Fussball. Für den TSV Benningen war das Pokalfinale des Fußballbezirks Enz/Murr ein gelungenes Fest. Er stellte nur den Rasen, die Ordner und die Würstchenbuden. Dass zur ausgelassenen Stimmung am Neckarufer in erster Linie die Verlierer des Pokalfinales beitrugen – geschenkt. Für den TSV Ensingen, vor allem aber für seine Schlachtenbummler, war allein die Tatsache, im Finale zu stehen, der Grund für ein riesiges Fest. Fast die Hälfte der gut 700 Zuschauer kamen aus Ensingen, entsprechend groß und laut war der schwarz-gelb gehaltene Fanblock des B-Ligisten. Das Ergebnis von 0:7 (0:3) war da eher Nebensache.
Welche Bedeutung das Pokalfinale in Ensingen hatte, bewies schon die Tatsache, dass für diesen Anlass gleich drei Reisebusse gechartert wurden. „Das ist völlig unabhängig von der Mannschaft organisiert worden“, berichtet TSV-Trainer Siegfried Blum. „Vor allem Steffen Lohfink hat sich darum gekümmert. Es gab einen Mannschaftsbus für die Spieler der ersten und zweiten Mannschaft und das direkte Umfeld. Und es gab zwei Fanbusse.“ Wann immer gestern in Benningen Remmidemmi war, dann kam es aus dem Ensinger Fanblock. Und dem war es auch reichlich egal, dass seine Pokalhelden zur Pause mit 0:3 und am Ende mit 0:7 hinten lagen – gefeiert wurde trotzdem.
In sportlicher Hinsicht war Blum, dem scheidenden Erfolgstrainer des B-6-Tabellenführers, schon nach wenigen Minuten klar, wohin die Reise wohl gehen würde. „Das 0:1 kam zu früh“, analysiert er schon kurz nach dem Abpfiff. „Und wenn man hinten liegt und ausgleichen will, dann hat sich das gegen so eine Mannschaft nicht hinbekommen lassen.“ Dass die Ensinger Spielfreude zeigten, spielte ihren Gegnern nur in die Karten. Doch zunächst mussten sie noch ihr Visier einstellen. Als Vasilios Tsouloulis in der 11. Minute von links abzog, hatte TSV-Torwart Lukas Lohfink den Ball sicher. Drei Minuten später verzog Patrick Kempf von der rechten Seite weit übers Ensinger Tor. Doch nach einer Ecke in der 19. Minute war es soweit. Der Ball segelte an allen vorbei, Ensinger wie Bissinger, aber kurz vor dem zweiten Pfosten stand Luis Weber, der mit dem Kopf zum 1:0 einnickte. Im Gegenzug zeigte sich aber auch Ensingen brandgefährlich vor dem Tor. Kevin Steinl trug den Angriff vor, spielte zurück in die Mitte, doch die mitgelaufenen Mannschaftskameraden brachten den Ball nicht im Tor unter. In der 22. Minute fiel schon das 2:0, als Serhat Okur eine Vorlage von Lukas Schulz verwandelte. Beim nächsten Angriff von Weber schnappte sich Schlussman Lohfink den Ball sicher. Auf der anderen Seite kam Dominik Urbani auch nicht durch, sondern sein Sololauf endete am Sechzehner. Ein Bissinger Befreiungsschlag wurde von Okur per Kopf noch weiter nach vorne verlängert, so dass Weber ohne Probleme auf 3:0 erhöhte (30.). Schulz verpasste es knapp, mit einem Kopfballtor auf 4:0 zu stellen, und der TSV Ensingen bekam einen vehement geforderten Handelfmeter nicht (40.).
Sechs Minuten nach Wiederanpfiff war Ensingens Torwart Lohfink erneut überwunden, Weber ließ den Ball zum 4:0 ins Tor kullern. Statt des 5:0 witschte der Ball in der 60. Minute Okur nach Zuspiel von Vasilios Tsouloulis durch die Beine. Im Gegenzug hatte der TSV eine Doppelchance, erst durch Robin Carta, der den Angriff über links vorgetragen hatte, dann durch Dominik Urbani, der von rechts ebenfalls Anlauf nahm, aber knapp am Tor vorbei schoss. Dafür trafen für Bissingen II noch Deniz Namdar (68.), Ahmet Köle (79.) und erneut Namdar (88.). Dazwischen fing Keeper Schüler den Ball unmittelbar vor der Torlinie, nachdem Steffen Roßmann abgezogen hatte (69.)
Für das gestrige Spiel hatte Ensingen eine rappelvolle Bank, sogar zwei Ersatztorhüter waren aufgeboten – Pokalfinale ist nicht jeden Tag. „Das wird es so auch nie wieder geben“, sagt Blum. „Der Verein ist jetzt 111 Jahre alt und ist zum ersten Mal im Finale gestanden.“ Und nein, er habe keine Angst, dass die Jungs jetzt ein negatives Erlebnis aus dem Pokal- ins Saisonfinale mitnehmen, betont Blum. „Das haben wir vorher schon besprochen“, sagt er. „Die sollen heute noch feiern. Als Trainer bin ich froh, dass wir aus dem Spiel keine Verletzten haben.“ Am Sonntag gilt es wieder – da wartet der TSV Enzweihingen auf die Ensinger, die in den Bruckenwasen das vielleicht entscheidende Spiel um die Meisterschaft vor sich haben. „Der Aufstieg ist das große Ziel, am Sonntag müssen wir wieder frisch sortiert sein“, sagt Blum.
TSV Ensingen: Lukas Lohfink 22– Markus Lotter, Michael Trautwein (46. Tobias Urbani), Nico Kullmann, Max Lohfink (59. Florian Rother), Steffen Roßmann, Jens Fischer, Kevin Steinl, Paul Kopp (32. Robin Carta), Dominik Urbani (66. Simon Fink), Tobias Häfner.
FSV 08 Bietigheim-Bissingen II: Magnus Schüler – Luka Boljanic (57. Nektarios Tsouloulis), Medin Bulic, Julian Harnoß, Luis Weber (57. Ahmet Köle), Björn Rothkopf, Lukas Schulz, Serhat Okur (71. Tobias Rossmann), Vasilios Tsouloulis (64. Deniz Namdar), Simon Meusel, Patrick Kempf.
Tore: 0:1 Luis Weber (19.), 0:2 Serhat Okur (22.), 0:3 Luis Weber (30.), 0:4 Luis Weber (51.), 0:5 Deniz Namdar (68.), 0:6 Ahmet Köle (79.), 0:7 Deniz Namdar (88.).
Schiedsrichter: Daniel Bechtel, Nicolaj Pietsch und Johannes Schwenger.

