EishockeySportaufmacher 1

Standortbestimmung und erster Fingerzeig

Die Bietigheim Steelers absolvieren ihr erstes Vorbereitungsspiel gegen die Heilbronner Falken. Das Gesicht der Mannschaft hat sich im Vergleich zur Meistersaison verändert. Der Blick des Eishockey-Zweitligisten richtet sich auf das obere Tabellendrittel.

  • Gespannt blickt der Steelers-Coach Alexander Dück (rechts) – hier mit Neuzugang Alex Dostie – der neuen Saison entgegen. Foto: Baumann

    Gespannt blickt der Steelers-Coach Alexander Dück (rechts) – hier mit Neuzugang Alex Dostie – der neuen Saison entgegen. Foto: Baumann

Eishockey. Ganze 119 Tage nach dem letzten Spiel, bei dem die Steelers sich zum Oberliga-Meister krönten, stehen die Bietigheimer Eishockey-Cracks endlich wieder auf dem Eis. In der heimischen Ege-Trans-Arena haben die Bietigheimer gestern Abend mit den Heilbronner Falken einen langjährigen Rivalen zum Testspiel empfangen, der zuletzt turbulente Wochen durchlebt hat. Im Juli wurde dem letztjährigen Hauptrunden-Meister die Lizenz für die kommende Oberliga-Saison verweigert. Finanzielle Altlasten hatten den Club in eine schwierige Lage gebracht. Erst im zweiten Anlauf – und dank der tatkräftigen Unterstützung vieler spendewilligen Falken-Fans, die über 100 000 Euro in einer Crowdfunding-Aktion sammelten – gelang es den Heilbronnern, das DEB-Spielgericht von der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit zu überzeugen und die Lizenz doch noch zu erhalten.

„Mir ist die Herkunft der Spieler völlig egal, die Leistung muss stimmen.“

Alexander Dück, Bietigheim Steelers

Anders lief es bei den Moskitos Essen, gegen die die Steelers ursprünglich ihr erstes Testspiel bestreiten wollten. Auch den Nordrhein-Westfalen wurde die Lizenz verweigert. Nachdem die Moskitos auf einen Einspruch verzichteten, wurde der Club aufgelöst. Und die Steelers standen ohne ersten Testspielgegner da. Schnell einigte man sich mit Heilbronn auf ein Derby-Testspiel, bei dem sich die beiden Dauerrivalen die Einnahmen teilen. Knapp 2800 Tickets wurden bereits abgesetzt. Denn es war die erste Möglichkeit, den neuen Steelers-Kader in Aktion zu sehen.

Nach der Meistersaison hat der Bietigheimer Kader neun neue Gesichter

Vom Meister-Teams sind den Grün-Weißen elf Spieler erhalten geblieben, neun Neuzugänge wurden für die DEL 2-Saison verpflichtet. „Ich denke, wir haben eine gute Mischung gefunden, den einen Kern halten können und den Kader mit Spielern aufgefüllt, die ins Team passen“, schildert Cheftrainer Alexander Dück. „Das sind Jungs, die in der Vergangenheit vielleicht nicht unbedingt brilliert haben. Uns war vor allem wichtig, dass sie charakterlich gut reinpassen. Unser Teamspirit war letzte Saison bombastisch und soll auch kommende Saison wieder ein Faktor sein. In der Kabine merke ich einen guten Spirit. Alle hängen sich rein und ziehen gut mit. “

Da passt natürlich sehr gut, dass mit Benjamin Zientek ein alter Bekannter ins Ellental zurückgekehrt ist. Von 2016 bis 2023 trug der 31-jährige Außenstürmer das Trikot der Steelers und wurde zum Publikumsliebling. Die letzten beiden Spielzeiten verbrachte er in Landshut.

Bei den Neuverpflichtungen sei schwierig gewesen, dass man lange nicht wusste, in welcher Liga man spielen würde. Also habe man bereits während der Playoff-Runde zweigleisig planen müssen, erzählt Trainer Dück. Als Ende April die Rückkehr in die DEL 2 feststand, hatten viele interessante Spieler bereits bei Konkurrenten unterschrieben. Die noch auf dem Markt verfügbaren Spieler folgten oft besser dotierten Angeboten gestandener Ligakonkurrenten. Während die Steelers in der Oberliga auf tschechische Akteure wie Erik Nemec, Marek Racuk und Jan Vesely setzten, fällt auf, dass bei den Ausländerpositionen diesmal auf Spieler aus Nordamerika verpflichtet wurden. „Mir ist die Herkunft der Spieler völlig egal, die Leistung muss stimmen“, wiegelt Dück ab. Dass man keine Osteuropäer verpflichtet hat, hänge eher damit zusammen, dass es in Nordamerika ein Überangebot guter Spieler gibt, die zu vernünftigen Preisen geholt werden können. Die kanadischen Stürmer Alex Dostie und Brett Kemp können bereits Europa-Erfahrung vorweisen, der ebenfalls verpflichtete Amerikaner Jack Dugan spielt erstmals außerhalb Nordamerikas. „Von Alex und Brett kann man erwarten, dass sie gleich performen“, betont daher Dück. „Mit Jack Dugan müssen wir vielleicht etwas geduldiger sein. Er muss sich noch an die größere Eisfläche gewöhnen, auf der in Europa gespielt wird. Aber er hat in der Vorbereitung bislang bewiesen, dass er großes Potenzial hat.“

Auch in der höheren Spielklasse verfolgen die Steelers ambitionierte Ziele

Die Steelers kennen zwar die DEL 2 aus der Vergangenheit gut. Doch die zweithöchste deutsche Liga sei in den letzten Jahren sehr viel stärker geworden, gibt Dück zu bedenken: „Es gibt in der DEL 2 nicht nur viele erfahrene, gute Spieler, sondern auch mindestens eine Handvoll Top-Trainer in der Liga, die viel Erfahrung mitbringen.“ Daher werde es nicht einfach. Auch weil die Steelers finanziell weit von Aufstiegskandidaten wie Kassel, Düsseldorf oder Krefeld entfernt sind. „Wir sind vom Budget her im Mittelfeld, hoffe ich“, schätzt Dück und sagt fest entschlossen: „Aber wir sind nicht nur da, um in der Liga einfach mitzuspielen. Natürlich wollen wir unter die Top Acht und die Playoffs erreichen.“ Zunächst müsse man im Ligaalltag von Spiel zu Spiel sehen, wie es läuft. Die DEL 2-Saison startet für die Steelers am 19. September mit einem Heimspiel gegen Kassel. Das Testspiel gegen Heilbronn sollte erste Hinweise darauf geben, ob die Line-Ups so funktionieren, wie Dück sich das vorstellt.

Wie geht der Bietigheimer Trainer mit den Vorwürfen gegen ihn um?

Dass die Staatsanwaltschaft Heilbronn weiter gegen ihn ermittelt wegen des Verdachts der sexuellen Belästigung gegen zwei Physiotherapeutinnen, die bei den Steelers letzte Saison arbeiteten, sei „eine private Sache und überhaupt kein Thema in der Vorbereitung“, betont Dück. „Das müssen jetzt die Anwälte klären.“ Trotzdem sei er natürlich heilfroh, wenn hier endlich Klarheit herrsche. ust

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