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Die Jüngsten sind die Größten

Die Formationen Lil Fam bei den Minikids und Pirates bei den Kids sichern sich bei den deutschen Hip-Hop-Meisterschaften des DAT den Titel. Kings’n Queens werden in der Ü 30 Dritte. Und Fame bei den Juniors 1 sowie On Fleek bei den Adults gewinnen die A-Reihe.

  • Die Formationen Lil Fam (kniend) und Pirates (stehend) von der Dance Company Vaihingen freuen sich über die Titel bei der Hip-Hop-DM bei den Minikids und den Kids. Foto: privat

    Die Formationen Lil Fam (kniend) und Pirates (stehend) von der Dance Company Vaihingen freuen sich über die Titel bei der Hip-Hop-DM bei den Minikids und den Kids. Foto: privat

  • Die Bronzemedaillengewinner Kings’n Queens haben bei der DM vielleicht den meisten Spaß. „Es gab unter den Gruppen kein Konkurrenzdenken“, sagt Übungsleiterin Sabrina Kienzle. Foto: privat

    Die Bronzemedaillengewinner Kings’n Queens haben bei der DM vielleicht den meisten Spaß. „Es gab unter den Gruppen kein Konkurrenzdenken“, sagt Übungsleiterin Sabrina Kienzle. Foto: privat

Tanzen. „Von solchen Ergebnissen hat man zu Beginn der Saison noch nicht mal zu träumen gewagt. Ich bin richtig stolz“, freut sich Sabrina Kienzle, die Inhaberin der Tanzschule Dance Company in Vaihingen. „Vor allem auch, weil wir Corona durchgehalten haben – trotz der vielen Rückschläge wie beispielsweise Trainingsausfällen, weil Tänzerinnen und Tänzer nicht da waren. Wir mussten wirklich die Zähne zusammenbeißen. Und es war eine emotionale Berg- und Talfahrt, ob überhaupt irgendwelche Wettkämpfe und Meisterschaften stattfinden.“ Das Durchhalten und die viele Arbeit haben sich nun aber ausgezahlt. Bei den deutschen Hip-Hop-Meisterschaften des Deutschen Amateur Turnieramts (DAT) in Neuenstadt an der Weinstraße sahnten die Formationen der Dance Company richtig ab. Lil Fam bei den Minikids und die Pirates bei den Kids sicherten sich jeweils den Titel. Bronze ging an Kings’n Queens in der Altersklasse Ü 30. Und Fame bei den Juniors 1 sowie On Fleek bei den Adults gewannen jeweils die A-Reihe, sozusagen das B-Finale.

Doppelsiegerehrung bei Minikids und Kids bringt emotionalen Ausnahmezustand

Richtig emotional wurde es bereits am ersten Tag der Formationswettbewerbe. Kurz hintereinander wurde erst verkündet, dass Lil Fam bei den Minikids und die Pirates bei den Kids jeweils ganz oben auf dem DM-Podest stehen. „Bis zur Siegerehrung war es richtig spannend. Man konnte wirklich nicht einschätzen, wie man abgeschnitten hat. Die anderen Formationen waren in beiden Altersklassen auch richtig gut“, berichtet Kienzle. Doch als sowohl Lil Fam als auch die Pirates jeweils als Letztes auf die Bühne geholt wurden, gab es kein Halten mehr. „Für viele Tänzerinnen war es die erste deutsche Meisterschaft. Da sind wieder jede Menge Tränen geflossen“, erklärt Kienzle. „Und bei denjenigen, die schon bei Titelkämpfen angetreten sind, war die Erleichterung zu spüren. Bisher hatten sie es noch nicht auf Platz eins geschafft. Das war herzzerreißend.“

Die zehn Mädchen von Lil Fam mussten sich gegen vier andere Formationen bewähren, die teils deutlich größer waren. „Und mehr Tänzer auf der Bühne machen gleich viel mehr her“, erklärt Kienzle. Doch die Vaihinger Gruppe hat „mit toller Energie getanzt und viel Kraft gezeigt. Auch die Bilder haben die Mädels super gestanden – auch wenn sie in der Sichtungsrunde noch ein bisschen unsicher waren. Da hat die eine oder andere auch mal das Bein verwechselt. Aber ganz wichtig: In den Gesichtern hat man gesehen, dass sie Spaß haben“, berichtet Kienzle. Und das wurde gewürdigt. „Es war aber auch ein hartes Stück Arbeit. Umso schöner ist es nun, so einen Erfolg einzufahren“, sagt die Dance-Company-Übungsleiterin. „Und es hat den Kindern das Gefühl gegeben, wir haben zwar viel und hart gearbeitet, was nicht immer Spaß gemacht hat. Aber wir haben uns dafür belohnt.“

