Eishockey. Die Bietigheim Steelers haben in der Eishockey-Oberliga Süd zwar zwei Siege gefeiert, dafür aber die Tabellenführung verloren. Gegen den EC Peiting mussten die Ellentäler nämlich in die Verlängerung. Bereits am Freitag hatten sich die Steelers in einem überraschend spannenden Spiel in Füssen durchgesetzt.
Goalie Zabolotny erlaubt sich am Anfang einige Wackler und pariert dann stark.
Die Bietigheim Steelers stellen aktuell die beste Defensive der Liga. Nur 82 Gegentore hatten sie bis zum Spiel im Allgäu kassiert, auch die Goalies David Zabolotny und Olafr Schmidt haben daran einen großen Anteil. Der EV Füssen stellt derweil die zweitschlechteste Offensive der Liga nach Toren pro Spiel. Schon in den ersten drei Aufeinandertreffen der beiden Teams ist der EVF kaum zu Toren gekommen, insgesamt vier Treffer sind gelungen bei den 3:12-, 1:2- und 0:9-Niederlagen.
Am Freitagabend trafen die beiden Extreme aufeinander und die Fans in Füssen staunten nicht schlecht. Denn nach sieben Minuten führten plötzlich die Gastgeber bereits durch die ersten beiden Chancen mit 2:0. Doch wie schon in den vergangenen Partien drehte der Tabellenführer nach dem ersten Drittel auf und wendete das Blatt am Ende zu einem 5:3-Sieg. „Das waren keine drei Punkte auf die wir stolz sein können über 60 Minuten“, resümiert SCB-Trainer Alexander Dück nach der Partie auf der Pressekonferenz.
Nach einer hektischen Anfangsphase mit viel Hin und Her und wenig Scheibenkontrolle war es Bence Farakas, der mit einer Einzelleistung den ersten Treffer markierte. Mick Hochreither hatte gegen den jungen Stürmer hinter dem eigenen Tor an der Bande die Scheibe verloren, Farakas kam mit dem Bauerntrick einmal um Zabolotnys Tor herum und legte den Puck dann frech unter dem Schoner des Polen zum 0:1 – das zu diesem Zeitpunkt ein wenig aus dem Nichts kam– ins Netz (5. Minute).
Und nur 60 Sekunden später legten die Ostallgäuer schon nach. Mit dem zweiten Abschluss der Partie war es William Jerry, der den zweiten Treffer besorgte und wieder sah der polnische Schlussmann nicht gut aus. Erneut verloren seine Vorderleute an der Bande den Puck, dieses Mal kam er ins Zentrum zu Jerry, der aus einiger Entfernung ungehindert abschließen konnte. Zabolotny sah die Scheibe zwar, musste sie aber dennoch passieren lassen – 0:2.
Beim SCB brauchte es erst eine Überzahl Mitte des ersten Abschnitts, bis es mal richtig brenzlig wurde. Dann war aber Zabolotnys Gegenüber Benedikt Hötzinger zur Stelle und parierte gleich zwei Mal gegen Fedor Kolupaylo und Marek Racuk bravourös (13.).
Auf der Gegenseite wurden die Füssener von Fehlern der Steelers zu Chancen eingeladen, wieder war Zabolotny im Mittelpunkt. Der Nationalkeeper aus Polen kam nach 16 Minuten weit aus seinem Kasten heraus, um die Scheibe schnell weiterzuleiten, machte das allerdings zu ungenau und legte so das Spielgerät leichtfertig Jerry in die Kelle. Der US-Amerikaner hatte den Doppelpack auf dem Schläger, traf aber am Goalie vorbei nur den Pfosten.
„Einfach geiler sein“, forderte Bastian Eckl in der Drittelpause am Mikrofon im Stream bei sprade.tv und ergänzte: „Wir wurden davor gewarnt, aber wir haben es auf die leichte Schulter genommen. Sie kommen mit Vollkaracho und hauen uns an die Wand und wir hauen nicht dagegen.“
„Geiler“ waren die Steelers dann im zweiten Abschnitt, Marek Racuk sorgte für den Anschlusstreffer, nachdem Kolupaylo einen Reihen-Wechsel des EVF für eine Drei-gegen-Zwei-Situation ausgenutzt hatte und den Tschechen im Zentrum fand. Der Hüne netzte humorlos zum 1:2 ein (26.).
