Eishockey. Die Eishockey-Cracks der Bietigheim Steelers haben durch zwei weitere Siege im Achtelfinale der Play-offs den Einzug ins Viertelfinale geschafft. Gegen die Saale Bulls gewannen die Ellentäler sowohl daheim als auch auswärts jeweils mit 4:1.
Im Heimspiel zeigen sich die Steelers konzentriert und dominant
Vom Eröffnungsbully weg waren die Hausherren giftig und attackierten aggressiv gegen die Sachsen-Anhalter. Das zeigte sich bereits nach 14 Minuten, als sich Erik Nemec, Marek Racuk und Jan Vesely mit dem halben Hallenser Team anlegten und es zum Faustkampf kam. Vorausgegangen waren mehrere harte Checks der Steelers.
Zu diesem Zeitpunkt stand es bereits 2:0 für den SCB, erst hatte Vesely nach einem Scheibengewinn von Nemec abgestaubt, der bei seinem Eins-gegen-Eins noch am vielbeschäftigten Bulls-Schlussmann Kai Kristian gescheitert war. Sein Landsmann schob locker ins leere Tor (4. Minute). Kurz vor der Keilerei war es dann Tyler McNeely, der mit einem herrlichen Solo über das halbe Feld drei Gegenspieler aussteigen ließ und dann vor Kristian den Alleingang zum 2:0 krönte (13.).
„Eishockeyhärte gehört dazu, in den Play-offs sowieso.“
Alexander Dück, Bietigheim Steelers
Auch nach der Rauferei ging es nur in eine Richtung, Vesely hatte Glück, dass sein Abschluss durch Kristians Schoner hindurch doch noch den Weg über die Linie fand, eigentlich war der Goalie zur Stelle gewesen (16.). Olafr Schmidt auf der Gegenseite hatte einen weitestgehend ruhigen Freitagabend, auch, weil seine Vorderleute kaum eine Scheibe ins eigene Drittel kommen ließen.
Die Nicklichkeiten auf dem Eis ließen nicht nach, immer wieder standen zwei Gegenspieler Nase an Nase, Steelers-Coach Alexander Dück und sein Assistent Boris Blank signalisierten auf der Bank aber, einen Gang herunterzufahren und das Spiel sprechen zu lassen. „Eishockeyhärte gehört dazu, in den Play-offs sowieso. Das Problem war, dass es uns aus der Ruhe gebracht hat“, sagte Dück nach der Partie. „Es war ein Signal an die Jungs, strukturiert zu bleiben.“
Nach der Drittelpause wurden die Gäste dann selbst aktiver, machten offensiv mehr Druck und kamen in Überzahl sogar zum Anschlusstreffer. Schön herausgespielt stand Tomi Wilenius am zweiten Pfosten nach einem Querpass frei und überwand Schmidt zum 1:3 (27.).
Davon ließen sich die Gastgeber aber keineswegs beirren, sie schalteten wieder einen Gang hoch, mussten aber kurz die Luft anhalten, als Marek Racuk in der gefährlichen Zone hart umgeknockt wurde und verletzt liegenblieb. Eine Strafe blieb aus, zum Unverständnis der Bietigheimer. Vor dem 1:3 hatten die Unparteiischen noch eine harte Strafe gegen SCB-Kapitän Alexander Preibisch ausgesprochen.
Die Gemüter kochten hoch, nach einer weiteren Schlägerei zwischen Dennis Dietmann und Oskar Siradze (erneut war eine Strafe gegen den Steelers-Verteidiger ausgesprochen worden) provozierte Sirdaze auf der Strafbank sitzend die SCB-Fans hinter ihm und machte sich damit mächtig unbeliebt in der Ege-Trans-Arena. Beide Akteure wurden mit einer Spieldauerstrafe vom Eis gestellt (33.).
Auf sportliche Highlights mussten die 3950 Zuschauer bis kurz vor der zweiten Pause warten. Dann knallte Jesse Roach erst einen Schuss an den Hallenser Pfosten. Fedor Kolupaylo machte es im Schlussabschnitt dann besser. Erneut war es eine Einzelleistung. Der Deutsch-Russe ging durch die Bulls-Verteidigung wie ein heißes Messer durch die Butter und schweißte das 4:1 ein (43.). Der SCB schaltete nach dem Wiederherstellen des Drei-Tore-Vorsprungs in den Verwaltungsmodus, konzentrierte sich auf die Verteidigung und wirkte phasenweise aber etwas passiv. Schmidt war im Notfall aber zur Stelle. Vorne waren die Schwaben allerdings zu nachlässig und verpassten es sogar, das fünfte Tor ins leere Netz zu machen – die Hallenser hatten eineinhalb Minuten vor Schluss Kristian vom Eis genommen.
