Eishockey. Der Siegeslauf der Bietigheim Steelers ist gestoppt. Nach den Bietigheimer Außenseiter-Siegen gegen Crimmitschau, Düsseldorf und Landshut waren die Pinguine Krefeld eine Nummer zu groß und die Kassel Huskies erst recht.
Die Verlängerung entwickelt sich gegen Krefeld zu einem Drama
Am Freitagabend waren die Gäste vom Rhein erneut der klare Favorit und wurden dieser Rolle – zumindest ergebnistechnisch – gerecht. Denn beim verrückten 4:5 nach Verlängerung fehlte dem SCB nicht viel, um die Siegesserie fortzusetzen. Die Ellentäler belohnten sich jedoch in der Overtime trotz guter Chancen nicht und verpassten so den fünften Sieg in Folge.
In den passenden SCB-Trikots zu Halloween lehrten die Gastgeber dem KEV früh in der Partie erst einmal das Fürchten. Nach nur zwei Minuten und einer Sekunde brachte Cole Fonstad die Scheibe lang auf Jack Dugan. Der Goldhelm hatte das Auge für den mitgelaufenen Benjamin Zientek. Zientek, bei dem der Knoten nach einem wackligen Saisonstart endlich geplatzt scheint, blieb cool und erzielte das frühe 1:0. Und die zahlreich mitgereisten Gästefans mussten weiterhin zittern, denn Sören Sturm hatte in seinem 1000. Profispiel keine zwei Minuten später direkt den Hochkaräter auf 2:0 zu stellen. Der Defensiv-Routinier verpasste jedoch nach einem tollen Zuspiel von Zientek das offene kurze Eck.
Stattdessen erstarkten die Gäste, die zwei Mal binnen weniger Minuten das Alu trafen. Kurz darauf sahen die Steelers scheinbar Geister im eigenen Angriff. So ging ein Pass ins Nichts, den die Pinguine für einen Umschaltmoment nutzten. Jonathan Matsumoto war es letztlich, der vor SCB-Goalie Olafr Schmidt einen kühlen Kopf bewahrte, den Schlussmann umkurvte und zum 1:1 egalisiert (13. Minute). Davon angezündet kam es erst zum Kampf zwischen Dugan und Krefelds Adam Payerl, für den beide Spieler eine kleine Strafe aufgebrummt bekamen - wobei Dugan, der sonst eigentlich für seine Härte bekannt ist, kaum etwas gemacht hatte. Diese Hektik und Unruhe bekam den Gastgebern so gar nicht. Innerhalb von 18 Sekunden tauchte erst Tim Schütz vor Schmidt auf und drehte die Partie zum 1:2. Noch während des ausgelassenen Krefelder Jubels war Max Newton gedankenschnell und überwand den Goalie im kurzen Eck sogar zum 1:3 (14.).
Goldhelm Jack Dugan muss vom Eis und braucht eine Behandlungspause
Schon gegen Landshut am vergangenen Sonntag hatte der SCB nach dem ersten Drittel mit zwei Toren in Rückstand gelegen, doch auch da hatten sich die Bietigheimer nicht aufgeben, sondern mutig gespielt. Die Steelers-Fans zuckten im zweiten Abschnitt jedoch erst einmal zusammen. Grund dafür war allerdings nicht etwas Spielerisches. Goldhelm Dugan, der die Liga in Scorerpunkten anführt, quälte sich nach rund einer Viertelstunde vom Eis und ging angeschlagen auf die Bank. Der US-Amerikaner kehrte allerdings nach kurzer Behandlung wieder aufs Eis zurück. Sein Ausfall wäre fatal gewesen und das nicht nur aufgrund seiner Scoring-Outputs. Denn neben Dugan fehlten mit Alex Dostie und Brett Kemp zwei weitere Importspieler. Letzterer fiel kurzfristig aus, sein Knie hatte wohl Probleme gemacht. Zudem waren weiterhin Bastian Eckl, Joshua Rust und Tyler McNeely außer Gefecht gesetzt.
Weiterhin blieb die Partie enorm ruppig, Alexander Preibisch bekam nach 31 Minuten einen klaren hohen Stock ins Gesicht, was von den Unparteiischen allerdings ungeahndet blieb. Dafür musste Steven Raabe auf die Strafbank nach einem Halten gegen Marek Racuk. In dieser Überzahl schickten die Schiedsrichter sogar noch Oliver Mebus in die Kühlbox. Die doppelte Überlegenheit nutzte Cole Fonstad mit einem Strahl aus dem Zentrum direkt in den Winkel zum Anschlusstreffer aus (33.).
