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„Mythos Hawaii – das stimmt aber auch“

Thomas Fritsch ist immer noch fasziniert von dem Erlebnis, den Ironman am Originalschauplatz geschafft zu haben. Der Illinger hatte sich vor dem Wettkampf gut akklimatisiert, war dann aber etwas zu schnell unterwegs. Inzwischen sind die Wunden geleckt.

  • Er ist jetzt ein Ironman: Thomas Fritsch aus Illingen nach dem Wettkampf auf Hawaii. Foto: privat

    Er ist jetzt ein Ironman: Thomas Fritsch aus Illingen nach dem Wettkampf auf Hawaii. Foto: privat

Triathlon. Als sich der Illinger Thomas Fritsch für den Ironman auf Hawaii qualifiziert hatte, war ihm gleich klar: Diese Chance will er nutzen, wenn es nur irgendwie geht. Darum kam für den 51-Jährigen auch die Ersatzveranstaltung nicht in Frage, die während der Corona-Pandemie auf dem amerikanischen Festland angeboten wurde. Nein, wenn schon Ironman, dann das Original auf Hawaii. Zwei Wochen nach der Teilnahme (VKZ hat berichtet) sagt Fritsch: „Ich bin geistig immer noch auf der Insel, bin aber körperlich leider schon wieder im Büro.“

Der Ausdauersportler aus Illingen beschließt seine Whatsapp-Nachrichten nicht mehr mit „Aloha aus Hawaii“. Doch das Erlebnis Ironman ist für ihn immer noch allgegenwärtig und schlicht unvergesslich. „Von der Ankunft auf der Insel war es bis zum Rückflug so, wie ich es mir vorgestellt, wie ich es mir erträumt hatte“, berichtet Fritsch. „Das nimmt einem keiner mehr.“ Wichtig für dieses Erlebnis war aber, dass es nicht irgendeine große Sportveranstaltung war, sondern dass es die auf Hawaii war. Mit Hin- und Rückflug jeweils um die halbe Welt, mit tropischer Hitze, mit Palmen, kurz: mit dem Ambiente von Kailua-Kona in jeder Hinsicht. „Wenn man Triathlon lebt und die Möglichkeit dazu hat, dann muss man unbedingt dorthin“, sagt Fritsch. „Man sagt immer ,Mythos Hawaii‘ – das stimmt aber auch.“

An die extremen Bedingungen hat er sich relativ schnell gewöhnt.

Weil der Illinger eine akribische Vorbereitung auf Wettkämpfe liebt und weil er sich der immensen klimatischen Umstellung bewusst war, ist er zehn Tage vor dem Start des Ironman schon vor Ort eingetroffen. Dass bei der extrem hohen Luftfeuchtigkeit bei Temperaturen um die 25 Grad Celsius jede Bewegung viel mehr anstrengt als daheim, war klar. „Ich habe mich in der Zeit sehr gut akklimatisieren können und bin damit gut zurechtgekommen“, sagt Fritsch zwei Wochen nach dem Wettkampf. „Aber die Belastung war schon höher als zum Beispiel beim Ironman in Frankfurt.“

Das könnte auch der Grund sein, warum er trotz mittlerweile einiger Wettkampferfahrung den letzten Abschnitt – Marathonlauf über 42,195 Kilometer – zu motiviert angegangen ist. „Ich gehe inzwischen davon aus, dass es einfach ein energetischer Mangel war“, sagt er über die Tatsache, dass ihm hintenraus die Körner ausgingen, er zum Teil gehend unterwegs war. „Ich habe auf der Laufstrecke nicht genügend Nahrung zu mir genommen. Dabei hatte ich im Gegensatz zu manchen anderen Teilnehmern keine Magenprobleme während des Wettkampfs.“ Unterm Strich standen dem Veranstalter dieses Mal weniger freiwillige Helfer zur Verfügung als in anderen Jahren. „Darum wurde die Zahl der Verpflegungsstellen an der Laufstrecke halbiert“, berichtet Fritsch. „Und vielleicht bin ich den Marathon auch zu schnell angegangen und habe zu viel Energie verbraucht. Bei diesen Bedingungen war es doch sehr anstrengend, da sollte ich es vielleicht etwas konservativer angehen.“ Aber auch wenn dieser Wettkampfteil zäh für den Ausdauersportler war, ist er mit einem guten Ergebnis ins Ziel gekommen.