Auch das vierte Match ist von einer extrem harten Spielweise geprägt
Noch vor dem vierten Achtelfinal-Play-off-Spiel zwischen den Bietigheim Steelers und den Saale Bulls Halle hatte der Hallensprecher der Sachsen-Anhalter große Töne gespuckt: „Passt auf, die Fläche ist kleiner“ und „Wir haben das Eis extra noch einmal ein paar Zentimeter kleiner gemacht“. Damit spielt er auf die Aussagen des SCB an, die nach dem ersten Duell in Halle am Freitag noch das kleinere Spielfeld als Mitgrund für die Niederlage genannt hatten.
Doch diese Überheblichkeit sollte den Bulls auf die Füße fallen, die Gäste bestraften die Arroganz. Mit 4:1 gewannen die Ellentäler das Spiel und somit auch die Serie mit 3:1. „Es war ein hartes Stück Arbeit und hat uns gezeigt, dass es nicht einfach wird“, resümierte Bietigheims Coach Alexander Dück nach der Partie. Der Sieg zeichnete sich schon in den ersten Momenten der Begegnung ab. Christoph Kiefersauer und Bastian Eckl testen innerhalb der ersten 180 Sekunden die Torumrandung.
Wie schon in den ersten drei Aufeinandertreffen begannen die Ellentäler offensiv mutig, suchten den Abschluss, der aber erst nicht den Weg ins Netz finden wollte. Die Bulls kamen derweil über ihre Körperlichkeit und suchten die Zweikämpfe. So wurden gleich mehrere Steelers-Akteure mit harten Checks auf das Eis geschickt.
Doch davon ließen sich die Gäste nicht beeindrucken und kamen durch Vesely zum frühen 1:0. Nach einem Bully hatte Marek Racuk hinter dem Netz die Scheibe festgemacht und den von der unsortierten Bulls-Defensive freigelassenen Stürmer direkt im Slot gefunden (12.).
Die Hallenser wirkten davon angefressen und gefrustet, fuhren weiter harte Checks und spielten teilweise wirklich dreckig. So wurde Fedor Kolupaylo nach 17 Minuten hart in die Bande getackert und fuhr benommen zur Bank – eine Strafe blieb aus, der Deutsch-Russe saß den Rest des Spiels auf der Bank. Spielerisch überzeugten dafür klar die Gäste, die es aber weiterhin verpassten, das zweite Tor nachzulegen. So auch im zweiten Drittel, wo weiterhin beinahe nur die Bietigheimer das Spiel bestimmten.
Die Hausherren kamen nur selten zu gefährlichen Chancen. Im Notfall war Olafr Schmidt im Kasten aber sicher zu Stelle und parierte. Mitte des zweiten Abschnitts stockte den SCB-Fans dann kurz der Atem: Erik Nemec und Vesely kollidierten hinter dem Tor der Hausherren. Der Torschütze zum 1:0 blieb im Anschluss liegen, hielt sich die Schulter, konnte aber glücklicherweise wieder mitwirken.
Nachdem die Ellentäler insgesamt drei Überzahl-Situationen nicht nutzen konnten – das hatte Dück bereits als Manko am Freitag beim 4:1-Sieg vor heimischer Kulisse moniert – war es Niklas Heinzinger, der endlich erhöhte. Der Verteidiger schweißte von der blauen Linie den Puck ein. Goalie Kai Kristian wurde noch entscheidend die Sicht genommen (43.). Für Heinzinger war es das zweite Saisontor, nachdem er in der Hauptrunde gegen Lindau nach 77 Spielen seinen ersten Treffer im SCB-Trikot bejubeln durfte.
Erik Nemec entscheidet die Partie durch einen Schuss ins leere Tor
Und damit platzte der Knoten bei den Steelers. Das Chaos vor dem MEC-Kasten nutzte Viktor Buchner aus und erzielte das 3:0 nur drei Minuten später. Die Hausherren ließen sich davon nur noch mehr aufheizen und spielten weiter hart. So wurde Racuk im Zentrum von einem hohen Stock getroffen, Gegenspieler Tomi Wilenius drückte den auf dem Eis liegenden Tschechen noch zu Boden und sorgte für verständliche Entrüstung im SCB-Lager.
Endgültig den Deckel auf die Partie setzte dann Erik Nemec. Mit über vier Minuten auf der Uhr kam Goalie Kristian vom Eis für einen zusätzlichen Hallenser Feldspieler, doch das ging nach hinten los: Nemec bekam die Scheibe an der Bande kontrolliert, machte ein paar Meter und schob dann locker ins verwaiste Tor ein zum 4:0 (56.). Olafr Schmidt blieb der Shutout allerdings verwehrt. Mit noch 90 Sekunden auf der Uhr bekamen die Schwaben das Hartgummi vor dem eigenen Netz nicht geklärt. Patrick Schmid drückte es letztlich über die Linie zum 1:4 – Schmidt war bedient, konnte das aber verschmerzen.
In der Pressekonferenz nach dem Spiel zeigte sich Dück zufrieden, sein Gegenüber Marko Raita hingegen hatte Tränen in den Augen und kämpfte mit den Worten. „Für so eine Situation habe ich keine Rede vorbereitet“, sagte der sichtlich emotionale Finne am Mikrofon. nb

