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„Es kann eine besondere Saison werden“

„Sehr surreal“ – VfB-Innenverteidiger Finn Jeltsch spricht über Marktwerte, Bayern-Gerüchte und seine Ziele.

  • Finn JeltschFoto: Baumann

    Finn JeltschFoto: Baumann

Grassau - Finn Jeltsch hat sich beim VfB Stuttgart zu einem der gefragtesten deutschen Innenverteidiger entwickelt. Vor der Saison-Eröffnung am Samstag gegen den FC Everton (17 Uhr) spricht der 20-Jährige über die Millionensummen im Profifußball, den teaminternen Konkurrenzkampf – und seinen Traum von der DFB-Elf.

Herr Jeltsch, die Champions League ist hier im Trainingslager immer wieder Thema. Deniz Undav wünscht sich den FC Barcelona als Gegner, Ermedin Demirovic Arsenal London. Wen wollen Sie?

Real Madrid auswärts und Paris Saint-Germain in unserem Stadion.

Wirklich? Genau diese beiden Spiele hatte der VfB doch in der Saison 2024/25.

Ja, aber da war ich noch nicht da. Das Spiel gegen Paris im Januar 2025 habe ich im TV gesehen. Klar haben einige in unserer Mannschaft gegen diese beiden Mannschaften schon gespielt, für mich wären es aber absolute Traumlose. Real mit dem Bernabeu-Stadion ist einfach ein Mythos im Weltfußball und bei Paris reizt die riesige Qualität in deren Offensive. Ich möchte mich mit den Besten messen, das bringt dich nach vorne.

Wobei Sie ja schon große Schritte gemacht haben in Ihrer Zeit beim VfB.

Die Entwicklung stimmt, da würde ich zustimmen. Ich habe in der vergangenen Saison viel investiert und auch regelmäßige Einsatzzeiten bekommen. Es gibt aber auf jeden Fall noch Ansatzpunkte für Verbesserungen.

Wo sehen Sie die?

Die Spieleröffnung ist für mich ein großes Thema. Ich verstehe meine Rolle nicht ausschließlich als Verteidiger, sondern möchte auch im eigenen Ballbesitz Wirkung auf unser Spiel haben und Angriffe einleiten mit Bällen direkt ins vordere Drittel. Ich sehe, dass sich das entwickelt – die Torvorlage im Testspiel in Offenbach war eine schöne Bestätigung. Aber ich bin noch nicht da, wo ich hin will. Diese Bälle sollen in Zukunft noch häufiger kommen.

Der interne Konkurrenzkampf in der Innenverteidigung ist hoch, in der Vorsaison hat sich auch Ramon Hendriks stark entwickelt.

Absolut, er macht es überragend mit seinem Tempo und seiner Physis. Ich sehe uns insgesamt stark aufgestellt im Zentrum hinten, was aber auch essenziell ist. Du musst täglich am Limit agieren, sonst spielst du einfach nicht. Da kann eine Trainingseinheit viel ausmachen. Wir pushen uns gegenseitig – verstehen uns aber menschlich wirklich gut.

Mit wem verbringen Sie abseits des Platzes vor allem Zeit?

Da gibt es nicht nur einen Spieler. Mit Deniz Undav, Chris Führich, Fabian Bredlow, Atakan Karazor und Angelo Stiller spiele ich öfter Karten. Vergangene Saison habe ich viel mit Noah Darvich unternommen (derzeit an die SV Elversberg verliehen, Anm.d.R.). Wir kennen uns seit Jahren und hatten in der U-15-Nationalmannschaft unseren allerersten DFB-Lehrgang zusammen. Da waren wir auch gemeinsam auf einem Zimmer. Er ist ein guter Freund, ich drücke ihm alle Daumen – außer natürlich, wenn wir gegen Elversberg spielen. Aber das ist ja erst im Dezember.

Was ist drin für den VfB in dieser Saison?

Eine Menge. Wir haben viel vor und sind auch in der Breite stark genug aufgestellt dafür. Wir wollen in der Bundesliga wieder eine gute Rolle spielen, im Pokal so weit wie möglich kommen und uns auch in der Champions League bestmöglich präsentieren. Das sind alles sehr reizvolle Aufgaben, es kann eine besondere Saison werden.

Wie steht es um Ihre persönlichen Ziele? Die Nominierung für die deutsche Nationalmannschaft zählt sicher dazu.

Auf jeden Fall, das ist ganz klar mein Ziel. Für Deutschland zu spielen, war schon in den U-Nationalmannschaften etwas absolut Besonderes. Ich will mich hier beim VfB zeigen, gut in die Saison starten, viel spielen. Das muss der Weg sein. Alles andere liegt nicht in meiner Hand. Und falls sich Jürgen Klopp dann meldet, würde ich mich riesig freuen. Es ist ein großer Traum.

Ihr Marktwert wird mittlerweile auf 35 Millionen Euro taxiert. Beschäftigen einen solche Summen?

Man bekommt es natürlich mit, aber ich bilde mir nichts darauf ein. Zum einen sind diese Zahlen alle sehr surreal, zum anderen spiegeln die Marktwerte nicht immer nur die Leistung in der Gegenwart. Da spielt auch das Alter und die Zukunftsperspektive eine Rolle. Harry Kane ist zum Beispiel seit Jahren in phänomenaler Form, aber sein Marktwert steigt nicht. Sein Wert für den FC Bayern könnte dagegen kaum größer sein. Man sollte diesen Zahlen nicht zu viel Bedeutung beimessen und sich auf das fokussieren, was auf dem Rasen passiert.

Stichwort Harry Kane. Zuletzt war zu hören, dass der FC Bayern Sie beobachtet.

Das habe ich auch gelesen. Aber das ist nichts, womit ich mich wirklich beschäftige. Mein voller Fokus liegt auf der anstehenden Saison mit dem VfB. Hier habe ich ein ideales Umfeld und kann Champions League spielen. Ich bin sehr zufrieden mit meiner Situation hier.

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