EishockeySportaufmacher 1

Der Traum von den Playoffs lebt weiter

Mit zwei Siegen gegen Bad Nauheim und Regensburg haben die Bietigheim Steelers ihre Platzierung im vorderen Tabellendrittel der Deutschen Eishockey Liga (DEL) 2 gefestigt. Kurios waren allerdings die Szenen, die sich vor dem Heimspiel gegen Regensburg abgespielt hatten.

  • Zwischenzeitlich recht heftig ging es zwischen den Regensburgern und den Bietigheimern um Bastian Eckl (vorne) zur Sache. Foto: Baumann

    Zwischenzeitlich recht heftig ging es zwischen den Regensburgern und den Bietigheimern um Bastian Eckl (vorne) zur Sache. Foto: Baumann

Eishockey. Mit zwei Siegen haben die Bietigheim Steelers in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) 2 ein perfektes Wochenende hingelegt.

Gegen Bad Nauheim hütet erneut Olafr Schmidt das Bietigheimer Gehäuse

Am Freitagabend hatte die Mannschaft von Trainer Alexander Dück den EC Bad Nauheim mit 6:3 besiegt. Dabei konnten sich die Ellentäler in der Wetterau auf ihre effektiven Special Teams und den stark aufspielenden Marek Racuk verlassen. Der 33-jährige Tscheche erzielte in der hessischen Kurstadt einen Hattrick.

Zum vierten Mal in Folge hütete bei den Ellentälern Olafr Schmidt den Kasten. In der ersten Reihe setzte SCB-Trainer Alexander Dück auf die erfolgreiche Startformation vom vergangenen Dienstag. Wie beim 5:2-Erfolg über Düsseldorf standen zunächst Arne Uplegger, Tim Schüle, Cole Fonstad, Jack Dugan und Kapitän Alexander Preibisch auf dem Eis.

Im, mit 1988 Zuschauern gefüllten, Colonel-Knight-Stadion starteten die Gastgeber zunächst gut. Nachdem die Roten Teufel am Dienstag die Anfangsphase gegen Regensburg komplett verschlafen hatten und mit 2:6 unterlegen waren, hatten die Kurstädter offenbar einiges gutzumachen. Nach nur 19 Sekunden musste Steelers-Goalie Schmidt sich erstmals bewähren und einen Schuss von Nauheims Davis Koch parieren.

In Unterzahl gerieten die Gäste erstmals, nachdem Alexander Preibisch wegen Beinstellens eine Zwei-Minutenstrafe kassierte. Doch nach nur wenigen Sekunden im Vier-gegen-Fünf schnappte sich Marek Racuk die Scheibe und konnte im Alleingang gegen ECN-Keeper Jerry Kuhn zum 1:0 per Shorthander einnetzen (5. Minute).

Die Steelers nutzen ihre Chancen nicht und kassieren überraschend den Ausgleich

Die Wetterauer taten sich anschließend schwer damit, das Spiel zu machen und zeigten sich anfällig für temporeiche Gegenangriffe der Bietigheimer. Cole Fonstad verpasste es zwei Mal völlig alleine vor dem Nauheimer Keeper die Führung auszubauen. Wie aus dem Nichts kamen die Kurstädter aber zum Ausgleich, als EC-Stürmer Andrej Bires sich ein Herz nahm und per Direktabnahme den Ausgleich markierte.

Doch die Steelers ließen sich davon nicht beeindrucken. Nach einem gewonnenem Bully hielt Marek Racuk nur eine Minute später die Kelle bei einem Distanzschuss rein und lenkte das Hartgummi ins Tor zur erneuten Bietigheimer Führung (12.).

Immer wieder sorgten die langen Anspiele der Ellentäler für Gefahr. Cole Fonstad legte nach einem langen Querpass auf den im Zentrum postierten Jack Dugan und der fand den einschussbereiten Alexander Preibisch, der auf 3:1 erhöhte. So schön das Offensivspiel der Gäste auch war, in der Verteidigung gab es Lücken, die Nauheim durch Zach Kaisers Anschlusstreffer ausnutzen konnte. Nach einem turbulenten ersten Drittel ging es mit einer 3:2-Führung für die Steelers in die Pause.

