Stuttgart - Es ist, als hätte es die lange Fußballpause beim VfB Stuttgart gar nicht gegeben. Diese acht Wochen, in denen sich Chris Führich erst erholt und danach wieder früh in Form gebracht hat. Der 28-Jährige tritt in den ersten Vorbereitungsspielen so stark auf, dass man meinen könnte, er sei bereits schon jetzt voll im Wettkampfmodus. Denn beim 2:2 im Test mit Überlänge (105 Minuten Spielzeit) gegen Paris FC bereitete der Flügelspieler nicht nur die beiden Tore durch Lazar Jovanovic (16.) und Dan-Axel Zagadou (54.) vor, sondern er gehörte auch zu den besten Akteuren auf dem Platz an der Mercedesstraße – mit seinen Antritten, seinen Finten und seinem Esprit gegen den französischen Erstligisten.
Führich brachte gegen die Elf aus Paris gehörig Schwung in die VfB-Angriffe. Mit seinen typischen Aktionen als Spielbeschleuniger im Eins-gegen-eins. Aus dem Stand kann er auf nur wenigen Metern auf Höchstgeschwindigkeit kommen. Meist zieht der Mann mit der Rückennummer zehn dann mit dem Ball am rechten Fuß von der linken Seite in die Mitte. Ein Klassiker im Stuttgarter Spiel, der enge Situationen auflöst und Tempo bringt. „Ich finde ihn superauffällig – in jedem Testspiel bisher“, sagt Trainer Sebastian Hoeneß, „selbst wenn er sich mal schwergetan hat, hat er ein Tor selbst erzielt und einen Treffer vorgelegt.“
Es läuft also, zumal sich Führich auf seinen gewohnten Partner hinter ihm verlassen kann: Maximilian Mittelstädt. Zusammen ergeben sie auf links ein Tandem, das zu den besten in Deutschland zählt. „Die geölte Maschine läuft schon wieder“, sagt Sebastian Hoeneß über Linksaußen und Linksverteidiger, die unter Julian Nagelsmann zuletzt nicht zum deutschen WM-Aufgebot in Nordamerika gehörten, obwohl sie in den Monaten zuvor mit Konstanz auf hohem Niveau überzeugt hatten.
Jetzt versuchen Führich und Mittelstädt, sich unter dem neuen Bundestrainer Jürgen Klopp wieder in Erinnerung zu bringen. Frisch und spielfreudig trumpfen sie dabei auf. Was sie im Nachgang eventuell zu Profiteuren der verkorksten Weltmeisterschaft aus deutscher Sicht macht. Auch zum Wohle des VfB, da sich ihr ehrgeiziges Vorhaben nur über den Verein umsetzen lässt. Hier müssen Führich und Co. in Topform sein, um sich in den drei Wettbewerben für höhere Aufgaben in der Nationalmannschaft zu empfehlen.
Neben der Bundesliga und dem DFB-Pokal stehen da die Begegnungen in der Champions League – die Bühne der Besten, auf der Führich mit seinen Tempodribblings glänzen will. Über die Klasse dazu verfügt der Außenangreifer, der sich nach einer schwächeren Phase in Stuttgart bereits länger in alter Stärke präsentiert. In der Vorsaison kam er in 33 Ligaeinsätzen auf sieben Treffer und acht Torvorbereitungen, insgesamt sind es im Oberhaus nun 25 Treffer und 23 Torvorbereitungen in 160 Spielen.
Diese Zahlen verschaffen Selbstvertrauen und erhöhen die Sicherheit für das eigene Spiel, das voller Risiko ist. Doch genau diesen Mut fordert Hoeneß ein. Nicht nur von Führich, sondern ebenso von den anderen Angreifern – und die Offensive zeigt sich dabei schon gut in Schuss. Auch, weil der junge Lazar Jovanovic auf der rechten Seite auf sich aufmerksam macht und Tiago Tomas mit seiner Schnelligkeit und seinem Spielverständnis auf allen vorderen Positionen eingesetzt werden kann.
Das ergibt für den Trainer eine Reihe von Alternativen. Zumal die Neuverpflichtung Leo Sauer (Feyenoord Rotterdam) ebenfalls für den Flügel vorgesehen ist sowie die beiden WM-Teilnehmer Jamie Leweling und Bilal El Khannouss, die nun auch bald wieder eingreifen. Die zwei Nationalspieler können jeweils über beide Seiten agieren. Einen schweren Stand hat dagegen im internen Konkurrenzkampf aktuell Badredine Bouanani, dem es nicht an Talent, aber etwas an Durchsetzungsvermögen mangelt. Trotz Extraschichten während der Pause.
Doch auch das algerisch-französische Leichtgewicht sucht seine Chance in den Vorbereitungspartien – in direkten Duellen mit den Verteidigern und mit seinem feinen linken Fuß von der rechten Seite. Das lässt bei dem 21-Jährigen weiter auf den Durchbruch hoffen. Ein wenig fehlen in den Aktionen allerdings die Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit – anders als auf dem anderen Flügel mit Führich.
