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Kommentar: Ein Toptrainer, kein Zauberer

Kommentar: Ein Toptrainer, kein Zauberer

Nun ist es so gekommen, wie es sich Funktionäre und Fans gewünscht haben. Jürgen Klopp wird der neue Bundestrainer. Damit erfüllt sich eine Sehnsucht, die schon lange in Deutschland vorherrscht, da der 59-Jährige als ein Fußballlehrer gilt, der Kompetenz und Charisma auf besondere Weise verbindet. Seine Fachkenntnis hat Klopp dabei auf seinen Vereinsstationen in Mainz, Dortmund und Liverpool erfolgreich bewiesen. Gepaart mit einer klaren Kommunikation und einer ebenso klaren Mannschaftsführung. Alles Elemente, mit denen er begeistert hat – und die er jetzt bei der Nationalmannschaft einbringen muss.

Doch das sind nur die kurzfristigen Aufgaben für Klopp. Sie werden sich zunächst darum drehen, einen Kader zu nominieren, der zum einen in die Zukunft weist, zum anderen aber bereits in der Gegenwart funktioniert. Denn auch hier helfen wie im Clubfußball Siege, um ruhig arbeiten zu können. Dafür braucht es zunächst Vorgaben, wie gespielt werden soll. Darüber hinaus ist es für den ebenso ehrgeizigen wie leidenschaftlichen Startrainer jedoch die größere Herausforderung, langfristig zu wirken, eine neue-alte Fußball-Identität herauszubilden und zu vermitteln.

Für den DFB ist Klopp der richtige Mann. Im Grunde ist er der Einzige, dem der Verband zutraut, die Probleme zu beheben und eine Aufbruchstimmung zu erzeugen. Das war bereits vor dem Rücktritt von Julian Nagelsmann erkennbar – und hat sich bestätigt. Das Treffen von DFB-Präsident Bernd Neuendorf und Ligaboss Hans-Joachim Watzke mit Klopp glich deshalb nicht Verhandlungen über Vertragsinhalte, sondern einer Inthronisierung.

Jetzt hält Klopp das Zepter in der Hand, und wohl noch nie wurde ein Bundestrainer mit so viel Macht ausgestattet. In Anlehnung an seinen bisherigen Job im Red-Bull-Imperium darf man ihn ab sofort zumindest inoffiziell als „Head of German Soccer“ im Verbandsdickicht bezeichnen. Immerhin hat er ja auch einflussreiche Fürsprecher und Vertraute. Der DFB-Vizepräsident Hans-Joachim Watzke war in Dortmund lange Jahre Wegbegleiter. Sportdirektor für Nachwuchs, Training und Entwicklung beim DFB ist der Ex-VfB-Trainer Hannes Wolf. Klopp gilt als sein einstiger Entdecker und Wegbereiter. Gerade in der Umsetzung von Reformen im Juniorenbereich und an der Basis könnte diese Verbindung helfen.

In Jürgen Klopp hat der DFB nun also seine Wunschlösung. Allerdings ist sie keine günstige. Dazu kommt, dass sich das vielerorts ungeliebte Fußballkommerz-Sinnbild aus Fuschl am See nun rühmen darf, den Bundestrainer Klopp durch Großmut erst möglich gemacht zu haben. Immerhin am Ende ohne auf eine Doppelrolle zu beharren.

So beginnt also nun eine neue Ära im DFB. Dass dieser Start Erwartungen weckt, ist berechtigt. Nur: Übergroß sollten sie nicht sein. Jürgen Klopp schließlich ist ein Toptrainer. Aber kein Zauberer.

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