Eishockey. Das Ziel, das sich die Bietigheim Steelers vor der Saison gesteckt haben, ist bereits vor dem 47. Spieltag erreicht. Denn da die Konkurrenz im Tabellenkeller noch gegeneinander spielt, ist klar, dass der SCB auch rechnerisch aus der Deutschen Eishockey Liga (DEL) 2 in dieser Spielzeit nicht mehr absteigen kann. Daher konnten die Ellentäler befreit aufspielen und feierten am Wochenende gleich zwei deutliche Siege.
Jubel schon vor dem Anpfiff, weil Tim Schüle seinen Vertrag verlängert
Beim dominanten 7:4-Heimerfolg gegen die Eispiraten Crimmitschau spielte vor allem Marek Racuk Schiffe versenken. Der Tscheche bestätigte seine zuletzt blendende Form mit drei Toren und einem weiteren Assist. Schon vor einer Woche hatte er gegen Bad Nauheim einen Hattrick geschnürt.
Die Steelers mussten aber nicht bis nach dem Eröffnungsbully warten, um das erste Mal zu jubeln. Denn Tim Schüle verkündete vor der Partie, dass er seinen Vertrag bei seinem Jugendclub verlängert hat. Damit bleibt der gebürtige Bietigheimer ein weiteres Jahr dem SCB erhalten. „Die Gespräche über eine Verlängerung waren im Prinzip sehr einfach – ich fühle mich auf dem Eis sehr gut und möchte weiter Eishockey spielen. Da war es für mich logisch, dass ich dies am liebsten bei meinem Heimatverein tun möchte“, sagte Schüle.
Ein Fauxpass der Eispiraten schenkt den Steelers das erste Tor
Doch auch spielerisch dauerte es nicht lange, ehe der Großteil der 3809 Fans in der Ege-Trans-Arena erstmals den Jubelschrei auf den Lippen hatte – dank freundlicher Mithilfe der Eispiraten. Ein eigentlich harmloser Schlag von der Mittellinie landete vor dem Netz des ECP-Goalies Kevin Reich. Der kam weit aus seinem Kasten, um den Puck zu kontrollieren, war sich dann aber wohl nicht mit Verteidiger Ole Olleff einig, wer denn das Hartgummi aus der gefährlichen Zone entfernen sollte. So landete das Spielgerät direkt auf dem Schläger von Tamas Kanya, der problemlos in das leere Tor traf (4. Minute).
Und die Feierstimmung hörte auch danach nicht auf. Kurz nach dem Powerbreak – der SCB in Überzahl – brachte Cole Fonstad einen überragenden Pass quer durch die Crimmitschauer Zone. Am zweiten Pfosten stand Marek Racuk alleine, verlud Reich und schob locker zum 2:0 ein (10.). Der Torschütze musste nach einem Halten vier Minuten später aber für zwei Minuten auf die Strafbank. In dieser Überzahl zeigten sich die Sachsen auch erstmals gefährlich im gegnerischen Drittel. Goalie Olafr Schmidt war aber nach seinem Shut-Out am Sonntag gegen Regensburg weiterhin zuverlässig zur Stelle.
Eine treffsichere Offensive und ein starker Keeper sorgen für Begeisterung
Kurz vor der ersten Drittelpause sorgte er sogar für Standing Ovations und Szenenapplaus. Denn nach einem Abpraller hatte Corey Mackin das gesamte Tor offen, um den Anschluss zu erzielen. Doch Schmidt hechtete sich quer durch seinen Torraum und fischte das sichergeglaubte 1:2 noch vor der Linie weg. „Ich war natürlich glücklich, dass ich ihn gehalten habe“, sagte der Deutsch-Amerikaner nach der Partie, ergänzte aber selbstkritisch: „Große Paraden kommen von Fehlern. Vielleicht muss ich davor in einer besseren Position stehen, dann kommt es nicht dazu.“
Die Gäste, die spielerisch klar schwächer waren als die Steelers, kassierten zum Start des zweiten Abschnitts direkt das dritte Gegentor. Wieder waren Dronia und Racuk beteiligt, wieder war es eher ein Zufallsprodukt. Denn ein Distanzversuch des Polen landete abgefälscht bei Racuk, der direkt vor der Linie einfaches Spiel hatte und sich mit dem zweiten Streich bedankte (22.).
Erst nach einer knappen halben Stunde spielt auch Crimmitschau mit
Nach 28 Minuten gab es dann aber ein Lebenszeichen der Eispiraten. Erst hatte Adam McCormick in doppeltem Powerplay nach gewonnenem Bully an der blauen Linie zentral zu viel Zeit und Platz und nagelte den Puck eiskalt in die Maschen. 38 Sekunden später nutzte Sebastian Streu die weiterhin bestehende Überzahl und stand am zweiten Pfosten sträflich frei – 2:3.