Kurz darauf war dann zeitweise viel Platz auf dem Eis und es wurde hektisch. Es gab sechs Strafzeiten binnen zweieinhalb Minuten, vier davon gegen die Steelers. Unter anderem Racuk und Philippe Bureau-Blais gerieten aneinander und wurden zum Ausdampfen geschickt. Auch Eckl fuhr unabsichtlich in Hötzinger hinein und wurde dafür für zwei Minuten vom Eis gestellt (30.).
Als er allerdings wieder von der Strafbank kam, nutzten die Ellentäler das gnadenlos aus. Genau im richtigen Moment kam der Befreiungsschlag des SCB, der punktgenau bei Eckl landete. Der Stürmer hatte das Auge für den mitgelaufenen Alexander Preibisch, der es ausnutzte, dass der EVF nur langsam zurückkam. Hötzinger hatte dann keine Chance gegen den harten und platzierten Abschluss des Kapitäns, der damit wieder ausglich (32.). Zabolotny auf der Gegenseite machte derweil seine Fehler und Wackler in Abschnitt eins vergessen, parierte mehrfach in der Unterzahl grandios und hielt das Ergebnis knapp.
Auch nach der zweiten Drittelpause kam der SCB wacher aus der Kabine und macht prompt das 3:2. In Überzahl flipperte das Hartgummi nach nur 20 Sekunden an den zweiten Pfosten zum komplett freistehenden Preibisch, der die Führung erzielte (41.). Von da an machten es die Gäste abgeklärt. Rund zehn Minuten vor Schluss setzte sich der Spitzenreiter in der gegnerischen Zone fest, über drei schnelle Stationen kam der Puck zu Erik Nemec, der vor dem Tor die Lücke in der zerpflücken Füssener Hintermannschaft nutzte und aus kurzer Distanz das 4:2 erzielte.
Doch Füssen kam zwei Minuten später wieder ins Spiel zurück und wieder wurden sie von den Gästen eingeladen. Der SCB verschenkte direkt vor Zabolotny die Scheibe, ein einfacher Querpass landete beim blanken Jerry, der den Goalie mit einer Schussfinte aussteigen ließ und dann lässig zum 3:4 einschob (51.).
In der Schlussphase investierte dann Füssen noch einmal alles, scheiterte aber ein ums andere Mal an Zabolotny, der nach dem wackligen Start deutlich stärker geworden war. Zwei Minuten vor Schluss flog den Gastgebern dann selbst ein Fehler im Aufbau um die Ohren: Pius Seitz schlug über die Scheibe und rutschte weg, Racuk nutzte das, hatte vor dem Kasten noch das Auge für Nemec, der im Gewusel das Spielgerät zum 5:3-Endstand über die Linie drückte (59.).
Mangelnde Effizienz zwingt die Steelers gegen Peiting in die Verlängerung.
Zum ersten Mal seit Anfang Dezember grüßen die Bietigheim Steelers nicht mehr vom Platz an der Sonne in der Eishockey-Oberliga. Grund dafür ist die ausbaufähige Chancenverwertung der Ellentäler beim 3:2-Heimsieg gegen den EC Peiting, der allerdings erst in der Verlängerung zustande kam. Die Heilbronner Falken, die parallel mit 6:1 gegen die Stuttgart Rebels gewinnen konnten, überholten damit den Absteiger und sind nun neuer Tabellenführer. Aber SCB-Trainer Alexander Dück weiß: „Erst in den Playoffs werden die Erbsen gezählt.“
Dabei hatten seine Männer mächtig Glück, dass es überhaupt mit Punkten klappte. Am Ende war es Mick Hochreither, der in der Overtime für den Extrazähler sorgte. Eineinhalb Minuten vor Schluss machte er die Scheibe nämlich hinter dem Netz von Konrad Fiedler an der Bande fest, schüttelte einen Gegenspieler ab und machte es dann wie sonst seine Sturmkollegen. Er umkurvte das Tor gekonnt und versenkte unter dem Schoner des Goalies hinweg zum 3:2-Endstand (64.).