Die Bietigheimer Defensive agiert lange Zeit nicht besonders sattelfest

Zu Beginn des Mitteldrittels überstanden die Gäste eine Unterzahl und waren kurz darauf selbst das erste Mal im Power Play. Die Scheibe lief gut in der Angriffsformation. Jack Dugan nagelte die Scheibe ins Kreuzeck zum 4:2 (24.). Aber wieder war es ein Fehler in der Defensive, der dafür sorgte, dass Bad Nauheim erneut herankam. Arne Uplegger unterlief ein kapitaler Fehlpass im Spiel nach vorne. Das nutzte Andrej Bires eiskalt mit einem perfekten Zuspiel auf Justin Volek aus. Und der netzte zum erneuten Anschlusstreffer ein (26.).

Das muntere Auf und Ab ging weiter. Denn nun starteten wieder die Steelers in eine starke Druckphase. Mike Fischer zog aus der Drehung ab und erneut war es Marek Racuk, der den Puck entscheidend abfälschte und seinen dritten Treffer des Abends erzielen konnte (30.).

In der hitzigen Schlussphase sorgt Cole Fonstad für die Entscheidung

Die Partie wurde nun deutlich hitziger und die Schiedsrichter sprachen einige Strafzeiten aus. Die daraus resultierenden Power Plays konnten beide Teams aber nicht in Tore ummünzen. Die beste Gelegenheit ließen die Bietigheimer aus, als Brett Kemp zu uneigennützig die Scheibe in aussichtsreicher Position auf den dreifachen Torschützen Racuk ablegte, anstatt selbst draufzuhalten.

Im Schlussabschnitt drängten die Bietigheimer auf den vermeintlich entscheidenden sechsten Treffer. Nauheim konnte sich trotz Überzahl keine klare Chance herausspielen. Die Gastgeber versuchten über Härte das Momentum wieder an sich zu reißen. Doch zuerst wanderte Davis Koch wegen unsportlichen Verhaltens auf die Strafbank. Dann zeigten sich die Ellentäler im Power Play wieder gut sortiert, ließen die Scheibe schön laufen und kamen durch Cole Fonstad zum 6:3 (49.). Danach war die Partie entschieden.

„Es war ein Offensivfeuerwerk auf beiden Seiten“, kommentierte SCB-Trainer Alexander Dück. „Nach dem 3:1 haben wir zu sorglos in der Defensive gespielt. Peu à peu haben wir uns im letzten Drittel gesteigert. Die Special Teams waren dann entscheidend.“

Die Akteure der Steelers warten minutenlang auf die Regensburger

Über 500 Fans, ein aus allen Nähten platzender Gästeblock in der Ege-Trans-Arena und eine Siegesserie von drei Spielen am Stück. All das war nicht genug für die Eisbären Regensburg am Sonntagnachmittag gegen die Bietigheim Steelers. Denn die Ellentäler haben das direkte Duell um die Playoff-Plätze mit 3:0 gewonnen und schieben sich damit an den Männern von der Donau vorbei und sind nun Fünfter.

„Tolle Atmosphäre. Jeder war mit Herz dabei, jeder hat das Spiel genossen“, lobt SCB-Coach Alexander Dück beide Fanlager nach der Partie. Die mitgereisten Gäste, die einheitlich mit rot-weißen Fischer-Hüten und einer Choreografie vor dem Spiel im Block die Eishalle in einen Hexenkessel verwandelten, warteten aber erst einmal, ehe die Partie startete. Denn noch vor Spielbeginn musste ein Eiszugang inklusive der Banden repariert werden. Nach viel Panzertape und handwerklichen Griffen konnte es schließlich mit 37 Minuten Verspätung losgehen. Aber nicht ohne weiteres Drama: Die Eisbären warteten lange, bis sie das Eis wieder betraten und ließen die Steelers-Spieler minutenlang warten. Dafür wurden sie von den Steelers-Fans gnadenlos ausgepfiffen. Auch Hallensprecher Andreas „Pucki“ Lausch konnte sich einen Kommentar nicht verkneifen: „Schön das ihr den Weg zur Eisfläche gefunden habt“, gab er den Gästen einen Seitenhieb mit.

