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„Spielen physischer und leidenschaftlicher“

Lutz Siebrecht, Geschäftsführer Sport von Fußball-Regionalligist Stuttgarter Kickers, spricht über den Saisonstart, Trainer Holger Bachthaler, Abdoulie Mboob und seine persönliche Zukunft.

  • Im Schnitt erzielten die Kickers in der laufenden Saison zwei Tore pro Spiel – gegen den SSV Ulm 1846 waren es sogar vier Treffer, hier jubeln Dejan Bozic und Luca Trslic (re.).Foto: Baumann

    Im Schnitt erzielten die Kickers in der laufenden Saison zwei Tore pro Spiel – gegen den SSV Ulm 1846 waren es sogar vier Treffer, hier jubeln Dejan Bozic und Luca Trslic (re.).Foto: Baumann

Stuttgart - Die Stuttgarter Kickers stehen nach sieben Spieltagen auf Platz vier der Regionalliga-Tabelle. Vor den beiden Auswärtsspielen an diesem Freitag (19 Uhr) beim FSV Frankfurt und eine Woche später beim SGV Heilbronn-Freiberg (26. September, 14 Uhr) ordnet Lutz Siebrecht, der Geschäftsführer Sport der Blauen, die Lage ein.

Herr Siebrecht, wie fällt Ihr Zwischenfazit nach sieben Spieltagen aus?

Mit 13 Punkten können wir zufrieden sein. Natürlich haben uns die zwei Niederlagen geärgert. Sie haben aber einmal mehr gezeigt, wie stark diese Liga ist und dass grundsätzlich jede Mannschaft Spiele gewinnen kann. Umso glücklicher sind wir, dass wir so früh in der Saison bereits vier Spiele gewonnen und 13 Punkte geholt haben.

Was hat Sie an Ihrem Team bisher am meisten überrascht?

Grundsätzlich ist überrascht vielleicht der falsche Begriff. Ich finde es aber sehr positiv, wie gut und schnell die Mannschaft zueinandergefunden hat. Der Umbruch war aufgrund von Verletzungen und Abgängen letztlich größer als erwartet. Deshalb sind wir sehr zufrieden, dass wir bereits so früh in der Saison eine zweistellige Anzahl an Punkten geholt haben.

Wo sehen Sie die Stärken, wo gibt es am meisten Luft nach oben?

Unsere Stärken zeigen wir vor allem in der Offensive. Im Schnitt haben wir bisher zwei Tore pro Spiel erzielt. Das ist ein sehr guter Wert und ein klarer Fortschritt gegenüber der Vorsaison. Wir spielen außerdem physischer und leidenschaftlicher. Klar ist aber auch, dass wir unsere individuellen und mannschaftstaktischen Fehler minimieren müssen. Wir bekommen noch zu oft einfache Gegentore und machen es den Gegnern dabei zu leicht.

Welche Impulse bringt der neue Chefcoach Holger Bachthaler den Kickers?

Holger ist ein Trainer mit einer klaren Ansprache, sehr akribisch und konsequent in der Umsetzung der Themen in der Trainingswoche.  Er kann aber auch mal den Finger in die Wunde legen, um Fortschritte zu erzielen. Gleichzeitig haben wir einen Austausch auf Augenhöhe und den gemeinsamen Anspruch, besser zu werden. Genau dieser Mix tut dem Verein sehr gut.

Wenn die Gegner tief stehen, die Kickers das Spiel machen müssen, fehlt dann nicht ein kreativer Unterschiedsspieler, ein Ideengeber mit Spielwitz wie David Tomic, der im Sommer aus dem Vertrag herausgekauft wurde?

David hat große Qualitäten, weshalb er den Schritt in die zweite niederländische Liga unbedingt gehen wollte und gegangen ist. Wir haben dafür eine ordentliche Entschädigung erhalten. Das gehört zum Fußball dazu. Ich finde aber, dass wir aktuell offensiv viele Stärken haben und genau dort unsere Qualitäten liegen. Unsere Offensivspieler sind gut eingebunden und haben bereits zahlreiche Scorerpunkte gesammelt. Gleichzeitig nutzen manche Spieler jetzt ihre Chancen und füllen die Lücke, die durch Davids Abgang entstanden ist.

