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Heute ist der große Tag für Thomas Fritsch

Der Triathlet aus Illingen erfüllt sich seinen Traum vom Ironman auf Hawaii. Um 7.35 Uhr Ortszeit, das entspricht 19.35 Uhr hiesiger Zeit, beginnt der Wettbewerb für seine Altersklasse. Zehn Tage zum Akklimatisieren, Trainieren und Entspannen liegen zu diesem Zeitpunkt schon hinter dem Extremsportler.

  • Unter den Palmen von Hawaii hat Thomas Fritsch in den vergangenen Tagen trainiert, um für den Wettbewerb heute fit zu sein. Foto: privat

    Unter den Palmen von Hawaii hat Thomas Fritsch in den vergangenen Tagen trainiert, um für den Wettbewerb heute fit zu sein. Foto: privat

Triathlon. 3,8 Kilometer Schwimmen, 185 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen – mit 9:35:02 Stunden war Thomas Fritsch der zweitschnellste Mann seiner Altersklasse bei der Triathlon-EM 2021 über die Langdistanz. Und als Vize-Europameister hat er sich für die Teilnahme am Ironman in Hawaii qualifiziert. Heute startet der Illinger in der tropischen Hitze. Damit geht für ihn ein Traum in Erfüllung.

So lange ist es noch gar nicht her, dass er beim Triathlon eingestiegen ist. Doch in wenigen Jahren hat sich Fritsch steil hochgearbeitet. Eine akribische Vorbereitung auf Wettkämpfe gehört für den Vollblutsportler dazu. Das zeigte sich bei der EM in Frankfurt vor einem Jahr, die das Ticket für Kona bedeutete, das zeigte sich aber auch schon bei der WM in Nizza 2020. Da gab es einen ganz speziellen Hügel, der im Mittelpunkt der Radstrecke stand. Fritsch trainierte eisern, fuhr neuralgische Punkte immer und immer wieder ab, wusste genau, wo es gefährlich war und wo er Zeit gutmachen konnte – und er war am Ende mit seiner Leistung absolut glücklich.

Bei 30 Grad um Mitternacht kommt der Schweiß aus allen Poren.

Welche Leistung heute möglich sein wird, ist völlig offen. Doch an der Vorbereitung wird es auch dieses Mal nicht liegen. Während es in der Heimat des Illingers gestern in der Spitze um die 25 Grad Celsius hatte, nachts aber ganz erheblich weniger, schwanken die Temperaturen auf Hawaii ständig um diesen Wert, der bei mitteleuropäischer Luftfeuchtigkeit als Wohlfühltemperatur gilt. „Hier in Kona hat es die ganzen 24 Stunden 25 bis 30 Grad“, berichtet Fritsch von der US-amerikanischen Insel mit ihrer hohen Luftfeuchtigkeit. „Man merkt die Hitze und den Regen. Der Schweiß kommt aus allen Poren.“

Der riesige Unterschied zwischen Illinger Schmuddelwetter der vergangenen Tage und der Tropenhitze von Hawaii war Hauptgrund, warum Thomas Fritsch bereits zehn Tage vor dem Wettbewerb angereist ist. „Bewusst früh zum Akklimatisieren“, sagt der Athlet. Denn die Hitze allein ist es gar nicht, die den gestählten Körper in ungewohnter Weise fordert – die unglaublich große Feuchtigkeit in der Luft kommt noch dazu. „Fast jeden Tag kommt von den Bergen ein Regen rein“, sagt Fritsch über seine bisherigen Erfahrungen. „Wir wohnen hier zweieinhalb Kilometer außerhalb von Kona. Da haben wir Beach Cruiser.“ Doch nach den zweieinhalb Kilometern reicht es auch schon wieder. Thomas Fritsch ist mit seiner Frau Stefanie nach Hawaii geflogen und wird auf der Reise außerdem von Stefan Metzger begleitet, einem Freund. „Die beiden machen die Betreuung für mich“, sagt der Triathlet.

