Faustball. Die deutschen Faustballer haben das Finale bei den World Games im chinesischen Chengdu gegen Brasilien mit 0:3 (9:11, 5:11 und 5:11) zwar verloren, sind aber mit dem Turnierverlauf dennoch nicht unzufrieden. Die drei Vaihinger Nationalspieler Jakob Kilpper, Jaro und Johannes Jungclaussen kehren daher mit der Silbermedaille in die Heimat zurück.
Schon die ersten beiden Punkte gaben einen ersten Eindruck, was das Spiel für die Zuschauer bereithalten würde. Ein extrem aggressives Zuspiel der Brasilianer, die die Leinennähe mit aller Macht suchten, geriet zu weit und brachte den ersten Punkt für Deutschland. Bruno Arnold, aufseiten Brasiliens, ließ aber ein Ass folgen.
Zwischenzeitlich schnuppert Deutschland am Gewinn des ersten Satzes
So verlief das gesamte Spiel: Brasilien nahm das Heft des Handelns in die Hand und brachte seine beiden Angreifer Bruno Arnold und Gabriel Heck immer wieder in beste Positionen. Auch aus Einzelaktionen wussten die beiden Ausnahmeathleten zu überzeugen. Deutschland gelang im ersten Satz nicht alles, dennoch war man immer in Schlagdistanz und durfte nach einem 5:9 Rückstand auf den Satzgewinn hoffen: Wieder spielten die Brasilianer etwas zu riskant nach vorne. Nach diesem Zuspielfehler punktete Timon Lützow mit einem langen, harten Ball: 7:9. Nachdem Brasilien ein weiteres Zuspiel misslungen war und Deutschland ruhig aufbauen konnte, war Lützow wieder mit einem langen Ball zum Anschlusspunkt erfolgreich und ließ das deutsche Team nochmal hoffen.
Deutschland gegen Brasilien ist auch das Duell zweier Spielphilosophien
In dieser Phase schien es, als wären die Südamerikaner in der ein oder anderen Situation zu verspielt, während Deutschland seine Angriffe nun nüchtern und zielstrebig vortrug. Das Zwischenhoch beendete dann aber Bruno Arnold, der mit der Angabe bei 8:10 den ersten Satzball für Brasilianer holte. Ein leichter Annahmefehler der Südamerikaner brachte Deutschland erneut den Anschluss, doch dann schlug Lützow ins Aus und Brasilien gewann mit 11:9.
Auch im zweiten Satz zeigte sich, dass Brasilien ohne Kompromissbereitschaft das Spiel dominieren wollte. Bruno Arnold startete mit Angabenfehler und Ass, Heck ließ einen Schlagfehler folgen und im darauffolgenden spektakulären Ballwechsel, in dem Lützow und Hartung den ersten Preller akrobatisch verteidigten, einen Traumpunkt erneut per Preller bis auf die Tribüne.
Lützow servierte ins Aus, und Bruno Arnold punktete mit dem nächsten Prellball auf die Tribüne – 2:4.
Die deutschen Coaches reagierten und brachten mit Maximilian Lutz für Timon Lützow eine defensivstärkere Variante, Johannes Jungclaussen rückt auf vorne Links. Mit hohem Risiko servierte der Vaihinger jedoch etwas zu lang. Es folgte ein offener Schlagabtausch zwischen Jungclaussen und den beiden Südamerika-Angreifern.
Vor dem Vaihinger punktete Heck mit starkem Winkel, der Deutsche antwortete mit dem Ass. Ein langer Spielzug entwickelte sich in der Folge und man hatte den Eindruck, dass die beiden Teams seit der Auszeit nun wieder ebenbürtig spielten. Stark verteidigte das deutsche Team gegen den Angriffsdruck der Brasilianer, kam aber nicht in den Aufbau und ging bei einem von unten gespielten Angriff verständlicherweise hohes Risiko – der Ball ging hinten ins Aus – 4:8.
