Stuttgart - Auf den ersten Blick hätte es womöglich diese eine bessere Antwort gegeben. Aber: Chantal Hagel ist ja eine ehrliche junge Frau. Also gibt sie zu: „Nein, in VfB-Bettwäsche habe ich nie geschlafen.“ Was tatsächlich verschmerzbar ist. Denn zum einen haben ihre früheren Geburtstagsgeschenke („immer ein VfB-Trikot“) für eine große Verbundenheit zum VfB Stuttgart gesorgt. Andererseits hat sie vor einigen Wochen das vielleicht wichtigste Bekenntnis zum Stuttgarter Großclub abgegeben.
Obwohl es ihr auf ihrer vorigen Station extrem gut gefallen hat, zögerte Chantal Hagel nicht allzu lange, als sie von der Möglichkeit hörte, für die Frauen des VfB in der Bundesliga spielen zu können. Sie unterschrieb einen Zweijahresvertrag. Und schuftet nun derzeit im Trainingslager im bayerischen Bad Kohlgrub, um die Ziele des Clubs gemeinsam mit ihren Mitspielerinnen zu erreichen. „Priorität“, sagt die Fußballerin, die am Montag ihren 28. Geburtstag gefeiert hat, „hat erst einmal der Klassenverbleib.“
Die Mission des Aufsteigers startet ausgerechnet dort, wo einst auch die Karriere von Chantal Hagel so richtig Fahrt aufgenommen hat. Die Mittelfeldspielerin stammt aus Calw, wuchs in Wildberg auf, spielte in der Jugend unter anderem beim SC Freiburg – blieb von 2016 an aber sieben Jahre bei der TSG Hoffenheim, wo sie erst in der zweiten, dann in der ersten Liga aktiv war. Sie machte sich einen Namen, wurde Nationalspielerin und bekam ein Angebot, das nicht viele im deutschen Fußball erhalten: vom VfL Wolfsburg. Zwei Jahre blieb sie in Niedersachsen, gewann 2024 den DFB-Pokal, ehe sie im Sommer 2025 ins Ausland ging. „Das“, sagt sie heute rückblickend auf die vergangenen Monaten, „kann ich jeder Spielerin nur empfehlen.“
Chantal Hagel stand beim FC Sevilla unter Vertrag – und ist nicht nur froh, diese Erfahrung gemacht zu haben, sondern kann sich auch vorstellen, irgendwann noch einmal nach Spanien zurückzukehren. „Das Wetter, die Palmen, die offenen Menschen und generell die gute Grundstimmung – man fühlt sich das ganze Jahr über ein bisschen wie im Urlaub“, schwärmt sie, schätzt aber eben auch die fußballerische Komponente der Auslandsstation: „Es war gut, einen Einblick zu bekommen, wie es in einer anderen Liga läuft und wie der spanische Fußball funktioniert.“ Trotz der Begeisterung hat sie all das nach einem Jahr wieder (vorübergehend) aufgegeben. Eben für den VfB.
„Der Club war der ausschlaggebende Punkt“, sagt sie, als Kind aus der Region „hatte ich Bock auf den VfB.“ Und damit auf die Rückkehr in die Bundesliga, wo sich die Stuttgarter mit ihrem Frauenteam nach drei Aufstiegen in Folge nun etablieren wollen.
Damit dies gelingt, ist in der Sommerpause eine Reihe von Spielerinnen verpflichtet worden, die schon auf diesem Level gespielt haben. Chantal Hagel ist eine von ihnen. „Sie ist eine tolle Spielerin“, sagt Sascha Glass, der General Manager der Frauen beim VfB, „die Erfahrung, die sie mitbringt, wird uns weiterhelfen.“ Glass preist zudem Hagels „starken linken Fuß“ und ihren „Zug nach vorne“. Man erwartet von der Neuen „wichtige Impulse“.
Chantal Hagel selbst will zunächst ihre Ruhe und Übersicht einbringen und schnell eine vertrauensvolle Bindung zu den Mitspielerinnen finden. Die eine oder andere kennt sie bereits von früheren Stationen, vor allem aus Hoffenheim. Und mit manch einer verbindet sie eine besondere Geschichte.
Im Jahr 2022 wurde Chantal Hagel bei ihren ersten beiden Länderspieleinsätzen jeweils eingewechselt – beide Male für Fabienne Dongus, die seit Sommer 2025 für den VfB spielt. Chantal Hagel stand im Jahr darauf auch im deutschen Kader für die WM 2023, bestritt beim Turnier in Australien und Neuseeland zwei Spiele von Beginn an. Das DFB-Team scheiterte damals jedoch überraschend in der Vorrunde.
13 Länderspiele hat Chantal Hagel insgesamt bestritten, jetzt aber ist der VfB Stuttgart das beherrschende Thema ihres Fußballerinnenlebens (sie hat auch schon ein Lehramtsstudium samt Referendariat hinter sich gebracht). Dafür ist sie heimgekehrt. Nicht nur nach Deutschland und in die Bundesliga, sondern auch nach Wildberg zur Familie. Die Wohnungssuche in Stuttgart sei nicht gerade einfach. Und: „Die Familie freut sich. Ich bin zuhause gut aufgehoben.“ Auch, wenn es da nach wie vor keine VfB-Bettwäsche gibt.