Nach dieser kurzen Schwächephase berappelte sich der SCB aber wieder und trug die Scheibe zum 4:2 förmlich ins Netz. Brett Kemp, Marek Racuk und Mike Fischer vernaschten auf engstem Raum ganz Crimmitschau, spielten drei kurze Pässe durch den Slot und feierten Letztgenannten, der die Scheibe nur noch in die Maschen befördern musste (31.). Doch die Eispiraten hatten jetzt ebenfalls offensives Blut geleckt. So wurde es mehr und mehr zum Schlagabtausch mit offenem Visier. Einzig und allein Schmidt und Reich zwischen den jeweiligen Pfosten verhinderten, dass es mit mehr Toren in die zweite Pause ging.
Marek Racuk beerdigt die Hoffnungen der Eispiraten nach der Pause zügig
Mit frischem Eis und sogar in Überzahl begann der letzte Abschnitt mit einem Momentum zugunsten der Sachsen. Doch Racuk hielt davon nichts, nahm die Scheibe auf, skatete in Richtung des gegnerischen Kastens und versenkte aus halblinker Position präzise zum 5:2. Für den Stürmer war es der 14. Scorerpunkt in den vergangenen sechs Spielen.
Auch Schmidt machte im Schlussdrittel da weiter, wo er zuvor aufgehört hatte. 16 Minuten vor dem Ende parierte er einen Penalty gegen Denis Shevyrin, war dann aber 50 Sekunden später machtlos. Johannes Schmid fälschte einen Schuss aus der Distanz kurz vor dem Goalie noch unhaltbar ab und verkürzte wieder. Beinahe baugleich wurde der 30-Jährige zum vierten Mal überwunden. Nach einer wiederholten überharten Strafe gegen den SCB bekam dieses Mal Philipp Kuhnekath die Kelle zwischen einen Schuss und lenkte das Hartgummi unter die Latte (53.).
In Überzahl bauen die Bietigheimer den Vorsprung weiter aus
Mit dem 4:5 machte es der ECP in der Schlussphase also noch einmal spannend. Als Mike Fischer wohl einen Stock von Ole Olleff zwischen die Beine bekommt, der Crimmitschauer aber nur mit zwei Minuten auf die Strafbank muss, wurde es in der Ege-Trans-Arena richtig laut. Das war den Steelers aber gänzlich egal, die nutzten nämlich auch prompt die zweite Überzahl in diesem Spiel. Kemp verwertete aus kurzer Distanz zum 6:4 (56.) und lieferte damit die Vorentscheidung. Auch Fischer schien keinen Wirkungstreffer davongetragen zu haben. Denn 87 Sekunden vor Schluss traf er zum Endstand in den leeren Kasten des ECP, nachdem Reich vom Eis gegangen war, um noch einmal volles Risiko zu gehen.
„Offensiv war es gut, defensiv durchwachsen. Positiv ist, dass wir sieben Tore geschossen haben. Aber wir müssen besser unser Spiel in der Defensive aufbauen und weniger zulassen“, moniert Coach Dück nach der Partie.
Nur rund 20 Fans aus Bietigheim sehen den Auswärtsauftritt in Weiden
Nur eine Handvoll Steelers-Fans saßen am Sonntagabend in der Hans-Schröpf-Arena in Weiden, wo sich das Team aus dem Ellental deutlich mit 5:2 durchsetzen konnte. Beim Gastspiel der Bietigheimer Eishockey-Männer bei den Blue Devils gab es nämlich einen Fan-Protest der Ultra-Szene des SCB. Das war bereits am Freitagabend beim Heimspiel gegen Crimmitschau angekündigt worden. Grund dafür ist eine Preiserhöhung der Heimspiel-Tickets bei den Weidenern, die während der Saison in allen Kategorien teurer geworden sind. „Support reduzieren wegen hohen Eintrittspreisen“, schrieben die verbliebenen Fans auf einem Spruchbanner in der Kurve.
Daher waren nur rund 20 Anhänger in Grün-Weiß-Blau in der Oberpfalz am Start. Die fuhren aber immerhin mit guten Gefühlen nach Hause. Denn die Ellentäler vergrößerten damit den Abstand auf Rang sieben, der nur die Pre-Playoffs bedeuten würde.
Wieder erweist sich ein Fehler des Gegners als Dosenöffner für die Steelers
Und dabei schlugen sie schon früh zu und nutzten prompt eine Nachlässigkeit der Hausherren. Constantin Vogt vertändelte im eigenen Drittel leichtfertig den Puck, Cole Fonstad schlich sich von hinten an und stibitzte sich das Hartgummi. Alleine vor Goalie Michael McNiven blieb der Kanadier cool und schloss ins lange obere Eck zum frühen 1:0 ab (4.).
