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Eine Demonstration der Stärke

Mit viel Spielwitz nehmen die Bietigheim Steelers die Rote Teufel Bad Nauheim mit 5:2 auseinander – 5:0-Sieg in Bremerhaven

  • Bietigheims Justin Kelly (rechts) versucht, Marco Schütz vom EC Bad Nauheim abzuschütteln. Foto: Simecek

    Bietigheims Justin Kelly (rechts) versucht, Marco Schütz vom EC Bad Nauheim abzuschütteln. Foto: Simecek

Bereits nach zehn Spieltagen scheint sich in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) 2 eine Drei-Klassen-Gesellschaft abzuzeichnen. Nach Siegen gegen Bad Nauheim (5:2) und in Bremerhaven (5:0) ziehen die Bietigheim Steelers an der Spitze einsam ihre Kreise. Mit einem Respektsabstand von vier Punkten folgt Rosenheim. Weitere vier Punkte dahinter kommt der Rest der Liga.

Es war eine beeindruckende Demonstration der eigenen Stärke, was die Steelers vor allem im zweiten Drittel gegen die Roten Teufel aus Bad Nauheim ablieferten. Deren Trainer Petri Kujala sprach zwar davon, dass sein Team zu passiv agierte und die sogenannten Specialteams, die Teams mit Sonderaufgaben wie dem Powerplay, nicht vorhanden waren. Aber selbst diese Nachlässigkeiten muss man erst einmal mit so viel Spielwitz ausnutzen. Das beste Beispiel dafür war das zwischenzeitliche 5:1 durch Robin Just, bei dem der Puck so schnell durch die Bietigheimer Reihen lief, dass die Bad Nauheimer immer einen Schritt zu spät kamen. Rote-Teufel-Torhüter Jan Guryca reagierte dann auch noch auf einen vermeintlichen Schuss von Justin Kelly, der aber lieber noch einmal auf den besser postierten Just weiterleitete. Der hatte schließlich kein Problem, den Puck ohne direkten Gegenspieler und mit einem auf dem Eis krabbelnden Torhüter in die Maschen zu heben.

Dieser Treffer war der Höhepunkt eines zweiten Drittels, in dem die Gastgeber mit den Hessen Katz und Maus spielten und bei allem Spielwitz vielleicht nur ab und zu den schnelleren Abschluss vergaßen. Nachdem sich die Steelers im ersten Drittel bei ähnlicher Überlegenheit noch schwer getan hatte zu treffen, bauten sie den Vorsprung, den Just in der 16. Minute in Überzahl mit Gewalt herausgeschossen hatte, sukzessive aus. Jason Pinizzotto nutzte nach nur 29 Sekunden im Mittelabschnitt auch das zweite Powerplay, indem er einen Schuss von Marcus Sommerfeld unhaltbar abfälschte. Max Prommersbergers Schuss (29. Minute) rutschte Guryca über die Fanghand. Sommerfeld traf schließlich sogar in Unterzahl (31.).

Dass Sinisa Martinovic in der 35. Minute einen Schuss aus dem Bullygetümmel heraus nicht festhielt und Mike Blankart zum 1:4 abstaubte, war nur ein Schönheitsfehler. Denn obwohl die Gastgeber im Schlussabschnitt deutlich sichtbar auslaufen ließen, gelang Vitalij Aab erst gut vier Minuten vor dem Ende in Überzahl ein weiterer Treffer. Mehr war für die Hessen nicht drin. „Bad Nauheim ist eines der heißesten Teams der Liga mit 16 Toren aus den letzten drei Spielen. Da wollten wir zunächst vor allem wenige Chancen zulassen. Ab dem zweiten Drittel haben wir dann das Kommando übernommen“, erklärte Steelers-Trainer Kevin Gaudet.

„Das war kein 5:0-Spiel. Die Bremerhavener hatten sogar mehr Chancen als wir. Ich weiß nicht, wie oft sie den Pfosten getroffen haben. Da hatten wir einfach nur Glück“, zollte Gaudet am Sonntag den soeben aus der eigenen Halle geschossenen Fischtown Pinguins Respekt. „Beide Mannschaften haben heute um jeden Zentimeter gekämpft. Das war ein Spiel mit Play-off-Charakter. Aber man hat heute gesehen, wieviel Pech, Glück und Momentum im Eishockey ausmachen.“ Das Momentum hatte sein Team nach dem 1:0 durch Kelly (16.) auf seiner Seite und nutzte es redlich. Denn dazu hatte Martinovic zwischen den Pfosten noch einen Sahnetag erwischt und fischte alles raus, was nur ging. Und er hatte eben auch ein paar Mal das Glück des Tüchtigen auf seiner Seite, als die Nordlichter nur das Metallgestänge trafen. Zum Momentum kam bei den Steelers ein überragendes Überzahlspiel. Drei von fünf Möglichkeiten nutzten sie zu einem Treffer. Die Schlüsselszene im Spiel war aber wahrscheinlich eine doppelte Unterzahl der Bietigheimer gleich zu Beginn des Schlussdrittels, die sie schadlos überstanden. „Danach hatte ich das Gefühl, dass bei uns die Luft raus war“, bescheinigte auch Bremerhavens Trainer Mike Stewart. Überragende Spieler bei den Steelers waren neben Torhüter Martinovic noch Kelly, der doppelt (16. und 48.) traf sowie zwei weitere Treffer vorlegte, Just, der einmal traf (38.) und drei Vorarbeiten ablieferte, sowie Verteidiger Marcus Gleich, der defensiv souverän agierte und offensiv immer wieder Impulse setzte. Die weiteren Bietigheimer Treffer kamen von Matt McKnight (28.) und Archie Skalbeck (58.).

„Wir dürfen jetzt nicht euphorisch werden, auch wenn ich glaube, dass die Mannschaft erst bei 70 Prozent ist“, warnte Geschäftsführer Volker Schoch nach der gelungenen Final-Revanche in Bremerhaven. Denn am Freitagabend (19.30 Uhr) gibt mit dem ESV Kaufbeuren ein gefährlicher Gegner seine Visitenkarte in der EgeTrans-Arena ab. Die Allgäuer haben zwar die vergangenen sechs Spiele in Folge verloren, hatten aber auch die ersten vier Saisonpartien gewonnen und standen zu Beginn der Runde schon einmal an der Spitze. Am Sonntag um 17 Uhr steht die nächste weite Reise nach Weißwasser an. Die Lausitzer Füchse kommen zu Hause aber noch nicht richtig in Fahrt. Erst zwei ihrer fünf Heimpartien gewannen sie. Entsprechend dümpeln sie am hinteren Ende der Tabelle herum.

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