„Ich habe mich wahnsinnig schnell regeneriert“, sagt Fritsch. „Dieses Mal musste ich nicht rückwärts die Treppe runtergehen, wie es sonst auch schon vorgekommen ist.“ Natürlich sei der Wettkampf hart gewesen, gibt der Illinger zu. „Aber einen Tag später waren die Wunden geleckt. Und das hier war kein Abschluss für mich. Ich will da wieder hin, wenn ich wieder die Chance dazu habe.“ Das habe auch weniger mit dem sportlichen Abschneiden zu tun, mit dem der ehrgeizige Illinger nicht ganz glücklich war, weil er weiß, dass noch mehr gegangen wäre. Es ist eher das Stichwort „Mythos Hawaii“, das ihn nicht in Ruhe lässt – und das Bewusstsein, dass er aus seinem Körper noch gute Leistungen herausholen kann. „Man bewegt sich ja innerhalb seiner Altersklasse“, sagt Fritsch. „Und bei der finish line party um Mitternacht hat man gesehen, dass das Alter wirklich keine Grenzen setzt. Da haben eine Frau mit 74 und ein Mann mit 83 Jahren noch gefinisht.“

Bei den Ausgaben wird die Grenze nur durch das eigene Budget gezogen.

Grenzen beim Ironman auf Hawaii setzt da viel eher der eigene Geldbeutel. „Es gibt da Unterkünfte im Rennhotel, direkt am Pier, für 1600 Euro pro Nacht und Person“, sagt Fritsch. Da wäre sein Budget bereits nach drei Tagen aufgebraucht gewesen, eine ganze Woche vor dem Wettkampf. „Es ist alles sehr, sehr teuer“, berichtet der 51-Jährige. „Aber ist auch wie sonst im Urlaub – bucht man etwas weiter draußen, wird es günstiger.“ Und weil Restaurantbesuche ebenfalls zu den teureren Vergnügen zählten, buchte das kleine Illinger Team – der Athlet, seine Frau und ein Freund – ein Apartment, in dem es sich auch ganz gut selbst verpflegen konnte. „Wir haben immer noch 4500 Euro pro Person gezahlt“, sagt Fritsch. „Aber es war direkt am Meer, und es war Hawaii.“ Außerdem waren Unterkunft & Co. bereits lange Zeit im Voraus gebucht, ehe der coronabedingt verschobene neue Termin feststand. Dass die Ironman-Wettbewerbe in diesem Jahr auf zwei Tage aufgeteilt waren, war ein Novum und ebenfalls den pandemiebedingten Einschränkungen der vergangenen Jahre geschuldet. „Damit waren sehr, sehrviele Leute dort“, sagt Fritsch. „Aber es war trotzdem nicht so überfüllt, wie es prognostiziert worden war. Einkaufen oder essen gehen war problemlos möglich.“

So schnell will der Illinger Ironman noch nicht Schluss machen.

Der Gedanke ans Aufhören, an die einmalige Teilnahme am Ironman von Kailua-Kona als Höhepunkt und zugleich Schlusspunkt, der ist weit weg geschoben. Noch auf Hawaii hat sich Fritsch für den Ironman in Klagenfurt (Österreich) angemeldet, der im nächsten Jahr am 18 Juni stattfindet. „Ende August ist dann der nächste Höhepunkt“, freut sich der Illinger. „Da bin ich bei der Ironman-70.3-Weltmeisterschaft in Lahti dabei.“ Für den Wettbewerb in Finnland hat er sich quasi nebenbei qualifiziert – als er im August in Zell am See den Triathlon vor allem als Vorbereitung auf Hawaii absolviert hat.

Ab Mai stehen mit dem TV Bretten einige kleinere Wettkämpfe an. Und danach? „Die Lust auf Langdistanz-Triathlon ist ungebrochen“, sagt Fritsch. Der Ironman in Klagenfurt ist eine der Möglichkeiten, sich für Hawaii zu qualifizieren.

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