Ansonsten kam im ersten Abschnitt aber wenig vor das Tor der Gastgeber. Weiden hatte mehr Scheibenbesitz, die Steelers konzentrierten sich auf die Defensive und ließen nur kurz nach dem Führungstor Neal Samanski zu frei zum Schuss kommen. Schlussmann Olafr Schmidt war aber zur Stelle. Dessen Vorderleute kreierten aber auch nur selten mal eine gefährliche Chance. Mit lediglich 6:3-Schüssen aus Sicht der Blue Devils ging es in die Drittelpause, trotz des kaum vorhandenen Angriffs zeigte sich SCB-Verteidiger Sören Sturm positiv gestimmt: „Ich bin zufrieden, wir führen 1:0. Weiden checkt hart vor, aber wir kriegen die Scheibe gut hinten raus“, gab er in der Pause zu Protokoll.
Eine Schlafmützigkeit der Bietigheimer verhilft Weiden zum Ausgleich
Den Start in den zweiten Abschnitt verpassten die Schwaben aber komplett. Nach zweieinhalb Minuten schalteten die Oberpfälzer vor dem Tor blitzschnell um. Noah Samanski brachte einen überragenden Pass quer durch die eigene und die neutrale Zone zu seinem Bruder Neal. Der 27-Jährige war allein auf weiter Flur, kein SCB-Verteidiger hatte ihn mehr im Blick und so schob der Weidener an Schmidt zum Ausgleich vorbei. Doch Bietigheim berappelte sich, investierte nun mehr nach vorne und nahm McNivens Kasten unter Beschuss.
Mitten in dieser Druckphase war es dann Marek Racuk, der den Aufwand belohnte. Der Tscheche stand bei einem Distanzschuss von Mick Hochreither im Slot. Von dort aus fälschte er den Versuch seinen Verteidigers unhaltbar ab und sorgte für die erneute Steelers-Führung (32.). Wieder schalteten die Gäste aber nach dem Treffer in den Verwaltungs-Modus, wurden vorn wieder fahrig und agierten nicht mehr mit der zuvor gezeigten Konsequenz. Die Quittung gab es drei Minuten vor der Pause in Form des erneuten Ausgleichs. Schon wieder ging es für die Ellentäler zu schnell, Weiden machte Tempo nach vorne und kam durch Maximilian Kolb rechts vor dem Tor an die Scheibe. Der Linksschütze wollte das Spielgerät vor das Tor bringen, doch es rutschte an Freund und Feind vorbei. Auch Schmidt im Netz konnte nicht mehr reagieren. So trudelte das Hartgummi zum 2:2 ins Netz.
Damit aber im zweiten Abschnitt noch nicht genug: 90 Sekunden vor der Drittelpause erarbeitete sich Brett Kemp robust die Scheibe an der Bande, leitete sie ins Zentrum zu Racuk weiter, der dort mit Vollgas in die Maschen traf. In der Folge kochten die Emotionen hoch, Kemp traf erst Calvin Pokorny bei einem langen Pass mit dem Schläger im Gesicht und kam – trotz lauter Proteste der Blue Devils – unbestraft davon. Mit der Pausensirene gerieten Alex Voyer und Racuk aneinander. Von den Schiedsrichtern getrennt wurden beide Parteien in die Kabine geschickt.
Olafr Schmidt verhindert mit starken Paraden den dritten Ausgleich
Zum Schlussabschnitt hatten sich die Gemüter wieder beruhigt und beide Seiten konzentrierten sich auf das Eishockeyspielen. Weiden drückte wieder auf den dritten Ausgleich der Partie, Bietigheim durfte sich mal wieder bei Schmidt bedanken, der sicher stand und die Führung für die Grün-Weiß-Blauen festhielt. „Die Jungs haben super gespielt und hart vor mir gearbeitet“, lobte der Deutsch-Kanadier nach dem Spiel seine Vorderleute.
In der ersten eigenen Überzahl des Spiels rund zehn Minuten vor Ende verpassten es dann Kemp, Racuk, Jack Dugan und Alexander Preibisch allesamt das vierte Tor zu erzielen und zumindest für etwas Beruhigung zu sorgen. Auch sie scheiterten an McNiven oder dem eigenen Schusspech. Die Unterzahl schien den Oberpfälzern aber einige Körner gekostet zu haben. Denn fortan setzte sich Bietigheim immer öfter vorne fest und ließ Weiden selten zur Entlastung kommen.
So fanden die auch in eigener Überzahl wenig später nicht zu Lösungen. Stattdessen fand erst Tim Schüle von hinter dem eigenen Tor den Weg ins verwaiste EVW-Netz. Denn rund zwei Minuten vor Schluss war McNiven schon vom Eis, die Brechstange sollte her. Doch das ging nach hinten los. Der Routinier stellte auf 4:2. Auch Racuk hatte noch nicht genug. Beinahe 60 Sekunden später komplettierte der Tscheche mit dem 5:2-Endstand seinen Hattrick. nb