Von Beginn an dominierte der SCB zwar Peiting weitestgehend, vor dem Netz von Fiedler spielten es die Gastgeber dann aber zu kompliziert oder es fehlte das nötige Abschlussglück. Marek Racuk zog nach sieben Minuten den ersten guten Versuch auf das ECP-Tor, der aber zu zentral kam. Wenig später traf Erik Nemec nur das Außennetz. Peiting bekam derweil nur selten Entlastung. Wenn es dann aber mal vor Olafr Schmidt auf der Gegenseite gefährlich wurde, dann brannte der Baum lichterloh. Tyler McNeely spielte einen Befreiungsschlag direkt in die Kelle von Thomas Heger, der frei vor dem Schlussmann schnell den Abschluss suchte. Schmidt war allerdings mit einer akrobatischen Parade sicher zu Stelle (13.). Auch gegen Samuel Payeur glänzte der Deutsch-Kanadier kurz darauf.
Auch im zweiten Drittel kam Peiting besser rein, nach einer fragwürdigen Strafe gegen Fedor Kolupaylo nutzte Payeur die Überzahl aus und fand mit seinem Versuch aber nur den Pfosten (23.). Auch die Schwaben wurden direkt darauf mit einem Mann mehr wieder aktiver. Entweder dauerte es hier aber wieder zu lange oder Fiedler war zur Stelle.
Am gefährlichsten wurde der SCB in dieser Phase tatsächlich vor dem eigenen Tor. Bei einem Konter der Gäste bekam Sören Sturm noch den Schläger zwischen einen Pass. Eckl bekam das Hartgummi nicht unter Kontrolle und hatte Glück, dass es nur knapp am Kasten vorbeirutschte (28.).
Im Anschluss machte sich der Frust vor allen Dingen bei den Steelers bemerkbar, die zwischenzeitlich insgesamt fast sieben Minuten am Stück in Überzahl agieren. Schuss um Schuss feuerten sie auf Fiedler. Plötzlich war viel Verwirrung vor dessen Netz: Ein Schuss wurde abgefälscht, flipperte durch den Slot und Tamas Kanya versuchte hinterherzustochern. Dann lag der Ungar auf dem Boden und kriegte von Payeur einen Stock in den Rücken. Es entwickelte sich eine Rudelbildung nach der Payeur, Kanya und Christian Obu (ECP) für zwei Minuten vom Eis gestellt wurden (30.).
Die Erlösung für die 2817 Zuschauer in der Ege-Trans-Arena brachte dann nach 34 Minuten endlich Kolupaylo und er leitete das 1:0 sogar selbst ein. Der Deutsch-Russe machte die Scheibe in der neutralen Zone selbst gut fest, ließ mit einer Drehung die halbe ECP-Mannschaft aussteigen, spielte dann einen klugen Doppelpass mit Racuk und schloß selbst allein vor dem Goalie eiskalt ab.
Die Führung machte den SCB heiß, Preibisch, McNeely und Niklas Heinziger fuhren allesamt binnen weniger Sekunden drei harte aber saubere Checks gegen die Gäste – zum Jubel der Heimfans. Die Einstellung stimmte zwar, doch das Ergebnis weiterhin nicht.
Im Schlussdrittel waren die Hausherren zu Beginn dem zweiten Tor näher, als die Gäste dem Ausgleich. Sören Sturm verzog gleich zwei harte Schüsse aus der Distanz nur knapp. Da die Bietigheimer aber zu viel liegen ließen, war es nur eine Frage der Zeit, bis sie für die Ineffektivität bestraft werden sollten. Und diese Bestrafung kam dann nach 47 Minuten. Nach einer weiteren unverständlichen Strafe gegen die Steelers bekam Christian Hanke auf der linken Seite zu viel Zeit und Platz und fackelte die Scheibe an Schmidt vorbei in die Maschen. Vier Minuten später folgte gleich der Doppelschlag. Die Steelers vertändelten im gegnerischen Drittel das Spielgerät, dann ging es überfallartig in Richtung Schmidt. Zu viert fuhren die Gäste auf den Goalie zu. Payeur sorgte mit seinem platzierten Abschluss ins rechte obere Kreuzeck für die Gästeführung.
Erneut dank Kolupaylo retteten sich die Gastgeber aber doch noch in die Verlängerung. Wieder war es der 28-Jährige, der im Zusammenspiel mit Racuk und Nemec den Ausgleich besorgte. Damit stellte er sicher, dass Hochreither in der Overtime den Extrapunkt herausschießen konnte. „Es hat lange nicht so ausgesehen, dass wir überhaupt mit Punkten rausgehen“, sagt Dück nach der Partie und versucht einen Grund zu finden: „Wir tun uns in der letzten Zeit sehr schwer, das ist auch eine mentale Sache. Es sind viele Spieler, die Wochen lang Wehwehchen mit sich rumschleppen.“ nb

