Leichtathletik. So viele Laufveranstaltungen gibt es an keinem anderen Tag im Jahr. In Deutschland finden über 100 Silvesterläufe statt, mehr als zehn davon in Baden-Württemberg. Auch in Bietigheim gehört die Stadt am letzten Tag des Jahres, nämlich am Mittwoch ab 14 Uhr, den Läufern. Der zuschauerfreundliche Zwei-Runden-Kurs mit Moderation auf dem Marktplatz sowie Musik entlang der Laufstrecke pusht die Athleten auf den letzten Metern des Jahres. Über die Jahre hat sich der Bietigheimer Silvesterlauf zu einem besonderen Spektakel entwickelt, das weit über die Grenzen der großen Kreisstadt hinaus bekannt ist. Der diesjährige Silvesterlauf verzeichnet einen enormen Zuspruch. So ist die Marke von 4000 Teilnehmern zum ersten Mal in der Geschichte des Silvesterlauf schon vor dem Start erreicht.
Da das Teilnehmerlimit bereits erreicht ist, sind keine Anmeldungen mehr möglich
Um die Qualität der Veranstaltung und die Sicherheit aller Teilnehmer zu gewährleisten, werden keine weiteren Anmeldungen mehr entgegengenommen. Gespannt darf man sein, wer dieses Jahr als Erster nach 10,5 Kilometer unterm Viadukt ins Ziel einläuft. Neben den vielen Freizeitsportler sind auch wieder eine Reihe nationaler Topathleten am Start.
Bei den Männern trägt Simon Boch (LG Telis Finanz Regensburg) zurecht die Startnummer eins. Sechs Starts, sechs Siege. Wenn der Regensburger in Bietigheim an den Start ging, gewann er stets den Silvesterlauf. Nach einer langwierigen Hüftverletzung meldete sich der 31-Jährige erfolgreich zur Herbst-Laufsaison als Deutscher Meister über die Zehn-Kilometer-Distanz zurück. Seine gute Form bestätigte der Läufer beim international besetzten Zehn-Kilometer-Rennen in Berlin, das er in 28:17 Minuten gewann und sich damit in der deutschen Jahresbestenliste auf Rang drei schob. Zuletzt bereitete sich Boch in Kenia auf den Marathon vor. Mit Erfolg. In Valencia durfte er sich in 2:08:55 Stunden über eine neue Bestzeit und das Erreichen der Norm für die Leichtathletik-EM 2026 freuen.
Zahlreiche Top-Athleten geben sich die Klinke in die Hand
Die Konkurrenz führt Jona Bodirsky (TSV 05 Rot) an, der sich dank Sportförderung in der USA zum Topathlet entwickelt hat. Bei den Deutschen Meisterschaften über zehn Kilometer errang er mit 28:50 Minuten eine neue persönliche Bestzeit. Beim Halbmarathon in Kopenhagen verbesserte der 24-Jährige ebenfalls seine eigene Bestmarke. Mit seiner Zeit von 1:02:59 Stunden platzierte er sich in den Top Ten der DLV- Jahresbestenliste. Den Halbmarathon in Köln gewann Bodirsky, verfehlte mit 1:03,11 Stunden den Streckenrekord sowie seine persönliche Bestzeit nur um Sekunden.
Zum Kreis der Favorit zählt Jan Lukas Becker (TSV Bayer 04 Leverkusen). Der Saarländer gewann den letztjährigen Silvesterlauf in Saarbrücken. Danach drückte er der Rheinzaberner Winterlaufserie seinen Stempel auf. Der 31-Jährige unterbot erstmals mit 59:42 Minuten auf der 20-Kilometer-Distanz die Marke von einer Stunde. Beim Paderborner Osterlauf gelang es dem Läufer in 28:36 Minuten nicht nur seine Zehn-Kilometer-Straßenbestzeit zu brechen, sondern er stellte auch einen neuen Vereinsrekord auf. Ende Oktober folgte ein weiteres sportliches Highlight. Beim Frankfurt Marathon überquerte Becker nach 2:13,33 Stunden, in neuer persönlicher Bestzeit und als drittbester Deutscher, die Ziellinie.
Markus Gröger und Kurt Lauer am Start
Markus Görger (LG Region Karlsruhe) ist im Gelände „zu Hause“. Der 27- jährige Athlet sorgt immer wieder für Einzel- und Teamgold bei den Deutschen Cross-Meisterschaften. Sein Talent trug ihn 2022 bis zur Vizeweltmeisterschaft bei der Studenten-WM. Mit einem Triumphlauf im November machte Görger seinen Gold-Hattrick bei den Deutschen Cross-Meisterschaften perfekt. Nach 2023 und 2024 sicherte sich der Karlsruher den DM-Titel bei den Männern und nahm an den Cross-Europameisterschaften teil. Mit 28:53 Minuten über zehn Kilometer lässt er es auch auf der Straße ordentlich krachen.
Mit Kurt Lauer (VfL Sindelfingen) präsentiert sich ein Athlet aus der Region, der sich als Hindernisläufer einen Namen gemacht. Sein bisher größter Erfolg ist der fünfte Platz über die Distanz von 3000-Meter-Hindernis bei den U 20-Europameisterschaften 2021. Bei den deutschen Cross-Meisterschaften im November sicherte sich der 22- Jährige den Titel in der U 23- Altersklasse. Zudem schlug sich der Möglinger auch auf der Straße ausgezeichnet. In 29:22 Minuten wurde er U 23 Vize-Meister über die zehn Kilometer.