Als das kleine Team nach 24-stündigem Flug am Sonntag (25. September) auf Hawaii ankam, hatte es von Anfang an den Eindruck, in einem wahren Urlaubsparadies gelandet zu sein. Doch zuvor herrschte Anspannung. Von Frankfurt nach San Francisco und nach zwei Stunden Pause weiter nach Kona – es klappte zwar alles wie am Schnürchen, aber garantiert war das nicht. „Das Fahrrad ist im Radkoffer im Gepäckraum mitgeflogen“, sagt Thomas Fritsch über das sperrigste Gepäckstück. „Jedes Mal war die Frage am Gepäckband: Kommt alles, was wir brauchen?“ Es kam.

„Unter den Leuten hier sind viele Sportler“, berichtet Fritsch aus Kona. „Am Anfang waren es nur einige, aber jetzt ist die Insel pickepackevoll. Man sieht nur noch Radfahrer und Läufer. Wenn man hier nicht zum Sport animiert wird, dann nirgends.“ Allerdings ist der Trubel auf der tropischen Insel ähnlich klar definiert wie Tag und Nacht. „Von sechs Uhr morgens bis sechs Uhr abends ist es hell“, sagt der Illinger. „Und dann wird es schlagartig dunkel. Mit der Dunkelheit ist auch der Trubel schlagartig rum.“

Auch in der Vorbereitung des Vize-Europameisters ist mittlerweile die Ruhephase eingekehrt. „In der ersten Woche war ich gleich zum Schwimmen im Meer“, sagt Fritsch. „Das war wichtig, denn im Pazifik zu schwimmen ist ganz anders als im Pool.“ Wellen und Strömungen sollten den Athleten in der Kailua-Bay nicht unvorbereitet treffen. „Dazu habe ich auch meine Rad- und Laufeinheiten gehabt“, sagt er. „Dabei habe ich ganz gezielt Reize gesetzt. Aber dann habe ich auch darauf geachtet, in den letzten Tagen wieder runterzukommen.“

Eine Radpanne bremst den Illinger nur kurzzeitig aus.

Als Fritsch in der Nacht zu gestern aus Kona für die VKZ zu sprechen war, berichtete er: „Ich werde gleich noch eine kleine Installationsfahrt machen, weil mein Rad bei einer Ausfahrt seinen ersten Platten hatte und danach im Service war.“ Eine 30-Minuten-Runde hatte er vorgesehen, anderthalb Tage vor dem Wettkampf. „Außerdem will ich noch einen lockeren Fün-Kilometer-Lauf machen“, ergänzte er. „Danach ist es an der Zeit, die Beine hochzulegen und mich zu erholen. Denn jede Bewegung hier zieht Körner und macht müde.“

Umso aktiver war er in den vergangenen Tagen. Beim Schwimmen ging es ihm beispielsweise nicht nur darum, das Schwimmen im Pazifik kennenzulernen. „Ich wollte die Rahmenbedingungen kennenlernen, so wie sie beim Wettkampf auch sind“, sagt er. „Also war ich um 7.30 Uhr im Wasser. Wie ist der Tagesrhythmus, wo steht um diese Zeit die Sonne?“ Vier, fünf Mal war er im Wasser, wenn auch nicht für die volle Distanz wie im Wettbewerb. Ähnlich war es beim Laufen. Und bei der Radstrecke legte Fritsch viel Wert darauf, den Wendepunkt zu erreichen. „Da sind die Winde ganz extrem“, wusste er aus Berichten anderer Sportler, die sich jetzt mit seinen eigenen Erfahrungen decken. „Und es gibt extrem gefährliche Seitenwinde. Es war wichtig, dass ich das auch selbst sehe.“

Eine längere Vorbereitungszeit vor Ort wäre kaum noch zu bezahlen.

Mit seinen zehn Tagen für die Vorbereitung direkt vor Ort sieht sich Thomas Fritsch gut aufgestellt. „Natürlich wäre es besser, sich länger als zehn Tage zu akklimatisieren“, sagt er. „Aber man kann es einfach nicht bezahlen. Und als Nicht-Profi hat man auch nicht die Zeit dazu.“ Immerhin soll es nach dem Wettbewerb noch für ein paar Tage Urlaub reichen – im Urlaubsparadies angekommen ist der Illinger mit seinen Begleitern ja längst.

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