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Kür ist vielen Dressurreitern zu anspruchsvoll

Nur fünf der 15 qualifizierten Teilnehmer gehen an den Start – Abschließendes S*-Springen mit Siegerrunde spannend bis zuletzt

  • Bettina Herdrich vom RFV Münchingen hat auf Get Fuzzy die Dressurprüfung der Klasse L* Kür Kandare gewonnen. Foto: Simecek

    Bettina Herdrich vom RFV Münchingen hat auf Get Fuzzy die Dressurprüfung der Klasse L* Kür Kandare gewonnen. Foto: Simecek

Nur wenig beachtet, haben am Wochenende beim RFZV Nussdorf neben zahlreichen teils spektakulären Springreit-Prüfungen auch einige Dressurprüfungen stattgefunden. Die Kür in der Klasse L war dabei ein bisschen etwas Besonderes und trotz geringer Teilnehmerzahl durchaus einen Blick wert. „Die Kür ist ein hoher Aufwand für den Reiter. Er muss sich eine kreative Darbietung von dreieinhalb bis vier Minuten Länge ausdenken, die passende Musik dazu mischen und dann viel trainieren, damit alles auch zusammenpasst“, erklärt Yvonne Binder vom heimischen RFZV Nussdorf, die eigentlich selbst gern gestartet wäre. Das war jedoch nicht möglich, da ihr Pferd Vincens krank war. Dafür half sie dann eben bei der Noteneingabe mit und stand dem VKZ-Reporter beratend zur Seite. Ganz einfach ist so eine Dressur nicht. In der B-Note für die Choreografie mag man als Laie mit einer Einschätzung durchaus noch richtig liegen, aber wenn es um die Ausführung geht, versteht man oft die Preisrichter nicht. Besonders wird das bei den letzten beiden Teilnehmerinnen des Wettbewerbs deutlich, die am Ende den Sieg unter sich ausmachen. Bettina Herdrich (RFV Münchingen) auf Get Fuzzy wirkt auf den unbedarften Betrachter ein bisschen steif, die Kür ein wenig uninspiriert und nicht so flüssig. Ganz im Gegensatz zu Saskia Edwell (RV Krebsgrund Sinsheim), die mit ihrem zweiten Pferd Dorina als Letzte ins Viereck geht. Und tatsächlich trügt zumindest der ästhetischere Eindruck bei Edwell nicht. Sie bekommt die beste B-Note, fällt aber dank einer eher durchschnittlichen A-Note noch hinter Herdrich zurück. Insgesamt liegt sie um einen halben Punkt hinter der Siegerin. Hier können wohl wirklich nur Pferdesportfachleute beurteilen, warum. Immerhin kann sich Edwell trösten, denn mit Alvarez Junior, mit dem sie gleich als Erste ins Geviert gegangen war, holt sie sich noch einen weiteren Podestplatz, lässt Jessica Greschner (RFV Bönnigheim) auf Charmeur und Mara Lienerth (RFV Bottwartal) auf Don Fredo hinter sich. Dass insgesamt nur fünf Pferde am Start waren, obwohl sich in der Dressurprüfung L für Trense am Samstag eigentlich bis zu 15 für diese Prüfung am Sonntag qualifiziert haben, erklärt Binder mit dem hohen Aufwand. Und dass sich nebenan beim Springreiten deutlich mehr Schaulustige tummeln als bei der Dressur, das sei eigentlich überall so, außer bei den ganz großen Turnieren und bei Olympia, sagt Binder. Tatsächlich finden sich am Nachmittag bei abschließenden S*-Springen mit Siegerrunde rund 300 Pferdefans in Nussdorf ein, während sich gerade mal ein Dutzend, zumeist Familienangehörige, ums Dressurviereck verlieren. Das S*-Springen bietet dann aber auch wirklich beste Unterhaltung und Spannung bis zur letzten Reiterin. Schon im Hauptdurchgang sind es erst die beiden allerletzten Reiter, die die einzigen Null-Fehler-Ritte über die Runde bekommen. Tobias Sawatzki (LRZFV Göbrichen) auf Chayenne und Eva-Maria Lühr (RFV Pfalzgraferweiler) auf Concrue gehen damit als Favoriten in die Siegerrunde. Da setzt aber vor allem mal Volker Hahn (RV Waldenbuch-Hasenhof) auf BL Acina ein Zeichen mit null Fehlern und der mit Abstand schnellsten Zeit. Er muss aber noch auf einen Abwurf bei Sawatzki und Lühr hoffen. Sawatzki tut ihm als vorletzter Starter mit einer eher auf Sicherheit gerittenen Runde den Gefallen nicht. Dass er fast vier Sekunden langsamer als Hahn ist, ist damit ohne Bedeutung. Lühr hat es als letzte Starterin aber noch in der Hand, Sawatzki vom obersten Treppchen zu verdrängen. Bei ihr merkt man von Anfang an, dass etwas mehr Zug in der Runde ist und die Zuschauer halten bis zum letzten Sprung den Atem an. Letztlich bleibt auch sie fehlerfrei und gut eineinhalb Sekunden unter Sawatzkis Zeit. Das S*-Springen wurde also buchstäblich auf den letzten Metern entschieden und sorgte für Begeisterung bei den Pferdesportfreunden rund um den Parcours.
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