Stuttgart - Grischa Prömel geht gerne voran. Das ist sein Anspruch – und schon nach wenigen Tagen auf dem Vereinsgelände des VfB Stuttgart ist das zu spüren und zu sehen. Hier kommt einer, der den Kopf oben trägt. Bereits beim Trainingsauftakt hat er auf dem Übungsplatz ständig um sich geschaut, um anspielbar zu sein. Der 31-Jährige hat dabei stets die nächste Aktion vor Augen. Um schnell zu agieren. „Ich will anpacken“, sagt Prömel, der sich als zentralen Mittelfeldspieler bezeichnet – und das auch im übertragenen Sinne sein möchte.
Sebastian Hoeneß gefällt dieses selbstbewusste Auftreten. „Er bringt einiges an Erfahrung mit, und wir werden sowohl in der Kabine als auch auf dem Platz von seiner Persönlichkeit profitieren“, sagt der Trainer über den Zugang von der TSG Hoffenheim. Ablösefrei ist der gebürtige Cannstatter nach längerem Anlauf in die alte Region zurückgekehrt, wo er in Esslingen aufgewachsen ist und wo noch immer Familie und Freunde leben. Nach einer Reihe von Vereinen hat er diesen Schritt vollzogen, nachdem ihn sein Weg zu Union Berlin und zum Karlsruher SC geführt hat. „Vielleicht hat es all diese Stationen gebraucht, um der Spieler zu werden, der ich jetzt bin“, sagt Prömel, der 150 Bundesliga-Einsätze (23 Tore/10 Vorbereitungen) und 96 Zweitligaspiele (10/9) absolviert hat.
Starke Statistiken für einen Mittelfeldspieler, der sich zunächst über seine körperbetonte Spielweise definiert. Lauf- und zweikampffreudig. Meist zwischen den Strafräumen unterwegs und dabei flexibel einsetzbar. Weiter hinten oder weiter vorne, wie es für das Team passt. „Ich sehe ihn sowohl auf der Doppelsechs als auch auf der Zehnerposition, die wir häufig haben“, sagt Hoeneß. Entscheidend ist für den Chefcoach, dass Prömel dort in Szene gesetzt wird, wo er seine zusätzliche Qualität einbringen kann: „In der Box, wo er torgefährlich werden kann.“
Seinen ersten Einsatz im Trikot mit dem Brustring bestritt Prömel am Sonntag bei der TSG Balingen (7:0), dem ersten Testspiel der Saisonvorbereitung. Ein erhebendes Gefühl war das für das neue Gesicht im Kader. Auch, wenn es nur gegen den Regionalliga-Absteiger ging. Mit einer VfB-Elf, in der die WM-Teilnehmer noch fehlen und in der sich zahlreiche Nachwuchskräfte zeigen können.
„Es ist schon etwas Besonderes, für den VfB aufzulaufen“, sagt Prömel, der in der Jugend der Stuttgarter Kickers gespielt hat und seine ersten Stadionbesuche mit dem Vater und den beiden Brüdern beim VfB erlebte. Das prägt.
„Beeindruckend“ sei das damals gewesen, erinnert sich Prömel an die Kindheitstage. Jetzt will er nicht nur selbst auf dem Rasen der MHP-Arena stehen, sondern schnell in die ihm zugedachte Rolle schlüpfen. Als Führungskraft. „Dafür bin ich geholt worden“, sagt der Mittelfeldspieler, der weder klare Ansagen noch den Konkurrenzkampf scheut. Mit Angelo Stiller, Atakan Karazor und Chema ist die Zentrale gut besetzt. Zumal auch Nikolas Nartey dort spielen kann. Stiller kennt er dabei noch aus der gemeinsamen Zeit in Hoffenheim. Dennoch betont der neue Mann mit der Rückennummer 21: „Ich bin hergekommen, um zu spielen.“
In drei Wettbewerben wird es reichlich Möglichkeiten geben, das Stuttgarter Spiel um einige Facetten zu bereichern. „Er strahlt bestimmte Eigenschaften aus, die unserer noch immer jungen Mannschaft helfen können“, sagt der Sportvorstand Fabian Wohlgemuth. Siegermentalität und die Bereitschaft, an die Leistungsgrenze zu gehen. Um diese Stärken zu demonstrieren, ist Prömel zum VfB gekommen.

