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Noch voll im Lernprozess

Nach drei Bundesliga-Spielen ist der VfB dank Nicole Billa und Maximiliane Rall ungeschlagen – auch wenn beim 3:3 in Nürnberg nicht alles rund lief.

stuttgart - Nach dem 3:3-Remis beim 1. FC Nürnberg war Nico Schneck viel beschäftigt. Er hielt in den Katakomben des Max-Morlock-Stadions sein Smartphone in der Hand, checkte Spielszenen und Statistiken. Was ihn nicht interessierte, war die Tabelle. „Die schaue ich mir erst an Weihnachten an“, sagte der Trainer der Bundesliga-Frauen des VfB Stuttgart, „aktuell hat sie noch keine Aussagekraft.“ Tatsächlich?

Oben stehen schon jetzt die beiden Teams, die alle auch am Ende dort erwarten: Der VfL Wolfsburg und der FC Bayern München haben ihre ersten drei Spiele gewonnen. Das hätte der drittplatzierte VfB ebenfalls schaffen können, doch nach den beiden Siegen bei der TSG Hoffenheim und gegen den Hamburger SV (jeweils 2:1) reichte es diesmal nicht zu einem Dreier. „Der 1. FC Nürnberg hat hart gespielt, damit sind wir in der ersten Hälfte nicht klargekommen. Wir haben die Zweikämpfe verloren, lagen viel auf dem Boden herum und hatten zu wenig Ballbesitzphasen“, sagte Kapitänin Maximiliane Rall, „wir haben mutlos gespielt – und dann reicht es für uns nicht in dieser Liga.“

Ähnlich kritisch sah der Coach die erste Halbzeit. „Da haben wir uns den Schneid abkaufen lassen, das war nicht gut“, meinte Nico Schneck, „wir müssen noch begreifen, was Intensität in der Bundesliga bedeutet. Für mein Team ist das ein totaler Lernprozess.“ In dem die Ergebnisse bisher trotzdem stimmen.

Schon in den ersten zwei Spielen war der VfB jeweils 0:1 hinten gelegen, in Nürnberg stand es zwischenzeitlich sogar 0:2 und 2:3. Danach sieben Punkte zu holen, spricht für die tolle Moral. Aber gegen die Herangehensweise. „Wir brauchen lange, bis wir im Spiel sind“, sagte Maximiliane Rall, „erst wenn wir hinten liegen und eh alles egal ist, spielen wir befreit auf. Das sollte mal von Anfang an klappen.“ Weil Aufholjagden nicht immer funktionieren werden.

Der VfB Stuttgart hat bisher gegen drei Kontrahenten gespielt, die noch sieglos sind, in der Tabelle die Plätze neun, zehn und zwölf belegen. Auf den VfB warten folglich noch einige Gegner, die wesentlich stärker sind. Und trotzdem hat der weiterhin ungeschlagene Aufsteiger schon in den ersten drei Wochen gezeigt, dass er selbstverständlich gut genug ist, um das Saisonziel Klassenverbleib zu erreichen. Und womöglich sogar einiges mehr – denn die individuelle Qualität ist hoch.

Neuzugang Laura Giuliani gehört fraglos zu den besten Torhüterinnen der Bundesliga, Adriana Achcinska ist eine unermüdliche Antreiberin im Mittelfeld, und im Spiel nach vorne überzeugen zwei Routiniers: Nicole Billa (30), die in Nürnberg erst einen Strafstoß zum 1:2 verwandelte und dann in der 90. Minute den 3:3-Ausgleich erzielte, sowie Maximiliane Rall (32) präsentieren sich bisher in Topform. Die Kapitänin erzielte bei der TSG Hoffenheim einen Doppelpack, in Nürnberg machte sie per Kopf den 2:2-Ausgleich und spielte zwei starke Pässe – der eine führte zum Elfmeter-Foul an Mira Arouna, der andere zum Punktgewinn durch den Billa-Treffer. „Wir kämpfen immer bis zum Schluss, die Moral ist eine große Stärke von uns“, sagte Rall, „wir werden nun auch gegen den VfL Wolfsburg alles reinschmeißen. Und versuchen, mal in Führung zu gehen.“

Am Sonntag (14 Uhr) gastiert der zweimalige Champions-League-Sieger, siebenmalige Meister und aktuelle Tabellenführer im Gazi-Stadion, der in Camilla Küver, Ella Peddemors und Cora Zicai gleich drei Dreifachtorschützinnen in seinen Reihen hat. „Wir haben nach dem 0:2 in Nürnberg die Energie, die Bereitschaft und die Gier nach vorne gezeigt, die ich mir vorstelle. Da hat die Mannschaft an sich geglaubt“, sagte VfB-Coach Nico Schneck, der sich über die Leistungssteigerung seines Teams sichtlich freute, „jetzt erwarten wir im VfL Wolfsburg ein echtes Spitzenteam. Da kommt richtig viel Qualität auf uns zu, das wird eine große Herausforderung. Aber genau das wollen wir – uns mit den Besten messen.“ Auch, um weiter lernen zu können.

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