Grassau - Anfang dieser Woche war ein wichtiger Termin für Dennis Seimen angesetzt. Es ging zur Kernspintomographie. Im Fokus der Untersuchung war Seimens rechter hinterer Oberschenkel. Denn dort hatte sich die designierte Nummer eins im Stuttgarter Tor gleich zu Beginn der Sommervorbereitung einen Sehnenriss zugezogen.
Eine schwere Verletzung. Zumal für einen Torhüter, der eine explosive Schnellkraft und große Sprungkraft für den Job zwischen den Pfosten aufbringen muss. Kein Wunder also, dass sich das Kommuniqué des Clubs zu der Verletzung einst drastisch las. Bis „mindestens zum Beginn der Länderspielpause im September“ sei es für Seimen nicht möglich, am Mannschaftstraining teilzunehmen. So weit, so schlecht. Die Untersuchung hat nun ergeben, dass der Heilungsprozess wie zu erwarten verläuft. Für die Stuttgarter Torhütersuche heißt das: Es wird immer wahrscheinlicher, dass der Club keine externe Lösung suchen und auf Fabian Bredlow setzen wird, bis Seimen wieder zurückkehrt.
Zwar behält der VfB den Markt im Blick, doch klar ist: Zu kompliziert ist die Suche nach einem Ersatzmann, der nur für wenige Monate die Rolle der Nummer eins erfüllen muss, um sich dann im zweiten Glied einzuordnen. Und zu groß sind die Risiken, mit einem solchen Transfer die Hierarchie und das gute Gefüge in der Stuttgarter Keeper-Riege zu zerstören. „Wir verstehen uns alle gut, alle geben Gas. Auch Steffen Krebs gibt Gas, das kennt man ja. Aber er achtet darauf, dass er uns nicht komplett zerstört“, sagt Fabian Bredlow lachend mit Blick auf das Intensiv-Trainingslager der Schwaben. Gemeinsam mit Marius Funk, Jerik van der Felsen und Stefan Drljaca bildet Bredlow die Torhütergruppe, die von Trainer Krebs und seinem Co-Trainer Kai Rabe gedrillt wird.
In den bisherigen Vorbereitungsspielen konnte Bredlow nur bedingt für sich werben. Der erste richtige Härtetest gegen Paris reduzierte nach Informationen unserer Redaktion die Zweifel an der naheliegenden Lösung, bis zur Rückkehr Seimens voll auf den zweiten Mann zu setzen, nicht vollständig.
Für Bredlow geht es nun darum, in den beiden ausstehenden Tests gegen Everton (8. August, 17 Uhr) und in Fulham (15. August, 16 Uhr) die Zweifel vollends zu zerstreuen. Einen klaren Fürsprecher hat er in Deniz Undav. „Ich bin ein Riesenfan von ihm. Ich sage seit drei Jahren, dass wir gefühlt den besten zweiten Torwart haben. Jetzt kann er sich beweisen und zeigen, dass wir keinen neuen Torwart brauchen. Er gibt immer hundert Prozent, jetzt hat er die Chance“, sagt der Stürmer, der Bredlow direkt nach der Seimen-Verletzung eine Nachricht schrieb: „Wir brauchen dich jetzt, gib Gas“, textete Undav, der Bredlow für einen „Weltklasse-Typen und einen geilen Torwart“ hält.
Der langjährige Ersatzkeeper sieht die Situation „natürlich bitter für Dennis – aber aus meiner Perspektive ist es doch klar, dass ich genau für solche Situationen da bin. Wäre das mitten in der Saison passiert, hätte sich doch darüber niemand groß Gedanken gemacht, dann wäre das ein normaler Prozess gewesen“, wird Bredlow deutlich. „Für mich ist der Fakt, dass noch nichts auf dem Transfermarkt passiert ist und hoffentlich auch nichts mehr passieren wird, ein Beweis dafür, dass man mir vertraut.“
