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Knappem Sieg nach Verlängerung folgt haushohe Niederlage der Bietigheim Steelers im Ellental

Vor heimischem Publikum verlieren die Bietigheim Steelers gegen den DEL-2-Zweiten Kassel Huskies mit 1:7. Auswärts bei den Lausitzer Füchsen gelingt immerhin noch ein 2:1 nach Verlängerung.

  • Steelers-Trainer Alexander Dück verfolgt mit versteinerter Miene den Auftritt seines Teams. Am Sonntagabend setzte es gegen die Huskies eine deftige Heimniederlage. Archivfoto: Baumann

    Steelers-Trainer Alexander Dück verfolgt mit versteinerter Miene den Auftritt seines Teams. Am Sonntagabend setzte es gegen die Huskies eine deftige Heimniederlage. Archivfoto: Baumann

Eishockey. Für die Bietigheim Steelers hat das Wochenende in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) 2 gemischte Resultate gebracht. Am Freitag gelang bei den Lausitzer Füchsen noch ein Auswärtssieg, allerdings erst nach Verlängerung mit 2:1 und somit in der Tabelle nur zwei Punkte wert. Das Heimspiel am Sonntagnachmittag gegen die Kassel Huskies endete mit einem Kantersieg der Gäste, die bei ihrem 7:1-Erfolg alle drei Punkte aus dem Ellental mitnahmen.

Auswärtserfolg nach einem sportlichen Leckerbissen in der Lausitz

Viel Tempo, schöner Spielfluss und ein knappes Spiel – so lässt sich die erste Partie für die Bietigheim Steelers im neuen Jahr zusammenfassen. Sie war ein absolutes sportliches Schmankerl. Am Freitagabend gab es gegen die Lausitzer Füchse zwar kein nachträgliches Tor-Feuerwerk nach Silvester, dafür aber Drama pur. Nach 60 Minuten war nämlich beim Stand von 1:1 noch kein Sieger gefunden, so ging es in die Overtime. Dort bestimmte der SCB beinahe nach Belieben in den ersten zwei Minuten das Spielgeschehen, gleich mehrfach kamen die Bietigheimer durch Jack Dugan, Tim Schüle oder Cole Fonstad in Position.

Am Ende war es Brett Kemp, der dem Abend ein Ende bereitet. Der Kanadier glitt wie das heiße Messer durch die Butter, vernaschte die Füchse-Defensive und blieb nach dem Solo auch vor Goalie Anthony Morrone eiskalt. Das 2:1 versetzte die mitgereisten Steelers-Fans in Ekstase, die mit dem Extrapunkt im Gepäck nach Hause fahren durften.

Müde Beine nach der siebenstündigen Busfahrt

Den Schwaben merkte man zu Beginn des Spiels noch die müden Beine aus der siebenstündigen Busfahrt nach Weißwasser an. „Ausschlaggebend ist ein guter Start nach der langen Fahrt“, mahnte Coach Alexander Dück schon vor der Partie an. Ohne Marek Racuk und Mick Hochreither beim Auswärtsspiel starteten die Steelers schwächer ins erste Drittel. Die Gastgeber brachten mit aggressivem Forechecking die Ellentäler immer wieder in die Bredouille und ließen sie in den Anfangsminuten kaum aus dem eigenen Drittel kommen. Doch mit Florian Mnich im Kasten hatte der SCB einen sicheren Rückhalt, der es nie wirklich gefährlich werden ließ. Stattdessen kam der erste Warnschuss auf der Gegenseite: Pawel Dronia bekam nach sechs Minuten einen Abpraller auf den Schläger, setzte ihn dann aber aus der Distanz am Kasten vorbei. Bei den Füchsen war es Clarke Breitkreuz, der Bruder des früheren Steeler-Stürmers Brett, der zur ersten guten Gelegenheit kam. Der 34-Jährige war nach rund einer Viertelstunde plötzlich frei durch und auf dem Weg zur Führung, die aber Mnich verhinderte. Ansonsten ließen beide Defensivreihen kaum etwas zu, SCB-Verteidiger Arne Uplegger sagte im Drittelpausen-Interview: „Das erste Drittel war schon wie erwartet. Wir hatten am Anfang unsere Probleme, hinten rauszukommen, das ist aber normal bei einem Auswärtsspiel, zu dem wir sieben Stunden angereist sind.“

