stuttgart - Im Trainingslager in Bad Kohlgrub gab die neue VfB-Torhüterin Laura Giuliani schon den Ton an. Sie zeigte, dass sie nicht nur Bälle halten, sondern auch die Vorderleute coachen will. Und: Die Italienerin fühlt sich schon sehr wohl in Stuttgart.
Laura Giuliani, geduldig, ambitioniert, flexibel – so haben Sie sich unlängst in drei Worten selbst beschrieben. Warum gerade diese drei Attribute?
Weil es das einfach gut trifft. Ich bin eine sehr ambitionierte Person. Das trägt mich, das treibt mich voran. Aber Ambition ist nicht alles. Gleichzeitig muss man auch geduldig sein, sonst kann man schnell überambitioniert sein oder wirken. Und das ist nicht zielführend. Es braucht das Gleichgewicht zwischen Antrieb und Augenmaß. Gleichzeitig braucht es auch eine gewisse Flexibilität. Nicht nur körperlich, sondern auch im Kopf.
Wie waren die ersten Tage mit der neuen Mannschaft im neuen Umfeld? Was blieb besonders hängen?
Die liefen sehr gut. Ich bin zwar erst wenige Wochen hier, doch es fühlt sich schon wie Monate an. Die Gruppe hat mich sehr warm und wohlwollend empfangen, mich in ihrer Mitte aufgenommen. Das ist tatsächlich auch das, was besonders hängenblieb. Die Willkommenskultur. Ich habe zu den Mädels gesagt, dass ich das Gefühl habe, hier schon lange dabei zu sein. Es fühlt sich so an. Ich bin sehr froh, Teil dieser Gruppe sein zu dürfen.
Ihre Vita weist 106 Länderspiele, vier Meisterschaften, einen Coppa Italia-Sieg, zwei Supercoppa Italiana für die größten Clubs in Italien aus – da könnte man meinen, eine Spielerin mit dieser Laufbahn müsste sich nichts mehr beweisen. Dennoch gehen Sie noch einmal den Weg nach Stuttgart, zu einem Aufsteiger – was reizt Sie daran?
Tatsächlich ist das so, ja. Ich muss mir nichts mehr beweisen. Aber wir haben eben über Ambitionen gesprochen. Für mich schließt sich beim VfB ein Kreis, ich habe meine Karriere international einst vor vielen Jahren in Deutschland begonnen. Mein Gefühl sagte mir, es ist jetzt die richtige Zeit, noch einmal nach Deutschland zu kommen. Und dazu habe ich hier die Chance bekommen, auch um voranzugehen. Das gefällt mir sehr gut und passt zu meinen Ambitionen. Ich kann noch wachsen, mich weiter verbessern, mein Bestes einbringen. Stuttgart bietet mir die perfekte Umgebung dafür.
Das heißt, diesen Führungsspielerinnen-Anspruch leben Sie jetzt auch vor, tragen ihn in die Stuttgarter Gruppe hinein?
Selbstverständlich. So bin ich. Ich versuche, die beste Version meiner Selbst zu sein, dass in die Mannschaft mit einzubringen und mit gutem Beispiel voranzugehen. Jeden Tag hart arbeiten, meine Erfahrung weitergeben.
Wie fühlt sich diese Rolle bisher an?
Gut! So habe ich mir das vorgestellt. Man sieht auch das Potenzial, das in uns steckt. Und trotz allem Vorangehen versuche ich immer demütig zu bleiben.
Wie konnten Sie die VfB-Verantwortlichen um Sascha Glass begeistern?
Indem sie mir das Projekt und seine Perspektiven detailliert vorgestellt haben. Wir haben viele Gespräche geführt, und ich habe schnell gespürt, wie groß man hier denkt. Es wurde sehr klar und präzise skizziert, wo es noch hingehen soll. Das hat mich überzeugt. Da sind wir wieder bei den Ambitionen. Der VfB hat noch viel vor – das passt gut zu mir. Ich freue mich sehr, dass ich mich hier die kommenden Jahre voll einbringen kann.
Wie ist denn bisher die Integration außerhalb des Spielfeldes gelaufen? Haben Sie bereits eine Wohnung gefunden – und was kennen Sie schon von Stuttgart?
Ich habe eine Wohnung, ja. Für ein paar Spaziergänge in der näheren Umgebung hat es auch schon gereicht. Stuttgart gefällt mir! Aber so richtig kennenlernen werde ich die Stadt wohl erst nach dem Trainingslager. Bisher war dafür einfach keine Zeit.
