SportVfB

Mehr als das Tabellen-Mittelfeld?

Gekündigter Grundlagenvertrag, Abgänge ins Ausland, Diskussionen über den Modus – in der Handball-Bundesliga der Frauen gibt es vor dem Saisonstart mit dem Württemberg-Trio Frisch Auf Göppingen, TuS Metzingen und Sport-Union Neckarsulm viel Gesprächsstoff.

  • Der Handball-Bundesligist Frisch Auf Göppingen setzt in der neuen SaisonFoto: /Michael Schmidt

    Der Handball-Bundesligist Frisch Auf Göppingen setzt in der neuen SaisonFoto: /Michael Schmidt

Stuttgart - Im Dezember 2025 hatte das A-Nationalteam bei der Heim-WM Silber geholt. Von einem starken Rückenwind durch den Erfolg des Teams von Bundestrainer Markus Gaugisch ist vor dem Start der 51. Saison der Handball-Bundesliga Frauen (HBF) wenig zu spüren. Da sorgt zum einen der vom Deutschen Handballbund (DHB) gekündigte Grundlagenvertrag mit der HBF zum 30. Juni 2027 für rege Diskussionen – vor allem aufgrund der pikanten Variante, dass die HBF unter das Dach der Männer-Bundesliga schlüpfen könnte und von ihr vermarket und organisiert wird. Zum anderen zog es weitere Gesichter des deutschen Frauenhandballs aus wirtschaftlichen Gründen ins Ausland: So die Nationalspielerinnen Nina Engel (nach Rumänien), Amelie Berger (nach Kroatien) oder die Metzingerin Naina Klein (nach Serbien).

Talente rücken nach, was das WM-Gold der deutschen Juniorinnen im vergangenen Juli in China belegt. Doch ausländische Stars in die Bundesliga zu locken wird schwieriger.

Seit dem Aus von Serienmeister HB Ludwigsburg ist die Ausgeglichenheit in der Liga gestiegen. Daher wollen einige Vereine die Play-offs wieder abschaffen, die 2024/25 hauptsächlich wegen der Dominanz von Ludwigsburg eingeführt wurden. In der kommenden Runde wird die Liga nach der Punkterunde erstmals in drei Play-off-Serien geteilt. Die ersten vier spielen um die deutsche Meisterschaft, die letzten vier gegen den Abstieg, der Rest um die Plätze fünf bis acht. In diesem Mittelfeld sehen sich die drei württembergischen Teams. Oder ist mehr drin?

Frisch Auf Göppingen

Bei den Frisch-Auf-Frauen wird Kontinuität großgeschrieben. Trainer Nico Kiener geht in seine sechste Saison, sein Vertrag läuft noch bis 2028. Der 47-Jährige setzt auf ein eingespieltes, verschworenes Kollektiv mit vielen jungen Spielerinnen aus der Region, darunter U-19-Europameisterin Lara Däuble und U-20-Weltmeisterin Aylin Bornhardt. Weiterer Trumpf sind die Fans in der EWS-Arena: Im Schnitt kamen über 2000 Zuschauer zu den Heimspielen, mit 4205 Besuchern gab es in der vergangenen Saison die Rekordkulisse gegen die TuS Metzingen.

Wie die sportliche Zielsetzung lautet? „Wir wollen in die Play-offs um Platz fünf kommen“, sagt Coach Kiener.

Weh tut der Abgang von Eigengewächs Sina Ehmann, die in Sachen Dynamik, Power und Eins-gegen-eins zu den Besten der Liga zählt. Die Rückraum-Allrounderin heuerte bei Sport-Union Neckarsulm an. Für die 25-Jährige kam Matilda Ehlert (21/HSG Bensheim-Auerbach), die mit ihrer Abwehrstärke und ihren strategischen Fähigkeiten im Angriff einen anderen Spielertyp verkörpert.

TuS Metzingen

Der Fokus beim Team von Trainerin Miriam Hirsch liegt auf Tempohandball. Durch den Abgang der wuchtigen, groß gewachsenen Naina Klein kommt noch mehr Schnelligkeit ins Spiel. Große Hoffnungen ruhen auf Johanna Farkas. Die 23-Jährige war vor der vergangenen Saison als zweitbeste Torschützin der ungarischen Liga von Vasas Budapest nach Metzingen gekommen, musste sich kurz danach an der Schulter operieren lassen. Jetzt ist die Spielmacherin topfit – und soll zur Unterschiedsspielerin werden.

„Nach Platz sechs im Vorjahr ist es mein persönliches Ziel, Fünfter zu werden“, sagt Miriam Hirsch, die mit dem Play-off-Modus gut leben kann: „Dadurch kommt noch mal Spannung rein, und es ist nicht schon im März oder April alles entschieden.“ Ihr Geschäftsführer Ferenc Rott stimmt ihr zu – allerdings unter einer Bedingung: „Wenn wir Play-offs haben, dann bitte mit acht Teams, die um die Meisterschaft spielen.“

Sport-Union Neckarsulm

Kurz vor Saisonbeginn hat die Sport-Union mit der vorzeitigen Vertragsverlängerung von Trainer Thomas Zeitz bis 2029 ein Zeichen gesetzt. „Seit meinem Start in Neckarsulm haben wir gemeinsam viel angestoßen und wichtige Entwicklungsschritte gemacht. Gleichzeitig bin ich mit meiner Arbeit hier noch lange nicht fertig“, sagte der 52-Jährige. Er kann weiter auf die erfahrene Kapitänin der deutschen Nationalmannschaft setzen. „Antje Döll hat natürlich auch bei uns eine wichtige Führungsrolle“, so Zeitz. Zumal Kapitänin Munia Smits nach ihrem Ende März erlittenen Kreuzbandriss noch ausfällt.

Aufgrund der Verletzungsproblematik wurde als letzter Neuzugang die schwedische Rückraumspielerin Fanny Elovsen vom norwegischen Erstligisten Molde HK Elite verpflichtet.

Zeitz’ Meistertipp ist der BVB, gefolgt von Blomberg. „Die Plätze zwei bis zehn werden hart umkämpft“, meint der SUN-Trainer, der sich eine Rückkehr zum normalen Modus wünscht, möglichst mit 14 statt wie aktuell nur zwölf Teams in der Liga. „Die Play-offs wurden doch nur wegen der Dominanz von Ludwigsburg eingeführt, doch das Thema ist Geschichte. Spannung gibt es jetzt genug – unabhängig vom Modus“, sagt Zeitz.

Datenschutz-Einstellungen