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Felix Sturm geht tief enttäuscht

Bei seinem letzten Auftritt verliert der Ex-Box-Weltmeister in Stuttgart überraschend gegen Granit Stein. Einen Rückkampf wird es nicht geben.

  • Niederlage im Abschiedskampf: Felix Sturm ist ernüchtert.Foto: Baumann/Julia Rahn

    Niederlage im Abschiedskampf: Felix Sturm ist ernüchtert.Foto: Baumann/Julia Rahn

Stuttgart - Es gab im Boxen schon viele verschobene Kämpfe, ungerechte Niederlagen, umstrittene Urteile. Und selten Athleten, die nach großen Karrieren bei ihrer selbst organisierten Abschiedsgala unterlegen waren. Es spricht für Felix Sturm (47), dass er für seinen letzten Auftritt („One last dance“) in der Stuttgarter Porsche-Arena keinen sicheren Verlierer engagiert hat. Sondern in Granit Stein (33) einen ehrgeizigen, aggressiven Kontrahenten, der keine Geschenke verteilen wollte, sondern das Duell als große Chance für sich selbst sah. Am Ende? Verließ Felix Sturm den Ring tief enttäuscht.

„Schade, dass es so gelaufen ist“, sagte der fünfmalige Ex-Weltmeister, „das hatte ich mir anders vorgestellt.“ Einen Gewinner gab es trotzdem: den Boxsport.

Die Geschichte des Halbschwergewichts-Duells (bis 79,3 kg) über zehn Runden ist schnell erzählt: Felix Sturm ließ immer wieder seine technische Klasse aufblitzen, landete auch einige klare Treffer. Doch der 14 Jahre jüngere Granit Stein war wesentlich aktiver. Er schlug häufiger, oft zwar auf die Deckung oder den Hinterkopf, viele seiner Angriffe waren aber auch erfolgreich. Felix Sturm musste immer öfter nach Luft schnappen, die Betreuer in seiner Ecke wurden stetig nervöser, attackierten auch den Ringrichter. „Granit Stein hat den Kampf seines Lebens gemacht“, sagte Ex-Weltmeister Firat Arslan (55), „allerdings auch nicht immer ganz sauber geboxt.“

Felix Sturm und Granit Stein, der für eine Verwarnung einen Punktabzug kassiert hatte, wussten nach dem Schlussgong des engen Kampfes nicht, wer denn nun der Sieger ist. Für die Fans der Box-Legende aus Köln, die ihr Idol immer wieder mit Adnan-Katic-Sprechchören (so lautet der Geburtsname von Felix Sturm) angefeuert hatten, war jedoch klar, dass es die Punktrichter schon regeln würden. Taten sie aber nicht. Zwei Unparteiische werteten den Kampf ganz knapp für Granit Stein (96:95, 95:94), einer hatte Felix Sturm (96:93) vorne gesehen. „Wahnsinn, ich kann's kaum glauben“, jubelte Stein, während er von vielen Zuschauern in der nicht ausverkauften Porsche-Arena ausgebuht wurde, „großen Respekt an Felix, dass er mich ausgewählt hat. Er wusste, dass er gegen mich auf Granit beißen kann. Ich bin dankbar für die Chance, die er mir gegeben hat, und ich habe ihn vor dem Kampf angelogen: Er ist immer noch mein Vorbild.“

Felix Sturm war relativ egal, was sein Kontrahent alles von sich gab. Er wirkte ernüchtert, konsterniert, frustriert. Und entgeistert, weil seine große Party völlig unerwartet von einem Stimmungskiller, der eigentlich nur eine Nebenrolle hätte spielen sollen, verdorben worden war. „Ich hatte eine tolle Karriere, aber nicht den gewünschten Abschluss. Doch wer Siege feiern kann, der muss auch Niederlagen wegstecken können“, sagte Felix Sturm, „jetzt will ich nur noch Champion für meine Familie sein. Meine Kinder sind im Moment zwar traurig, aber wir alle sind gesund. Das ist das Wichtigste.“ Und keine Selbstverständlichkeit.

35 Jahre war Felix Sturm Boxer, er gewann bei diversen Verbänden und in unterschiedlichen Gewichtsklassen fünf WM-Gürtel. Die Bilanz, zu der auch ein Gefängnisaufenthalt wegen Steuerhinterziehung und Dopingmissbrauchs gehört, kann sich sportlich sehen lassen (54 Siege, sieben Niederlagen, drei Unentschieden), zumal Felix Sturm zu den Namen gehört, die das Boxen in Deutschland groß gemacht haben. Dies würdigte auch Salih Yildirim. „Was Adnan in seinem Alter bringt, ist unglaublich“, sagte der Trainer von Sturm, „es wird in den nächsten 100 Jahren niemanden geben, der schafft, was er geschafft hat. Nach seiner Karriere nur über diesen letzten Kampf zu sprechen, wäre ein Schande.“ Auch wenn es bei diesem Ende bleiben wird.

Noch im Ring erklärte Felix Sturm („Es gibt Dinge, die man nicht kaufen kann – dazu gehören Charakter und das eigene Wort“), dass es definitiv sein finaler Auftritt war: „Es wird keinen Rückkampf geben, dazu stehe ich!“ Dann kletterte er mit versteinerter Miene ein letztes Mal durch die Seile, begleitet von einem Abschiedsgruß der Moderatorin Sylvia Walker, der ihm nicht gefallen haben dürfte. „Die Dramaturgie“, erklärte sie, „hätte besser nicht sein können.“ Für den Boxsport galt dieser Satz. Für Felix Sturm ganz sicher nicht.

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