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Stürmer-Wechsel kommt zur Unzeit

Der Last-Minute-Abgang von Torjäger Konstantinos Markopoulos zum Oberligarivalen SGV Freiberg sorgt beim FSV 08 Bissingen für Kopfschütteln. Dabei war es ein Abschied mit Ansage.

  • Der Wechsel von Konstantinos Markopoulos (links) zum Ligakonkurrenten SGV Freiberg reißt beim FSV 08 Bissingen eine Lücke. Foto: Baumann

    Der Wechsel von Konstantinos Markopoulos (links) zum Ligakonkurrenten SGV Freiberg reißt beim FSV 08 Bissingen eine Lücke. Foto: Baumann

Fußball. Eine Woche, bevor die Fußball-Oberliga Baden-Württemberg in die Rückrunde startet, wirkt noch eine Personalrochade nach. Am sogenannten Deadline Day, dem letzten der Wechselperiode im Winter, überschlugen sich die Ereignisse, die frei nach dem Motto „Der größere Fisch frisst immer den kleineren“ betitelt werden können. Doch was war geschehen? Zunächst hatte der Regionalligist SG Sonnenhof Großaspach die Verpflichtung von Torgarant Dominik Salz vom Oberligisten SGV Freiberg bekanntgegeben. Nur kurz darauf drehte sich das Winterwechselkarussel munter weiter und der SGV vermeldete seinerseits den Transfer von Angreifer Konstantinos Markopoulos vom Ligakonkurrenten und Nachbarn FSV 08 Bissingen.

Besonders pikant an der Geschichte: Aspach hatte ursprünglich Markopoulos verpflichten wollen, am Ende jedoch einen Korb bekommen. Beim Überraschungs-Coup der Nullachter im WFV-Pokal Anfang August des vergangenen Jahres gegen Sonnenhof hatte der 29-Jährige bei den Verantwortlichen des Dorfclubs offenbar mächtig Eindruck hinterlassen. Der Grieche hatte beim 3:2-Sieg des FSV alle drei Treffer für die Bissinger erzielt.

Die Nullachter hatten Markopoulos im Sommer 2020 vom griechischen Zweitligisten AO Kavala, seit einigen Wochen Club des Ex-Herthaners Patrick Ebert, nach Bietigheim gelotst. Noch zwei Jahre zuvor hatte das Portal transfermarkt.de den Marktwert des Stürmers auf 250 000 Euro taxiert. Es war ein Transfer, der schon damals mannschaftsintern nicht nur auf positives Echo gestoßen sein soll, schließlich dürfte der torgefährliche Grieche nicht zum Nulltarif zum FSV gewechselt sein.

Dass Markopoulos nun noch einmal eine – sicher gut dotierte – Herausforderung beim wahrscheinlichen Aufsteiger aus Freiberg sucht, ist dennoch legitim. Doch über das Wie ist man beim FSV alles andere als erfreut, zumal es den Torjäger zum großen Rivalen zieht. „Wir sind brutal enttäuscht von dem Spieler, da er erst im Sommer seinen Vertrag bis 2023 verlängert hatte und uns nun erst Mitte Januar von seinem Wechselwunsch erzählte“, sagt Bissingens Sportlicher Leiter Oliver Dense. Wie es besser geht, verdeutlicht das Beispiel Filimon Gerezgiher. Der Flügelflitzer hatte es im Januar eine Woche lang als Probespieler beim Regionalligisten VfB Stuttgart II versucht, ohne dass am Ende jedoch eine Verpflichtung zustandegekommen war. Doch anders als Markopoulos hatte der 21-Jährige seine Wechselabsichten dem FSV gegenüber sauber kommuniziert.

Am 17. Januar war der Oberligist in die Vorbereitung gestartet. Schon da hatte Markopoulos gefehlt. Er habe sich nicht mehr in der Lage gefühlt, weiter für den Club zu spielen, hatte der Stürmer nur einen Tag vor Trainingsbeginn verkünden lassen, heißt es aus Vereinskreisen. Nach der endgültigen Verabschiedung des mit insgesamt 13 Saisontreffern torgefährlichsten Angreifers in der mannschaftsinternen Whats-App-Gruppe, soll selbst seine Fahrgemeinschaft, mit der der Grieche vier Mal wöchentlich aus Leonberg zum Training anreiste, aus allen Wolken gefallen sein.

Dabei hätte den Bissingern eigentlich der Fall des Kroaten Matej Cosic als abschreckendes Beispiel dienen können. Nach nur einer Saison hatte der fest eingeplante defensive Mittelfeldspieler im vergangenen Jahr nach einem ausgedehnten Heimaturlaub die Vorbereitung zunächst sausen lassen und dann trotz eines Zwei-Jahres-Vertrags sein Glück in der zweiten kroatischen Liga versucht.

In Freiberg freut man sich dennoch über den Salz-Ersatz. „Wir hatten Kosta schon länger auf dem Schirm. Er hat in der Oberliga seine Qualitäten schon unter Beweis gestellt – und diese passen sehr gut zu unserer Spielweise“, sagt SGV-Coach Evangelos Sbonias über den Transfer.

Während die Freiberger neben Markopoulos auch noch den erst 17-jährigen Antonio Babic aus der U 19 der Stuttgarter Kickers für die Offensivabteilung nachverpflichteten, ist der 08-Angriff deutlich dünner besetzt. Vor allem auch, weil Roman Kasiar mit Kniebeschwerden zuletzt ausgefallen war. „In dieser Woche konnte er das Knie schon wieder etwas belasten“, verrät FSV-Coach Markus Lang. Für Lang ist das Kapitel Markopoulos dagegen abgehakt. „Mir geht es immer ums Team, nicht um einzelne Spieler. Natürlich können wir Kosta nicht adäquat ersetzen, aber als Team werden wir durch seinen Weggang nur noch enger zusammenrücken.“

Der 45-Jährige setzt dabei große Hoffnungen in eine baldige Rückkehr von Kasiar: „Wenn er gespielt hat, hat Roman eine beeindruckende Quote.“ Auch Kapitän Marius Kunde dürfte in der Rückrunde wieder weiter nach vorne rücken, um mehr Zug zum Tor zu bekommen. Ansonsten bleiben für die Abteilung Attacke nur noch der in dieser Saison erst ein Mal erfolgreiche Pascal Hemmerich sowie Nachwuchskraft Luis Weber, der mit 22 Saisontoren die Bezirksliga-Torschützenliste klar anführt. „Pascal hat über Jahre bewiesen, dass er es kann. Luis muss sich dagegen erst an das Oberliga-Niveau gewöhnen“, sagt Lang über seine Optionen.

Auf nur noch vier Punkte ist der Vorsprung der Nullachter auf die Abstiegsränge geschmolzen. Und statt noch lange nach oben zu schielen, geht der Blick beim FSV, der zwischendurch mal die Tabelle angeführt hatte, nur noch nach unten. „Wir dürfen zum Auftakt nicht in eine Negativspirale kommen“, sagt Lang, dessen Team inklusive der Vorbereitung seit mehr als drei Monaten auf einen Sieg wartet.

Doch damit nicht genug der Hiobsbotschaften: Nach einem Innenbandriss im Training fällt Innenverteidiger Pierre Williams für den Rest der Saison aus. skl

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