Da das 2:3 noch während dem Sechs-gegen-Vier gefallen war, blieb der SCB also auch in der Folge noch mit einem Mann mehr auf dem Eis, was jedoch ungenutzt blieb. Und das rächte sich. Denn in einem Powerplay auf der Gegenseite stellte Zack Dybowski den alten Abstand wieder her. Der Verteidiger bekam an der blauen Linie ganz viel Zeit und noch mehr Platz und traf verdeckt durch Schmidts Schoner hindurch zum 2:4 (36.). Von Entspannung war weiterhin nichts zu sehen, keine Zeigerumdrehung später bekam Preibisch die Scheibe von Marek Racuk serviert und überlistete Felix Bick im KEV-Netz im kurzen oberen Kreuzeck zur direkten Antwort – nur noch 3:4.
Strittige Entscheidungen gegen die Gastgeber im Schlussabschnitt
Damit ging der SCB dieses Mal mit Momentum in den letzten Spielabschnitt, was ihm aber auch von den Schiedsrichtern schnell genommen wurde. Denn die pfiffen gerade zu Beginn einige strittige Entscheidungen gegen Bietigheim. So ging Dugan elf Minuten vor Schluss durch die Krefelder Defensive, wurde dabei von zwei Verteidigern klar gefällt und hätte sonst frei gegen Bick das Eins-gegen-Eins gehabt. Eine Strafe blieb jedoch aus – zum Unmut des Großteils der 3156 Fans in der Ege-Trans-Arena.
In einem offenen Schlagabtausch blieben die Hochkaräter allerdings erst einmal aus, beide Teams standen inzwischen defensiv sattelfest und ließen kaum gefährliche Abschlüsse zu. Auch die im zweiten Drittel noch omnipräsente Härte und Aggressivität wurde zwei Stufen heruntergefahren. Keine Mannschaft wollte sich nun eine unnötige Strafe erlauben. Diese kam dann fünf Minuten vor Schluss. Matsumoto wurde für ein Beinstellen vom Eis geschickt. Genau das nutzte der SCB dann auch aus. Wieder war es Dugan, der mit einem genialen Querpass in den Slot für Racuk zum dritten Mal am Abend der Vorbereiter wurde. Sein Sturmkollege musste nur noch die Kelle hinhalten und glich so wieder zum 4:4 aus (57.).
Mitten in den Jubelstürmen der Enztalkurve rettete Schmidt in höchster Not gegen Mathew Santos, der einen Fehlpass ausnutzte und alleine versuchte, den Deutsch-Kanadier zu umkurven. Doch Schmidt machte sich ganz lang, grätschte die Scheibe noch raus und hievte seine Männer damit in die Verlängerung.
Dort schoss sich der KEV selbst ins Bein. Erst leisteten sich die Gäste eine Bankstrafe wegen zu vielen Spielern auf dem Eis, dann checkte Payerl Cole Fonstad ohne Bedrängnis von hinten mit dem Stock beinahe in die Bande. Doch anders als noch in der regulären Spielzeit blieb das Fünf-gegen-Drei dieses Mal ungenutzt. Ausgerechnet Jubilar Sturm verpasste zwei Mal am langen Pfosten den Siegtreffer. Und so stach ausgerechnet Payerl mit 19,2 Sekunden auf der Overtime-Uhr genau in das Grün-Weiß-Blaue Herz. Ein Schuss von Marcel Müller prallte dem Stürmer auf die Kelle, Schmidt streckte sich vergebens, Payerl versenkte oben zum 5:4-Endstand. Trotzdem wurden die Spieler Minutenlang nach dem entscheidenden Tor noch von den Fans gefeiert.
Oft in Unterzahl sind die Bietigheimer in Kassel nahezu chancenlos
Gegen den Tabellenführer aus Kassel konnten die Steelers nur gut zehn Minuten ordentlich mithalten. Am Ende stand aber eine deutliche 0:4-Niederlage.
Nach zwei Minuten waren die Gäste aus dem Ellental zum ersten Mal in Überzahl, konnten daraus aber kein Kapital schlagen. Besser machten es wenig später die Hsukies, die durch Dominic Turgeon in Führung gingen. Mit diesem knappen Rückstand ging es in die erste Drittelpause. In der Folgezeit erspielte sich auch Bietigheim einige Möglichkeiten, diese waren aber selten zwingend. Tyler Bensond nutzte kurz darauf ein Powerplay zugunsten Kassels zum 0:2. Mit seinem zweiten Treffer entschied Benson das Match dann endgültig. In der vierten und letzten doppelten Überzahlsituation für Kassel traf Tristan Keck schließlich zum Endstand. nb/dd