Warum konnten er und auch Mario Borac bisher nicht ersetzt werden? Zumal es auf der linken Seite wenig Alternativen gibt.

Mario ist ein gutes Beispiel für unseren Weg vom Talent ins Stadion. Er ist ein Eigengewächs der Kickers und hat eine sehr schnelle Entwicklung genommen, weshalb er inzwischen Stammspieler in der zweiten niederländischen Liga ist (Anm.: wie Tomic bei Heracles Almelo). Einen Spieler, der eine solche Entwicklung nimmt, kann man nicht eins zu eins ersetzen. Genauso wenig war das bei Oskar Hencke (Anm.: zur TSG Hoffenheim II) möglich. Umso wichtiger ist es für uns, eigene Talente auszubilden und ihnen eine Perspektive zu geben. Diesen Weg gehen wir weiterhin konsequent.

Wie etwa mit Leandro Mendes, der vor Kurzem erst 17 wurde.

Mit ihm haben wir erneut einen sehr jungen Spieler aus den eigenen Reihen eingebunden, der in dieser Saison bereits als jüngster Spieler der Vereinsgeschichte in einem Pflichtspiel zum Einsatz gekommen ist und dabei sogar getroffen hat. Und auch Leon Beer entwickelt sich als Linksverteidiger sehr gut und wird in der Zukunft eine Alternative auf der Position sein. Mario Borac hat von uns auch die Zeit bekommen, um sich zu entwickeln. Das ist der Weg, den wir mit Überzeugung gehen.

Wenig erfreulich ist die Personalie Abdoulie Mboob. Befindet er sich weiterhin in Dakar? Wie ist der aktuelle Stand in Sachen Spielgenehmigung?

Die Lage ist unverändert. Es geht hier nicht nur um einen Fußballer, sondern auch um einen Menschen, dem wir eine Perspektive in Deutschland bieten wollen. Deshalb unterstützen wir ihn und bleiben geduldig. Kurzfristig planen wir derzeit allerdings nicht mit ihm.

Vor dem Heimspiel-Knüller gegen Kickers Offenbach am 2. Oktober stehen nun zwei knackige Auswärtsspiele in Folge an. Mit welcher Gefühlslage gehen Sie in die Spiele beim FSV Frankfurt und beim SGV Heilbronn-Freiberg?

Wir konzentrieren uns jetzt ausschließlich auf den FSV Frankfurt. Und natürlich rechnen wir uns auch dort etwas aus. Die Liga ist so stark wie nie, deshalb tun wir gut daran, uns Woche für Woche auf den nächsten Gegner vorzubereiten. Gerade in Homburg haben wir aber gezeigt, dass wir auch solche Spiele gut meistern können. Gleichzeitig sind wir nach vorne immer in der Lage, gefährlich zu werden. Wir gehen mit Respekt vor den Gegnern, aber auch mit dem nötigen Selbstvertrauen in die Spiele.

Vor allem Heilbronn-Freiberg hat personell kräftig nachgelegt. Können die Kickers finanziell mit solch einem Club nicht mithalten?

Wie schon öfter gesagt, zählen wir finanziell nicht zu den Favoriten in der Liga. Wir haben uns in den vergangenen beiden Jahren wirtschaftlich konsolidiert und gehen unseren Weg nun auf einer guten Basis. Trotzdem haben wir eine starke Mannschaft und wollen in jedem Spiel, in dem wir auf dem Platz stehen, das Maximum erreichen.

Ihr Vertrag läuft am Saisonende aus. Gab es bereits Gespräche?

Ich bin sehr gerne bei den Kickers, und wir sind kontinuierlich in einem guten und vertrauensvollen Austausch. Aktuell läuft aber die Saison und unser Fokus liegt voll und ganz auf der Mannschaft und den sportlichen Aufgaben.

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