Auch die Pirates brachten „eine schöne Energie auf die Bühne“, erzählt Kienzle. „Und die Mädels haben es geschafft, wirklich aus sich herauszugehen. Sie haben auch emotional etwas rübergebracht. Und sie haben die Bilder schön synchron gestanden.“ Da habe wie bei den Jüngsten die Erfahrung von den süddeutschen Hip-Hop-Meisterschaften der Deutschen Tanzlehrer- und Hip-Hop-Tanzlehrer Organisation (DTHO) geholfen. „Damals war alles ganz neu. Teilweise hatten die Mädels richtig Angst – sie waren käsweiß im Gesicht. Jetzt hatten sie viel mehr Sicherheit und Souveränität“, erklärt Kienzle. Dennoch lautete das erste Etappenziel, sich unter den insgesamt zwölf Formationen zumindest für die Masterreihe zu qualifizieren. Doch schon nach der Sichtungsrunde war zu erahnen, dass vielleicht sogar ein großer Wurf gelingen könnte. „Trainerkollegen haben in der Pause die Leistung gewürdigt. Unsere Show hätte wirklich Emotionen geweckt“, berichtet Kienzle. Das sahen auch die Kampfrichter so und bewerteten die Pirates am besten.

Die größte Überraschung landeten aber wahrscheinlich Kings’n Queens. „Das Projekt ist ja eigentlich aus einem Spaß heraus entstanden. Zwar hatten wir schon das Ziel, bei der DM zu starten. Denn wir wollten einen Wettkampf haben, auf den wir hinarbeiten konnten. Doch zu Beginn der Saison habe ich nicht gedacht, was daraus bis jetzt entstanden ist. „Denn irgendwann hat uns richtig der Ehrgeiz gepackt.“ Anders als bei der süddeutschen Meisterschaft der DTHO kam bei den nationalen Titelkämpfen des DAT eine Altersklasse Ü 30 zustande – sogar mit insgesamt acht Formationen, von denen vier das Ticket für die Masterreihe lösten. Dort war eine Gruppe, die deutlich vor den anderen lag. „Die Siegergruppe hatte 28 Tänzer, davon fünf Männer. Sie haben viel Partymusik aus den 1980er und 1990er Jahren in ihre Choreografie eingebaut. Das war richtig cool“, erklärt Kienzle und ergänzt: „Die anderen Formationen waren zwar sehr unterschiedlich“, aber alle in etwa auf einem Niveau.

Bewertung sagt manchmal nichts über die tänzerische Leistung

Noch wichtiger für die Dance-Company-Inhaberin als das nackte Ergebnis war der Zusammenhalt zwischen den Gruppen. „Man musste durch eine Umkleidekabine auf die Bühne und durch die andere wieder runter. Da wurde man jeweils angefeuert oder gefeiert. Es hab kein Konkurrenzdenken“, berichtet Kienzle.

Bei den beiden anderen Formationen aus Vaihingen war dagegen zunächst die Enttäuschung groß. Weder Fame bei den Juniors 1 noch On Fleek bei den Adults schafften es in die Masterreihe. „Dennoch können alle stolz auf sich sein. Sie haben so viel Arbeit reingesteckt. Und manchmal liegt man einfach mit dem Thema der Choreografie auch ein bisschen daneben“, erklärt Kienzle. „Das sagt aber nichts über die tänzerische Leistung.“

On Fleek musste dazu noch mit einem Handicap antreten. Am Tag vor den Meisterschaften fiel eine Tänzerin aus, weil sie sich in Quarantäne begeben musste. „So kurzfristig kann man nichts mehr umstellen. Die Gefahr, dass dann Schritte in die Hose gehen, ist zu groß“, berichtet Kienzle. „Deshalb hat On Fleek mit einem Loch getanzt.“

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