Erster Treffer der Gäste aus Bietigheim zählt nach Videobeweis nicht

Zum zweiten Abschnitt schienen die müden Knochen aber alle endgültig ausgeschüttelt zu sein. Tim Schüle sorgte kurz nach dem Drittel-Start auch direkt für das vermeintliche 1:0. Der Verteidiger bekam einen Rückpass von Filip Reisnecker an die blaue Linie und zog ab. Der Puck schlug auch im Netz ein, doch nach Videobeweis wurde der Treffer zurückgenommen. Mike Fischer stand beim Schuss wohl im Torraumabseits, eine harte, wenngleich vertretbare Entscheidung. Trotz des ausgebliebenen Führungstreffers blieb die Schlagzahl bei Bietigheim hoch. Die Scheibe lief gut, immer wieder versuchten es die Gäste mit Distanzschüssen und wurden in Person von Dronia, Kemp oder Dugan immer wieder gefährlich. Der Chancenwucher des SCB wurde nach 28 Minuten eiskalt bestraft. Entgegen des Momentums verloren die Steelers an der eigenen blauen Linie die Scheibe. Tom Knobloch machte Dampf, legte vor dem Tor noch auf John Broda quer, der im Fallen durch die Schoner von Mnich das 1:0 erzielte. Der Goalie agierte hierbei unglücklich und drückte das Hartgummi am Ende selbst mit der Kufe über die Linie. Das Tor gab den Gastgebern mehr Selbstvertrauen und brachte sie wieder besser ins Spiel. Im ersten Powerplay fünf Minuten vor der zweiten Drittelpause war es teilweise Dauerbeschuss auf Mnich, der aber permanent überragend parierte. Nach der schadlos überstandenen Unterzahl traute sich auch Bietigheim wieder ins Offensivdrittel und war kurz darauf selbst mit einem Mann mehr auf dem Eis (36.). Das blieb zwar noch ungenutzt, im weiteren Druck danach klingelte es dann aber doch. Joshua Rust fälschte einen Distanzversuch von Benedikt Jiranek unhaltbar über die Schulter und unter die Latte zum Ausgleich ab (39.). Dennoch hatten die Ellentäler Glück, dass es mit 1:1 in die Pause ging, denn Sören Sturm klärte die Scheibe wenige Sekunden vor der Pause in höchster Not Zentimeter vor der Linie.

Das leere Tor verpasste auch Breitkreuz nach rund sechs Minuten im Schlussdrittel, als er einen Querpass direkt auf die Kelle geliefert bekam. Er traf den Puck aber am zweiten Pfosten nicht.

Entscheidung fällt in der Verlängerung 

So ging es nicht nur mit Spannung und viel Unterhaltungswert, sondern auch mit viel Qualität und hohem Tempo in die letzten zehn Spielminuten. Kein klarer Sieger kristallisierte sich heraus, das Pendel schwang immer wieder hin und her. Das Tor wollte aber nicht fallen, auch Bastian Eckls letzter Versuch mit der Schlusssirene blieb an Füchse-Goalie Morrone hängen.

So wurde Kemp erst in der Verlängerung zum Matchwinner. „Wir haben viel Talent im Team, je länger das Spiel dauert, desto mehr können wir das zeigen. Das hat man bei Kemps Tor gesehen“, resümiert Dugan nach der Partie. Auch Coach Alexander Dück weiß: „Es war kein einfaches Spiel, es war hart umkämpft.“

Gegen den Tabellenzweiten aus Kassel hat Bietigheim nichts zu bestellen

Das Heimspiel vor offiziell 4517 Zuschauern in der somit ausverkauften Ege-Trans-Arena wurde am Sonntag zu einem Debakel. Da ging schon beim Stimmungsduell los, das die per Sonderzug angereisten Hessen für sich entschieden. Sie feierten noch lange nach der Schlusssirene. Dabei wurde es nach 25 Minuten erst einmal totenstill. Der Bietigheimer Stürmer Jack Dugan kollidierte bei einem Schussversuch mit Kassels Goalie Philipp Maurer. Der Torhüter blieb regungslos liegen und musste lange behandelt werden – erst später gab es Entwarnung.

In der ausverkauften Ege-Trans-Arena machen die Gäste die Stimmung

In eigener Überzahl waren die Steelers bereits in der 3. Minute in Rückstand geraten, nachdem Arne Uplegger die Scheibe direkt in die Kelle von Tristan Keck gespielt hatte, der durch die Schoner von Florian Mnich verwandelte. Zwar glich Brett Kemp in der 10. Minute aus, doch ab da trafen nur noch die Gäste aus Kassel. Dass das erste Drittel mit 1:1 endete, lag vor allem am starken Mnich im Bietigheimer Kasten.

Bode Wilde (25. Minute), Jake Weidner (28.) und Mitchell Hoelscher (35.) stellten im zweiten Drittel auf 4:1 für die Gäste. Erneut Wilde, der viel zu viel Platz bekam (43.), Yannik Valenti (45.) und Michael Bartuli (48.) sorgten vollends für die Demütigung der Gastgeber im Ellental. Zahlreiche Fans warteten das Ende des Spiels gar nicht mehr ab, verpassten aber auch nichts. nb

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