Bietigheim rächt sich für die Warterei mit zwei frühen Toren

Sportlich ließ sich der SCB aber nicht von diesen vermeintlichen Psychospielchen beeinflussen. Jack Dugan verpasste nach einem abgeprallten Distanzschuss von Tim Schüle die Chance auf das frühe 1:0 (3.). Doch nach sieben Minuten verstummte der Gäste-Block erstmals. Brett Kemp nagelte einen Schuss von der rechten Seite gnadenlos ins lange Eck und bescherte die Führung. Und der Kanadier legte drei Zeigerumdrehungen später nach, indem er einen Querpass von Pawel Dronia herrlich per One-Timer unter die Latte zum 2:0 einschweißte.

Regensburg – wohl geschockt vom Doppelschlag – kam zwar hier und da mal vor das Netz von Steelers-Goalie Olafr Schmidt, zwingend gefährlich wurde es aber nie. So ging es nur mit der knappen Führung ins zweite Drittel. Nach einer überragenden Rettungstat von Tim Schüle drückten die Steelers wieder auf das dritte Tor. In eigener Unterzahl verpasste Kemp nach 28 Minuten aber den Hattrick und legte das Hartgummi am rechten Pfosten vorbei.

Das Spiel wurde fortan hart geführt, Jack Dugan und Patrick Demetz waren erst in einen Faustkampf verwickelt, wenig später wurde Filip Reisnecker hart in die Bande getackert. Dugan revanchierte sich kurz vor der Drittelpause, indem er Samuel Payeur auf die Bretter schickte. Noch übler erwischte Alexander Preibisch seinen Gegenspieler Kevin Slezak. Der SCB-Kapitän traf den Regensburger mit der Schulter am Kinn, Slezak klappte sofort auf dem Eis zusammen, konnte aber auf eigenen Beinen – von mehreren Sanitätern gestützt – das Feld verlassen. Preibisch erhielt dafür eine Spieldauer-Strafe und fehlte den Steelers damit das gesamte letzte Drittel.

Das dritte Tor zieht den Gästen aus Regensburg den Stecker

Olafr Schmidt und die unermüdlichen Defensivbemühungen waren der Grund dafür, dass die Hausherren trotz insgesamt acht Minuten Unterzahl am Stück ohne Gegentor blieben. „Die Unterzahl haben wir heute killen können, ob mit Glück am Ende oder nicht. Schmiddi hat heute überragend gehalten“, lobt Coach Dück seine Defensive und den Goalie.

Den verdienten Lohn erntete zwölf Minuten vor Schluss dann Kemp. Der Stürmer schnürte seinen Hattrick, nachdem Marek Racuk einen Querpass stark antizipiert hatte und überlegt vor dem EVR-Kasten querlegte. Auch Racuk komplettierte damit seinen Assist-Hattrick. Nach seinem Dreierpack am Freitag gegen Bad Nauheim legte der Tscheche alle Treffer des SCB auf. Und dieses Tor nahm den Gästen komplett den Wind aus den Segeln. Wo davor noch ein Funken Hoffnung zu sehen gewesen war, hingen nun die Köpfe. Das 3:0 gab den Steelers gleichzeitig Sicherheit. So wurde es in der Schlussphase nicht mehr wirklich brenzlig und Schmidt durfte seinen zweiten Shut-Out der Saison feiern. „Jeder weiß mittlerweile, wie Ehrgeizig wir als Trainerstab sind. Wir fordern die Jungs zur Höchstleistung, aber heute kann ich nur gute Sachen sagen. Die ganze Mannschaft hat heute Charakter gezeigt“, feiert Dück nach dem Spiel seine Männer. ust/nb

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