Auch der Oberriexinger Triathlet Julian Großkopf zählt zu den Favoriten
Eine Platzierung unter den besten fünf peilt Julian Großkopf (LAZ Ludwigsburg) an. Der Lokalmatador aus Oberriexingen gewann den Bietigheimer Fackellauf und blieb als einziger mit 29:47 Minuten unter der Marke von 30 Minuten. Den Halbmarathon in München beendete der 25-Jährige in 1:05,34 Stunden auf dem dritten Platz. Damit nimmt Großkopf eine Top-20 Platzierung in der aktuellen DLV-Bestenliste ein. Einen starken Auftritt zeigte der Masterstudent in Luft- und Raumfahrttechnik beim Marathon in Valencia, wo er mit 2:18,33 Stunden seine persönliche Bestzeit im Marathon um fast drei Minuten verbesserte. Dabei startete die Saison alles andere als gut. Bei seinem Debüt als Profi- Triathlet war er vom Rad gestürzt und hatte sich den Arm gebrochen.
Bei den Frauen hat Eva Dieterich aus Tübingen gute Chancen
Das Rennen der Frauen verspricht ebenfalls spannend zu werden. Nach der Absage von Hanna Klein (LAV Stadtwerke Tübingen) rückt ihre Teamkameradin Eva Dieterich in die Favoritenrolle. Dieterich begann die Saison mit einem sensationellen Rennen bei der Straßenlauf-EM. Die LAV-Athletin holte über zehn Kilometer auf der Straße die Silbermedaille. Sie verbesserte dabei ihre Bestzeit um mehr als 20 Sekunden auf 31:25 Minuten. Die zweite Silbermedaille folgte bei den Deutschen Meisterschaften im 10 000 Meter-Lauf. Auch in diesem Rennen lief die Tübingerin in 31:45 Minuten eine neue persönliche Bestleistung. Es folgte ein vierter Platz beim Europacup über 10 000 Meter auf der Bahn und die Berufung vom DLV ins Team für die WM in Tokio.
Verhindert Melina Wolf einen Tübinger Doppelerfolg?
Ebenfalls gute Chancen ganz vorne dabei zu sein hat Lisa Merkel (LAV Stadtwerke Tübingen). Die 22-Jährige konnte bei der Straßenlauf-EM in Belgien ihre Verletzungsserie vom Winter hinter sich lassen und gewann mit dem Team die Silbermedaille. Noch erfolgreicher lief es bei den deutschen Meisterschaften über 10000 Meter. Mit persönlichen Bestzeit von 31:46,53 Minuten kam die junge Athletin bei den Frauen auf Platz drei und holte zudem den deutschen Meistertitel in der U 23.
Einen Tübinger Doppelerfolg dürfte Melina Wolf (LG Region Karlsruhe) verhindern wollen. Die Vorjahresdritte erzielte bei den baden-württembergischen Meisterschaften über zehn Kilometer eine herausragende Leistung. Sie erreichte den zweiten Platz und schaffte es erstmals unter der 33-Minuten-Marke zu bleiben. Mehr als zehn DM-Medaillen befinden sich mittlerweile in ihrer Sammlung. Gekrönt wurde ihre bisherige Karriere 2024 durch die Traumzeit von 2:27:34 Stunden beim Berlin-Marathon und einem Platz in den Top 20 der deutschen Bestenliste.
Die Berlinerin Deborah Schöneborn wurde im Jahr 2024 Zweite
Mit Deborah Schöneborn geht eine schnelle Marathonläuferin (Marathon-Team Berlin) an den Start. Mit einer Bestzeit von 2:24:54 Stunden gehört Schöneborn zu den Schnellsten in Deutschland. Jüngst gewann die 31-Jährige den Marathon in Essen. Auch auf der kürzeren Strecke war „Debbie“, wie die Sportlerin liebevoll genannt wird, erfolgreich und gewann den diesjährigen Berliner Frauenlauf. Im Vorjahr erreichte die Berlinerin den zweiten Platz beim Bietigheimer Silvesterlauf. Rabea Schöneborn (Marathon-Team Berlin) muss verletzungsbedingt auf einen Start verzichten, betreut aber ihre Schwester in Bietigheim. red
Rund um den Silvesterlauf
Start: Um 14 Uhr erfolgt der Startschuss bei der Sporthalle am Viadukt durch den Schirmherr und Oberbürgermeister Jürgen Kessing.
Anmeldungen: Da das Teilnehmerlimit erreicht ist, sind keine Anmeldungen mehr möglich.
Siegerehrung: Die Siegerehrungen finden ab circa 15.15 Uhr vor der Halle am Viadukt statt.
Immerläufer: Peter Bäuchle (Nonplusultra Esslingen) ist „ein Mann der ersten Stunde“. Er war beim der Premiere 1981 am Start und lief bei allen Silvesterläufe erfolgreich ins Ziel. Auch für die 43. Auflage hat sich der heute 72- Jährige wieder in die Teilnehmerliste eingetragen. Damit ist der Esslinger der einzige Silvesterläufer der bei allen Veranstaltungen erfolgreich dabei war.
Entwicklung: Bei der Premiere des Bietigheimer Silvesterlaufs im Jahr 1981 nahmen 345 Läufer teil. Aus bescheidenen Anfängen ist inzwischen eine große Veranstaltung geworden. 4000 Athleten gehen dieses Jahr an den Start. Unter dem Motto „Happy Running“ liefen bei den vergangenen 42 Veranstaltungen über 97 000 Sportler durch das Ziel am Viadukt. Am Silvesternachmittag wird die Schallmauer von 100 000 Finisher durchbrochen.

