertönen wird.