Zahlreiche Punkte gelingen Johannes Jungclaussen mit der Angabe
Auf die aggressiven Zuspiele auf die Leine reagierte Deutschland inzwischen mit einem Blockspieler. Eine solche Aktion brachte den neunten Punkt für Brasilien und ein langer Schlag von Heck den zehnten. Die Südamerikaner quittierten die nun hohe Führung mit dem Wechsel der kompletten Abwehrreihe. Der nächsten Prellball von Bruno Arnold touchierte die Leine, doch der darauffolgende von Heck fand seinen Weg auf die Tribüne.
Oliver Kraut und Tom Hartung kamen zum dritten Satz ins Spiel zurück und mit offenem Visier spielten beide Teams weiter. Bruno Arnold eröffnete mit Ass. Johannes Jungclaussen antwortete seinerseits mit der herausragenden Angabe zum zwischenzeitlichen 1:1. Mit einem Zuspielfehler Deutschlands übernahm Brasilien wieder die Führung, die Jungclaussen erneut mit einem Ass ausglich – so dachten zumindest die Zuschauer, jedoch war dem Deutschen dabei ein Übertritt unterlaufen.
Obwohl sich die deutsche Abwehr stark präsentiert, hält sie am Ende nicht
Gegen die übermächtig angreifenden Brasilianer warfen die Deutschen ihr ganzes Abwehrkönnen in die Waagschale. Welch hohe Qualität dieses hat, bewiesen Maximilian Lutz und Tom Hartung, die gleich zwei Mal hintereinander brasilianische Prellbälle verteidigten. Doch dann setzte sich Heck am Block gegen Jungclaussen durch – 1:4.
Philip Hofmann kam für Lutz, um dem deutschen Team eine weitere Offensivoption zu geben, denn hier musste jede sich bietende Chance genutzt werden. Hofmann musste sich am Block aber erstmal Heck geschlagen geben. Nach Belieben punktete der brasilianische Topstar nun, nachdem er zuletzt sein Können an der Leine unter Beweis gestellt hatte, ließ er nun Hartung ins Leere laufen und punktete druckvoll lang.
Nach der darauffolgenden Coolingbreak eröffnete Hofmann mit einem Ass vor Heck zum 2:6, doch danach spielten nur noch die Brasilianer. Heck und Arnold waren nur noch die spektakulärsten und schönsten Bälle gut genug und nur dem hohen Risiko der Südamerikaner waren die weiteren deutschen Punkte dieses Satzes zu verdanken. Genauso gelangen den beiden, wie im Rausch spielenden, Angreifern allerdings in Leichtigkeit genügend Punkte, um auch den dritten Satz in überlegener Manier zu gewinnen.
Trotz Finalniederlage überwiegt beim deutschen Team der Stolz
Der Mannschaftsbetreuer Lukas Schubert nahm seinen enttäuschten Spielern nach der Partie das Statement zum Spiel ab: „Wir haben eine etwas nervöse und unglückliche Anfangsphase gespielt und die Abstimmung hat nicht gut gepasst. Da wir anfangs nicht den nötigen Druck aus der Angabe entwickelt haben, hatten die Brasilianer die Bälle wie auf dem Silbertablett von uns vorbereitet. Natürlich muss man sagen, dass die Brasilianer heute unglaublich stark gespielt haben und sich den Sieg absolut verdient haben. Dennoch haben wir den Teil des Spiels, den wir beeinflussen konnten, auch nicht so gestaltet wie gewünscht. Da uns die Brasilianer ihrerseits keine Chance zum Atmen gelassen haben, konnten wir uns auch leider nie ins Spiel zurückkämpfen. Brasilien ist der verdiente World Games Sieger, und unsere Jungs haben ein Riesenturnier gespielt, sich in jedes Spiel reingehauen und sich die Silbermedaille absolut verdient.“ red

