Turin - Jetzt also Juventus Turin. Mit ernster Miene präsentiert Nick Woltemade das Trikot seines neuen Clubs. Die Farben und das Muster sind die gleichen wie bei Newcastle United: Schwarz-weiß gestreift, so wie zuletzt vieles war beim deutschen Fußball-Nationalspieler.
Fast auf den Tag genau vor einem Jahr wechselte Woltemade unter großem Getöse vom VfB Stuttgart auf die Insel. Die Ablöse: angeblich bis zu 90 Millionen Euro. In England als „Big Nick“ gefeiert, knallte er die Elfer anfangs in den Winkel. Woltemade, der Kult-Stürmer! Bei der WM schob er seinen Versuch dem Torhüter an den Arm. Versager, hieß es danach. Bankdrücker. Folgt nun der Neuanfang in Italien?
Zumindest beginnt das „nächste Kapitel“, wie Woltemade in den sozialen Medien unter sein Bild mit dem Juve-Trikot in den Händen schrieb. Auf die Floskeln, in denen auf nächste Schritte, die sportliche Entwicklung oder die Wucht eines Traditionsclubs verwiesen wird, verzichtete er. Juve ist selbst in Italien nicht mehr erste Wahl.
Im vorherigen Sommer gab es von Woltemade nach dem Newcastle-Transfer solche Sätze: „Für mich als Fußballer möchte ich das Höchstmögliche erreichen. Ich spiele Champions League, ich spiele in der besten Liga der Welt und freue mich auf den Schritt.“ Nicht nur gefühlt ist jetzt alles anders. Juventus spielt nicht in der Champions League, und der englischen Premier League hinkt die italienische Serie A sportlich wie finanziell hinterher. Aber das dürfte Woltemade egal sein. Er hofft vor allem auf mehr Tore, Spiele und Selbstvertrauen.
Bis zum kommenden Sommer ist der 24 Jahre alte Woltemade für die kolportierte Gebühr von vier bis fünf Millionen Euro nach Turin verliehen, was in seinem Heimatland auch auf Kritik stößt. „Ich wäre in Newcastle geblieben. Ich hätte es lieber gesehen, wenn er zum BVB gewechselt wäre. Der Wechsel gefällt mir nicht wirklich“, mäkelte Ex-Nationalspieler Dietmar Hamann.
In Newcastle, hätte Woltemade wohl auch unter dem neuen deutschen Trainer Matthias Jaissle einen schweren Stand gehabt. An den ersten beiden Liga-Spieltagen stand er nur 19 Minuten auf dem Platz. Die Gesamtbilanz mit 53 Pflichtspielen, davon die meisten in Teilzeit, und elf Toren ist für seine Ansprüche mau. Bis 2031 läuft der Vertrag des 1,98 Meter großen Stürmers bei den Magpies noch.
Bayern-Aufsichtsrat Karl-Heinz Rummenigge fühlt sich nachträglich vielleicht bestätigt: „Ich kann denen in Stuttgart nur gratulieren, dass sie einen – ich sage jetzt mal in Anführungszeichen – Idioten gefunden haben, der so viel Geld bezahlt hat - weil das hätten wir in München gesichert nicht gemacht“, sagte der frühere Bayern-Boss im vergangenen Sommer.
In dem damaligen Transferpoker galten die Münchner lange als Favorit, auch bei Woltemade selbst. Der VfB blockte, forderte eine höhere Ablöse, erklärte den Stürmer für unverkäuflich, ehe Newcastle einige Scheine mehr als die Bayern auf den Tisch warf.
