SportFußball

Eine Geschäftsidee

Wenn jemand in England ein Fußballspiel live im Stadion anschauen will, dann muss er mitunter tief in die Tasche greifen. Beim Erstligisten Hull City reichen die Ticketpreise von 16 englischen Pfund (rund 20 Euro) bis 50 Pfund (rund 63 Euro). In Kingston upon Hull, wie die Stadt der Hull City Tigers offiziell heißt, gibt es aber auch eine Alternative, die mehr als kostengünstig ist. Wer zum ersten Heimspiel von Hull United kam, bekam zwei Pfund (rund 2,50 Euro) in die Hand gedrückt. Es ist die neue Geschäftsidee von Jamie Waltham, dem Besitzer von Hull United und gleichzeitig dessen Trainer. Doch wie kam es dazu? Die Fußballmannschaft des Elftligisten St. Andrews aus Walthams Heimatstadt Hull im Nordosten Englands stand kurz vor der neuen Saison vor der Pleite. Die meisten Spiele gingen verloren. Die Spieler waren mutlos. Es hieß, der Verein würde sich auflösen. Das war Walthams Chance. Der 33-Jährige, der nach eigenen Aussagen früher selbst „ganz anständig“ für North Ferribly United Fußball gespielt hat, kauft sich kurzerhand den Club und träumt davon, in Hull ein Experiment zu starten: einen Verein von ganz unten nach ganz oben zu führen – allerdings ohne das Vermögen eines Mäzens. Erste Maßnahme: Er änderte den Namen von St. Andrews in Hull United. Zweite Maßnahme: Vor dem ersten Heimspiel seiner Mannschaft ging er zu seiner Bank und ließ sich 1000 Zwei-Pfund-Münzen auszahlen. Jedem Zuschauer wollte er beim Spiel gegen die Hedon Rangers in der Humber Premier League eine Münze in die Hand drücken. „Wenn 500 Leute kommen, dann zahle ich 1000 Pfund. Denn ich bin überzeugt, dass man manchmal zuerst etwas geben muss, bevor man etwas bekommt“, erklärt Waltham. „Jeder in Hull ist stolz auf das, was Hull City erreicht hat. Aber sich ein Ticket zu leisten, ist nicht für jeden erschwinglich. Deshalb wollen wir die Zuschauer bei uns bezahlen. Wir wollen, dass sie zu unserem Spiel kommen. Vielleicht mögen sie, was sie sehen. Und wenn sie es mögen, kommen sie vielleicht wieder.“ Der Clubbesitzer weiß, dass der Mensch angeblich stets auf den größtmöglichen Vorteil bedacht ist. Doch genau das will er ignorieren. Bei Hull United sollen die Zuschauer künftig selbst bestimmen, was sie zahlen, was ihnen der Fußball wert ist. Indem der 33-Jährige den Fans die Entscheidung überlässt, nimmt er sie gleichzeitig in die Verantwortung. Ob die Mannschaft aufsteigt, hängt auch von ihnen ab. Den 4:1-Sieg im ersten Heimspiel sahen 418 Zuschauer. Jedem drückte der Mann an der Kasse vor dem Spiel eine von Walthams Zwei-Pfund-Münzen in die Hand. Nur 300 nahmen sie allerdings an. Die anderen verzichteten – einige bestanden sogar darauf, trotz des Angebots Eintritt zu zahlen. (nac)
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