Stuttgart - Es ist so weit. Am Chiemsee steigen die deutschen Nationalspieler des VfB Stuttgart in die Vorbereitung ein. Im Trainingslager in Grassau wollen sie den Grundstein für eine erfolgreiche Saison legen – und damit übergeordnet die Chancen erhöhen, wieder für Länderspiele nominiert zu werden. Oder im Falle jener Profis, die zuletzt nicht dabei waren im Kreise der DFB-Elf, die Aufmerksamkeit des neuen Bundestrainers Jürgen Klopp zu erregen. Der hatte ja auf seiner Einstands-Pressekonferenz betont, dass er 57 Feldspieler auf seiner Liste habe. Wer also sind die möglichen Kandidaten des VfB?
Die WM-Fahrer
Angelo Stiller, Jamie Leweling und Deniz Undav waren dabei beim Fiasko der DFB-Elf in den USA. Das peinliche Aus im WM-Sechzehntelfinale gegen Paraguay bedeutete das Ende von Julian Nagelsmann als Bundestrainer.
VfB-Taktgeber Stiller durfte beim Turnier nicht den Dirigenten geben, ihm blieb nur eine Nebenrolle. Unter Nagelsmann schien er erst auf dem Weg zur Stammkraft zu sein, im Herbst 2025 war er dann so plötzlich wie überraschend außen vor.
Spannend wird es nun zu beobachten sein, ob Stiller in das typische Klopp-Profil mit dem aggressiven Pressing und Gegenpressing passt. Stillers Chancen stehen und fallen dabei mit der Entscheidung, die auch der neue Bundestrainer treffen muss: Rückt Joshua Kimmich wieder ins Mittelfeldzentrum oder nicht?
VfB-Offensivmann Leweling dürfte, wenn er seine Form der vergangenen Saison wieder auf den Platz bringt, auch von Klopp nicht außen vor gelassen werden. Bei der WM kam der schnelle Außenbahnspieler zu einem Joker-Einsatz. Im Grunde steht Klopp ja auf Typen wie Leweling – weil sie Wucht, Energie, Tempo und Einsatzfreude mitbringen.
Ob der neue DFB-Coach auch auf einen Typen wie Undav abfährt? Vorgänger Nagelsmann tat das eher nicht, sein Schlingerkurs samt unnötiger Abrechnungen mit dem Stuttgarter Publikumsliebling ist längst legendär. Undavs Torquote bei der DFB-Elf (13 Spiele, neun Tore) spricht für sich, jene beim VfB aus der Vorsaison ebenso (19 Liga-Tore).
Sollte der Torjäger in der neuen Saison auf ähnlichem Niveau knipsen, wird Klopp bei seinen Nominierungen kaum an ihm vorbeikommen. Ob Undav dann auch einen Platz in der Startelf bekommt, steht auf einem anderen Papier. Klopp wird in der Offensive auf eine Dreierreihe mit zwei klaren Außen, einem Spieler im Zentrum und einen Stürmer davor setzen. Ganz vorne steht der Bundestrainer, das zeigt seine Vergangenheit in Mainz, Dortmund und Liverpool, eher auf den Typus klassischer Stoßstürmer. Ob Undav dafür infrage kommt, ist offen. Zumal er keine klassische Pressingmaschine nach Klopps Gusto ist. Der VfB-Offensivmann könnte aber auch dahinter im Zentrum der Dreierreihe auflaufen.
Die möglichen Rückkehrer
Die Nichtnominierung für die WM von Chris Führich gehörte für Ex-Bundestrainer Nagelsmann „zu den absoluten Härtefällen“. Der Linksaußen des VfB hatte in der vergangenen Saison mit seinem Tempo, seinen Dribblings und mit 16 Scorerpunkten (sieben Tore, neun Vorlagen) überzeugt. Auch in der Vorbereitung auf die neue Runde zeigt Führich schon wieder beachtliche Frühform, zu sehen zuletzt im VfB-Test gegen Paris FC (2:2). Wenn der Rechtsfuß so weitermacht, dürfte Klopp kaum an ihm vorbeikommen.
Hinter Führich spielt beim VfB Stuttgart bekanntlich Maximilian Mittelstädt. Der Linksverteidiger durfte nach ansprechender Rückrunde ebenfalls nicht mit zur WM. Bei der EM 2024 war Mittelstädt bei der DFB-Elf zunächst Stammkraft. In Nathaniel Brown (jetzt FC Bayern) und David Raum (RB Leipzig) gibt es weiter große Konkurrenz auf der Linksverteidigerposition. Tritt Mittelstädt beim VfB aber so auf wie im ersten Halbjahr 2026, sind zumindest Kadernominierungen drin.
Das Trio aus der Abwehr
Josha Vagnoman verschuldete im Test gegen Ghana (2:1) im März in Stuttgart das Gegentor und durfte nicht zur WM. Der Rechtsverteidiger hat nur Chancen auf eine Nominierung, wenn er sich erstens einen Stammplatz beim VfB erkämpft und zweitens konstanter wird bei seinen Auftritten.
Der 20-jährige Finn Jeltsch dagegen gilt als Zukunftshoffnung. Der Innenverteidiger wurde mit der deutschen U 17 bereits Europa- und Weltmeister. Viele Top-Clubs sollen den hochveranlagten Abwehrmann auf dem Zettel haben – Klopp hat das mit Sicherheit auch. Zumal Jeltsch auch hinten rechts auflaufen kann.
Jeff Chabot hat wie Jeltsch bisher noch kein A-Länderspiel absolviert. Der robuste Innenverteidiger hat bei Klopp – Stand jetzt – zumindest Außenseiterchancen, sollte er seine Zweikampfstärke, die Wucht und seine Führungsqualitäten beim VfB wieder so auf den Platz bringen wie in der Vorsaison.
